SE04 Karlskrona-Kalmar-Öland

So langsam hat sich das Abenteuer Skandinavien seinen Vornamen verdient. Jedenfalls steigt der Abenteuerfaktor auf ein lokales Maximum. dabei deutete sich das erst nicht an.

Yachthafen Karlskrona

Der Start war extrem hakelig: Kennt Ihr das? Drinnen hältst Du es schon in der Morgensonne kaum am Küchentisch aus, aber beim ersten Schritt aus der Tür läßt Dich der eisige Wind erstarren. Nach 30 Metern fällt an einer Bordsteinkante der Deckel ab und der Tee verschüttet, die Sonne blendet dermaßen, das man nix auf dem Handy sieht und jede Möglichkeit an der Kreuzung muß man einmal gefahren sein, um festzustellen, welche wohl die Richtige ist. Ich kenne das und versuche es zu ignorieren. Das geht vorbei.

Leider keine Bilder aus dem Stadtzentrum

Ich wollte wie gestern schon, Bilder von den Sehenswürdigkeiten machen, bevor es richtig losgeht. Aber ich fand das Zentrum nicht. Aus Richtung Hafen gibt es keine Schilder und Leute die ich fragte, sagen „hm, äh, wissen sie auch nicht“. So muß es eben ohne gehen, auch wenn ich dann am Stadtrand wieder Schilder sah „Centrum“ – zu spät.

Zwischenziel

Ich nahm endlich Fahrt auf, aber mein Weg, den ich im Januar geplant hatte, hab es nicht mehr. Sie bauen die Autobahn und stellten 150 grellorange Schilder für die Autos auf, wohin sie denn nun sollten. Ich folgte ihnen erstmal und dann kam sogar ein extra Umleitungsschild für Radfahrende. Dem folgte ich, aber nach dem zweiten Schild fand ich mich an einem Fünferstern-Platz, wo es in vier Richtungen in eine Sackgasse ging. Den fünften nahm ich und es kam wie immer, er wurde schmaler, er wurde schlechter, Schotter und dann aus an einem Roggenfeld. Ganz super.

Stimmung knapp unter 0°

Am anderen Ende sah ich Häuser und schob durch das höher werdende Getreide. Die Häuser lagen alle an einer eigenen Sackgasse aber es gab eine Straße raus aus diesem Gewirr. Ich hatte wieder Asphalt unterm Rad und fuhr zur Autobahn. Die Umleitungsschilder waren wieder da und ich reihte mich in die Autotoschlange, die sich über eine schmale Straße parallel zur neuen Autobahn quälte.

Mehr Platz fürs Rad!

Und dann machte ich was ganz verrücktes: Ich schon mein Rad die frische Böschung hinauf und fuhr auf der Autobahn, als einziger! Genial. Im aufkommenden Rückenwind fühlte ich mich wie der Kaiser von Deutschland und brauste genau in der Mitte dahin. Das ging natürlich nur so 8 km. Dann sah ich das Ende des fertigen Abschnitts, der eben noch ohne Fahrbahnmarkierung war.

Stimmung 100°

Es war Sonntag, was sollte passieren. Ich trug das Rad wieder runter auf einen schmalen Schotterweg, denn die Umleitung führte natürlich wo ganz anders lang. Auf meiner Offlinekarte sah ich keinen Weg und holperte bis zu einer Gruppe von Gehöften. Viel Autos und viele Fahrräder, aber keiner Zuhause. Ich stolperte zu einem Einfamilienhaus wo in schwedischer Manier genossen wurde. Ich befragte sie und sie sagten, ich müsse auf der Autobahn zurück. Das wollte ich auf keinen Fall, aber Danke.

