Falls sich jemand fragt, „Wo liegt Tofvehult?“ , in einem abgeschiedenen Winkel an Schwedens Ostküste in atemberaubender Natur ohne eine richtige Straße. Aber dazu kommen wir noch.

Heute schon 8:45 abgefahren – Rekord! Denn auch wenn man früh dran ist, bis man so alles hat … wir wollen ja nichts vergessen!

Ich düste hoch motiviert los und machte dann aber doch noch Bilder.

Leider kam ich zu spät an der Fähre an, und nach 9 Ihr fährt bis Nachmittags keine mehr.Ich hatte doch den Polizisten versprochen, mich gedetzeskonform zu verhalten. Dann sah ich einen Schulbus und befragte den Fahrer, ob es nicht einen Bus nach Kalmar gäbe. Nachdem ich fertig formuliert hatte, nickte er mit dem Schädel mehr so nach links hinten und machte dann die Tür wieder zu. Er war in Pause. Das mußte für mich reichen. Ich fand die Haltestelle und dann kam auch schon der 105er Bus.

Ich warf das Rad hinten rein ( mal wieder von Vorteil, daß es so leicht ist) und zahlte vorn. Hier in Schweden halte ich immer nur irgendwo die Karte dran. Was der Spaß kostet, gucke ich später mal.

Na, jedenfalls fuhren wir zügig los – natürlich über die Brücke! Mein Nebenmann erzählte, daß öfter mal einer erwischt wird mit dem Rad oder sogar zu Fuß auf der Brücke. Bis vor ein paar Jahren war es auch erlaubt.

Ich sprang an der erstbesten Haltestelle raus und orientierte mich parallel zur Autobahn. So kam ich entlang dieser schönen Allee, die mit Steinmauern gesäumt ist.

Die Idylle links und rechts war kaum auszuhalten. Nur diese Häuser in Rot mit weißen Fenstern, Garten, Zaun, fertig.

Irgendwann wurde mir diese Gurkerei über die Dörfer zuviel, Ich kam zwar voran, aber wenn man 150 km vor sich hat, achtet man noch stärker auf einen effektiven Streckenverlauf. Die Autobahn war inzwischen wieder eine normal ausgebaute Landstraße, auf der ich fahren durfte.

Ich drehte auf und konzentrierte mich auf die Straße. Klar, dann gibt es weniger zu sehen und gerade in den einspurigen Passagen versuchte ich, durchgängig über 30 km/h zu fahren.
Dann tauchte die Polizei mit Blaulicht neben mir auf. Was war denn jetzt schon wieder? Sie ließ die Beifahrerscheibe runter und erklärte irgendwas wie „fahren Sie rechts ran“. Ich war in voller Fahrt bergab und fragte, ob es hier nicht erlaubt sei, sie sagte doch, schon und dann kam ein Parkplatz und ich fuhr raus. Sie fuhren weiter.
Es standen zwei Fahrer mlt ihren Autos da und rauchten. Die befragte ich. Sie sagten, das wäre die nette schwedische Polizei, es sei ein Auto mit Warnlichtern hinter ihnen gefahren, sie hätten es eskortiert und zu meiner Sicherheit mich gebeten, rauszufahren. Entweder Überbreite oder Gefahrgut, das hatte ich in der Aufregung nicht mitbekommen. Nun also dürfe ich beruhigt wieder weiterfahren, es sei erlaubt. Die Kilometer schmolzen, aber 30 km/h sind für mich kein Dauerzustand. Wir sind hier schließlich nicht bei der Tour de Fronx!

Nach der Hochleistungsstrecke begab ich mich wieder abseits der Hauptstraße. Denn die machte einen großen Bogen um einen Höhenzug mit viel Wald. Wieder hatte ich die Idylle mit viel Natur und einzelnen Häusern.


Ich erreichte Oskarshamn, 73 km. Immerhin fast die Hälfte. Und ich hatte richtig Hunger. Gestern die Pizza am Bahnhof von Kalmar war eine gute Sache. Das gab es hier auch. Die Station war ein Sackbahnhof, denn das ist logisch: Am Hafen ist die Fahrt zu Ende.

Danach ballerte ich wieder ein Stück Bundesstraße und stoppte nur kurz, um etwas zu trinken und das Rücklicht zu kontrollieren. da sah ich dann diese beiden Schönheiten und mußte fotografieren.

Ich zog durch bis zur Abfahrt Blankaholm. Hier hätte ich eigentlich übernachten wollen aber es gab dann eben nur Tofvehult 18 km weiter. An der Ausfahrt standen Schilder, daß es was zu essen gäbe, aber da war nichts. Ich düste 3 km bis runter ans Wasser, aber es gab nur ein paar Sommerhäuser. Ich machte mir Gedanken, daß ich dringend was zum Abendbrot brauchte und auch zum Frühstück. Ich hatte angenommen, hier irgendwo einen Laden zu finden. In Google zeigte es eine „Naturbutik“ aber auch die gab es nicht (mehr).

Ich mußte um einen langgezogenen See über Slingsö fahren und stellte fest: Alles Schotter – na eher Splitt. Das ist ja nun überhaupt nichts für mein Fahrrad! Es ging unendlich oft steil rauf und wieder runter und war absolut idyllisch. Jeden Moment würde ich mir einen Platten einfahren. Links und rechts ragten Granitformarionen aus dem Untergrund und der Weg mäanderte sich durch den Wald, rechts tauchte denn der langgezogene See auf. Daran einzelne kleine rote Häuschen. Mehr Schweden geht nicht!

Die Orte waren wie im Baltikum: Großes Ortsschild, aber fast gar keine Häuser. Ich hielt ein paar mal und klopfte und rief. Die Häuser waren unverschlossen aber niemand zuhause. Nicht mal ein Hund.

2,3 km noch bis zum Ziel, aber nun hatte ich meinen Platten. Schieben fand ich besser, als hier zu flicken. Kurz vor der Herberge war ein Mann in seiner Garage am rum am machen. Ich fragte ihn, ob er einen Kompressor hatte, mit dem ich nachher 8 Bar auf meinen geflickten Reifen pumpen konnte. Jürgen hatte angebissen und borgte mir seine SKS Standpumpe. Das ist die beste, hab ich auch zuhause. Ich brachte ihm die später wieder.

Lena und Peter betreiben diese Unterkünfte und wohnen selbst in einem alten Herrenhaus, gleich daneben ein funktionierendes Wasserkraftwerk von 1906. Peter erklärte mir alles. Es sind in die andere Richtung auch nur 2 km, bis wieder Asphalt kommt.



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Ein Gedanke zu “SE05 Öland- Kalmar-Oskarshamn-Tofvehult”