Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen, so sagt man. Der leichte Tag gestern hat meinem Körper sehr gut getan, aber dem Kopf wohl nicht so. Dazu gleich mehr. Aber erstmal gab es Frühstück in der Sonne auf diesem Hof von Lisa, der Betreiberin des STF Hostel Brantevik.

Vor dem Abenteuer bin ich in den STF eingetreten, Svenska Tourist Föreningen, Schwedischer Tourismus Verein. So bekomme ich in den Hostels einen Rabatt, der den Jahresbeitrag mehr als wett macht und ich habe immer eine gewisse Mindestqualität, oberhalb der Jugendherbergen bei uns.

So langsam wird es eng mit dem spontan übernachten und ich erst ab Mittsommer 21.6. Denn durch den Feiertag ergeben sich mit dem Freitag 4 freie Tage. So wird es also nichts mit der in Sölvesborg anvisierten Hütte auf einem Campingplatz. Alles ausgebucht, nicht zuletzt deshalb, weil die da vier Tage lang ein großes Rockfestival feiern. Mein neues Ziel heißt Vånga (sprich „Wonngon“, sonst verstehen sie mich nicht). Für einen aberwitzigen Preis im Nichts habe ich dort noch ein Zimmer bekommen, auch dort – 30 km entfernt von Sölvesborg haben sich fast ausschließlich Rockfans eingenistet. Als ich dort ankam, hatte ich die Tagestour schon hinter mir und es war alles gut.

Obwohl ich schon kurz nach 8 Uhr mit dem Frühstück fertig war, murmelte ich noch eine kleine Ewigkeit herum, kochte mir einen Capuccino für unterwegs, denn ich hatte gestern auf der Landsraße einen schönen Isolierbecher gefunden. Ich packte alles und freute mich, daß so langsam alles besser in die Taschen paßte als zu Beginn. Dann gondelte ich durch den Ort und wollte mit der Kamera irgendwie dieses Bullerbü einfangen. Brantevik ist nicht spektakulär, es ist unaufgeregt, alltäglich schön.

Als ich dann endlich richtig in die Pedale trat , merkte ich, daß ich die Radhandschuhe nicht anhatte. Also nochmal bis zum Hostel zurück , sie gingen am Haken im Zimmer, dabei hatte ich alles gründlich abgesucht. Erst gestern Abend merkte ich, daß ich das gute Taschemesser bei Michael in Smygehuk hatte liegen lassen. Ich habe ihn angerufen, wenn ich zurück bin, soll er es mir zusenden.

Kurz vor Simrishamn fotografierte ich die besondere Strand- und Felslandschaft, und hatte dafür mein Fahrrad ins Gebüsch geschoben. Nur fand ich es dann nicht wieder und stapfte im tiefen Sand auf und ab.

Nach 45 Minuten auf der Uhr hatte ich erst 5 km geschafft. Also war klar, ich werde keinen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Aber sind wir hier im Rennen? nein, wir sind im Abenteuer und nehmen uns die Zeit, die wir brauchen. Es waren über 100 km heute, das hatte ich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die Orte haben lustige Namen: Knäckebäckhusen war einer. Ein anderer Everöd und der lag in der Einöde, die immer eine sein wird. Ich drehte mich mit der zum Inland abbiegenden Straßen immer mehr in den Wind und bekam einen Vorgeschmack auf den Norden meiner Tour. Dazu kamen nun nennenswerte Höhenmeter und ich mußte weit runterschalten. in Degeberga brauchte ich nach genau 50 km ein Eis: Mjukglass. Das muß ich mir merken!

Die einzig nennenswerte Stadt auf dem Weg nach Vånga wurde von Christian dem 4. gegründet am Anfang des 17. Jahrhunderts. Er war der König von Dänemark und Norwegen. Skåne war damals dänisch. Interessant, das erklärte mir auch das Wappen von Skåne, das aussieht wie das dänische, nur mit gelbem statt weißen Kreuz. Die Frau am Empfang des Museum erklärte mir diese Zusammenhänge und ich sah mir sogar die Ausstellung dazu an.

Ich war mal wieder auf der Suche nach Stickern von der Stadt, nichts zu machen, nicht im Museum und nicht am Bahnhof. Nach Aussage des Buchhändlers hat sogar die Toiristinformation geschlossen., er wüßte nicht, wozu es die geben sollte.

Die Stadt ist nicht häßlich und einer Anwohnerin mußte ich versprechen, mir nachher noch den ausnehmend schönen Park anzusehen. Och, Natur hab ich den ganzen Tag um mich.

Touristen jedenfalls scheint es kaum zu geben. Ich fuhr also hinaus aus der Stadt und sah wie vorgestern einen Billie Supermarkt. Da holte ich mir Abendbrot und Frühstück, denn am Ziel war damit nicht zu rechnen. So langsam komme ich wieder in dieses vorausschauenden Besorgermodus, statt mich treiben zu lassen nach dem Motto „Da wird es schon was geben“. Wer meine Geschichten vom Abenteuer Island kennt, weiß, was gemeint ist. Am Abend buchte ich schon mal die Hostels in Stockholm (ein Geföngnis, bei dem sie hoffentlich die Schlösser und Klinken nach innen verlegt haben) und Helsinki – wieder am Flughafen für 65€ die Nacht, wo ich zwei Tage bin und mit dem Zug in die Stadt fahre.

Ich fuhr wieder durch viel Natur und sogar Berge bis nach Vånga und dann hatte ich genug für heute. Patrik vom Hostel sagt, es werden heute Nacht jede Menge Betrunkener Rockfans ankommen, die womöglich auch Geräusche machen. Wir werden sehen. Noch etwas habe ich heute vergessen: Den Pullover. Habe an Lisa, die Betreiberin des Hostel in Brantevik angeschrieben, ob sie ihn nach Stockholm senden mag. Ich würde ihr auch einen Umschlag mit 100 Kronen für das Porto senden. Denn nochmal zurück, das geht nicht.

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