Da hinten ist Schluss

Also fuhr ich zur Baustelle und hatte nicht zu unrecht Respekt vor ihr. Aber mein leichtes Rad kann ich eben auch über Geröll die Böschung zu einer Brücke hochtragen, wenn es die Situation erfordert. Oben gab es wieder eine Straße und zwei Ecken weiter war ich wieder auf meinem Weg. Voll krass: nur 25 km in 90 Minuten. Der Rekord im Laufen liegt drunter. Ich startete durch in Jämjö und dann rief einer meinen Namen?? „Ey Guido!“

Zwei Bikepacker im Glück vereint

Ich sah hinüber, fuhr um die Verkehrsinsel und landete bei ihm an: Carsten aus Siegen. Er kannte mich, weil er ein Buch mit Widmung im Webshop ampelpublishing.de gekauft hatte. Aber wir trafen uns nie persönlich. Das war ja grandios. Er hatte mitbekommen, daß ich hier auch irgendwie unterwegs sein mußte und machte gerade einen Break an der Bushaltestelle. Wir klopften uns auf die Schulter und lernten uns kennen. Ich bewunderte sein Setup in 1A Qualität und dann ließen wir uns fotografieren, wir zwei Helden der Skandinavischen Landstraße. Carsten hatte übrigens der Umleitung mühelos folgen können. Tja, es lieg an mir.

Wir fuhren ein Stück zusammen, aber dann wollte ich mich lieber wieder auf den schmalen Seitenstreifen der Landstraße klemmen, während er die Gegenden abseits der Haupstraße erkundete . Gutes Konzept und gute Fahrt allzeit, lieber Carsten! Wir sehen uns wieder auf der Radmesse in Siegen im nächsten April!

On the road again

Ich hatte Bedarf für ein paar schnelle Kilometer und die gab es nun auch. Ich freute mich innerlich über unsere Begegnung und was es doch für tolle Menschen gibt. Nach 23 störungsfreiem Flugkilometern sah ich eine Scheune mit der Schrift „Glasskafé“ – Eis!

Bröms Gårdsbutik

Das war jetzt das richtige nach 50 km (zum Frühstück hatte ich nur ein altes Brötchen und Kaffee, das Gefängnis hatte selbst nichts zu essen. Das Eis mußte erst antauen, nach und nach konnte man es sehr gut Essen. Eis hat viele Kalorien, liegt aber nicht schwer im Magen. Das kenne ich seit dem Abenteuer Baltikum, man kann problemlos mit Eis im Magen weiterlaufen.

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Links und rechts gab es Felder mit herrlichen Farben!

So etwa 16 km vor Kalmar war ich sehr happy, zügig durchgekommen zu sein,hatte aber Probleme die vielen Straßen und Schilder an einer Grosskreuzung mit meiner Offlinekarte überein zu kriegen. Ich schaute hoch, runter, hoch runter und dann sah ich mich 2 Meter vor einer Betonspitze einer Bushaltestelle an diesem unattraktiven Platz. Ich schrapte daran entlang und versuchte, mich nicht zu überschlagen, lieber schliff ich den Radschuh ein Stück ab. Aber dann, etwas verlangsamt, stürzte ich doch noch. Am Knie eine Schürfwunde und die Schulter geprellt. Na, das schmerzte, aber es war nichts kaputt.

Heldenfoto, dabei ist die Abschürfung an der Schulter viel schlimmer

Die Stellen werden sich noch verfärben aber eigentlich Glück im Unglück. Ein Paar in einem Auto bemerkte, daß ich in Schwierigkeiten steckte und erkundigte sich nach mir, bot Hilfe an. Sehr nett, wie bisher alle in Schweden. Ich hatte nur gute Erfahrungen gemacht. Ich schwang mich also wieder aufs Rad und ließ mich von Tommy, einem Biker hier aus der Nähe, bis zum Anfang eines schnurgeraden Radwegs bis an den Bahnhof von Kalmar führen.

Tja Sorry, davon will ich nichts abgeben

Dort am Bahnhof setzte ich mich in den Windschatten eines Pizzakiosk und untersuchte, wie weit es denn nun wirklich noch ist bis zur Station Linné auf Öland.

Ich machte noch einen Abstecher zum Schloß und dann ging ich die letzten 15 km an.

Kalmar Slot

Ich mußte über die Brücke und fuhr auf Nebenwegen erstmal ans Ufer, um sie zu fotografieren.

Nein, das ist sie nicht….
… sie ist größer und länger!

Von dort fuhr ich dann über eine reguläre Rampe hinauf und merkte schnell, das könnte nicht erlaubt sein!

