Nach Pech kommt Glück. Ich hatte gestern berichtet von Mißgeschicken und das waren noch nicht alle! Heute ging es erst weiter aber dann kam das Glück zu mir zurück – an meinem Geburtstag.

Zunächst aber hatte ich irgendwie wieder aus den Höhenzügen im Binnenland an die Küste zu kommen. Ich überlegte lange an einer Route, die mein Ausweichquartier in Vånga nicht zum Nachteil machte, also sie nicht unnötig verlängerte. Die Rockfans waren offenbar sehr müde, ich hatte nichts von ihnen gehört, nur vereinzelt schlichen sie zur Toilette oder auf die Terrasse, um als erstes zu rauchen und zu husten. Auf der Straße sah ich „Rockbusse“ in Richtung Sölvesborg fahren, um das Publikum an- und abzutransportieren.

Die Natur war toll und es ging wieder fleißig auf und ab, aber sonst gab es nichts zu sehen. Aus Langeweile fotografierte ich eine Papierfabrik, die Millionen Stämme zerkleinert und Zellulose gewinnt.
Weil ich spät loskam, erwischte mich ein kräftiger Regenschauer gleich zu Beginn, es blieb aber der einzige heute. Gestern wurde ich im schönsten Sonnenschein von einer bäuerlichen Beregnungsanlage geduscht. Die gleich Situation hatte ich heute nochmal, aber diesmal war ich schon naß. Der Wind treibt das Wasser auf die Straße.

In Karlshamn war ich wieder zurück am Wasser. Die Ortseinfahrt haben sie schön als Tunnel unter diesen Steinen betoniert. Sehr cool.

Am Hafen holte ich mir ein Mjukeglass und schlenderte rüber zur Touristinfo. Geöffnet samstags 11-15 Uhr. Aber leider erst ab 15. Juni – also keine Aufkleber. Irgendwas ist immer.

Es war windig und auf der Suche nach einem schönen Motiv schlenderte ich Richtung Innenstadt. Als ich den Bankautomaten sah, dachte ich an den 100 Kronenschen, den ich Lisa versprochen hatte, wenn sie meinen Pullover nach Stockholm schickt. Ich faßte in meine Tasche und die Girokarte war weg – verdammt! Gestern hatte ich noch geschworen, besser auf meine Sachen aufzupassen und nun so etwas.

Am Eisstand hatte ich eben noch damit bezahlt. Ich ging die selbe Strecke bis zur geschlossenen Touristinfo und zum Eis zurück, nichts. Ich fragte den Eismann und der fragte zurück, wie denn das Eis gewesen sei. Im fehlte offenbar das Fingerspitzengefühl für meine Lage. Immerhin schwenkte er ein und sagte es sei bedauerlich, bestimmt hätte ich sie irgendwo verloren. Ja sicher.


Ich schritt dann wieder zurück zum Bankomat und suchte den Boden ab. Nichts zu machen. Mit einer anderen Karte hob ich 500 Kronen ab und besorgte mir einen Briefumschlag + Marke. Als ich dann gerade in meiner BankApp nach dem Prozedere für verlorene Karten suchen will, ruft mich eine schwedische Nummer an, ob ich Guido Lange sei.

Es war ein Paar aus Stockhoöm, die meine Karte auf der Straße gefunden hatten. Das Glück war zurück! Ich wollte wissen, wie sie an meine Nunmer gekommen seien. Es war in der Hülle auch die Quittung von Patricks Hostel in Vånga. Dort hatten sie sich nach meiner Nummer erkundigt – genial, ich war gerettet!

Wie konnte es sein, daß ich sie verloren hatte? Sie steckte allein im tiefen Mittelfach des Radshirts, damit ich sie mit nichts anderen zufällig herausziehe, aber griffbereit habe. Nun muß ich mir was noch sichereres überlegen.

Die Schnellstraße zum Ziel war teilweise sogar eine Autobahn, beides für mich tabu. So verließ ich mich auf meine geplante Route, die mal links, mal rechts mit entsprechenden Umwegen durch die Natur führte. Ich trat wieder fleißig und kam ziemlich zerstört nach 73 km in Ronneby an.

Mein Gesäß machte mir zu schaffen. Ich hatte auf die heilende Kraft der Natur gesetzt und erst heute morgen eingecremt. Das war wohl zu wenig. Es fühlte sich an, als würde ich nackt auf dem schmalen Rennsattel sitzen.

Ich hatte die kleine Stelle morgens betrachtet und es dann mit aussitzen versucht. Haha. Morgen probiere ich was neues: Zwei Radhosen übereinander und Salbe schon heute Abend.

Nach 103 km war ich in Karlskrona und fand mein Gefängnis, ein Hostel des STF. Ich hatte Instruktionen per SMS bekommen über mein Zimmer und den Zugang.

Ich hatte mich erkundigt: Man kann mittlerweile das Schloß auch von innen öffnen.

Wir lachen, aber das war hier früher bestimmt nicht lustig.

Von der Stadt sah ich nicht viel, vielleicht mache ich morgen noch bei schönem Wetter noch ein paar Bilder.

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