Jede Richtung zwei Spuren, aber kein Randstreifen

Jedes zweite Auto hupte und ein LKW der Molkerei „Arla“ wollte mir wohl eine Lektion erteilen und fuhr hupend dicht an mir vorbei, obwohl die like Spur frei war. Nur falls Ihr mal wieder am Milchregal steht, und unschlüssig seid, ob Ihr was von Arla kaufen solltet.

Der Wind pfiff enorm von rechts und ich war mir inzwischen der Gefahren voll bewußt

Ich fuhr was das Zeug hält und hatte Unterstützung vom körpereigenen Adrenalin. Zunächst ging es hoch bis auf den Peak und dann eine Ewigkeit bis zur ersten Abfahrt auf Öland.

Länge: 6072 Meter

Es war meine aufregendste Brücke bisher. Zumal ich damit rechnen mußte, daß die Polizei mich stoppte oder Begleitschutz bis hinunter gab, der ganz sicher nicht kostenlos sein würde. Ich düste die erste Abfahrt rechts runter und war in Sicherheit. Voll mit Adrenalin wollte ich die restlichen Kilometer schnell durchziehen, mußte aber kurz die Karte studieren und Google einschalten.

Hafen Färjestaden, im Hinterhrund die Fähre auslaufend nach Kalmar

Da gesellte ich sein grauer Volvo dazu und zwei Polizist:innen stiegen aus. Oha! Ob ich eben auf der Brücke mit dem Rad gefahren sei. Ich sagte, ich sei unsicher, was ich antworten soll: Nein, um einer Strafe Zu entgehen oder die Wahrheit. Er flößte mir Vertrauen ein und ich sagte, daß ich mir zwar auf der Brücke bewusst wurde, daß das bestimmt verboten sei, zunächst aber es keine Anzeichen dafür gab. Es sei ja auch keine Schnellstraße oder Autobahn. Er unterrichtete mich über die Gefahren für mich und andere bei dieser Aktion. Ich bat um Entschuldigung. Ob ich von der Fähre wüßte, die hätte ich auf jeden Fall zu nehmen.

Ich hab zu, sie in Erwägung gezogen zu haben, dachte aber die Wahl zu haben. In dem Augenblick kam ein Transporter mit vier weiteren Polizisten, auf die ihr Kollege zu ging. Ich fragte die Frau, wie im Fernsehen, nur in echt, ob sie denn für mich das SWAT Team gerufen hätten, um mich einzulochen. Sie grinste und meinte, die seien aus anderen Gründen hier. sie wollte wissen, woher und wohin meine Reise ging, ob ich das erste Mal auf Öland sei und wieviel Kilometer pro Tag, wo ich übernachtete. Ich erklärte und sagte ihr, daß wir Polizisten wie sie nur aus dem Fernsehen kennen und ob wir ausnahmsweise ein Selfie machen könnten. Aber das ging leider nicht.

Der Polizist kam zurück, die anderen fuhren weiter und er wollte einen Ausweis sehen. Ich zeigte ihm meinen Führerschein auf der Rückseite des Handys. Er machte ein Foto und ich holte ihn aus der Hülle, damit er auch die Rückseite fotografieren konnte. Vielleicht sendete das irgendwo hin oder ließ das prüfen. Dann fragte er, ob ich wirklich nicht gewusst hätte, daß man da mit dem Rad nicht drüber durfte. Ich erklärte nochmal und war höflich wie er. Wir verbrachten da insgesamt bestimmt eine halbe Stunde. Dann sagte er, normalerweise müsse er ein Ticket ausstellen, aber weil ich das erste Mal hier sei, wolle er ein Auge zudrücken. Sollte ich ich je nochmal erwischt werden, wäre ich fällig. „Ja klar, selbstverständlich, bitte entschuldigen Sie nochmals und Danke für alles.“

Die schwedischen Polizeiautos waren früher viel schöner

Ich wollte mir nun keinen Schnitzer mehr erlauben und nahm brav jeden Radweg, wartete bei Rot, alles wie es sich gehört!

Inder ersten Woche knapp 800 km

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