Das Abenteuer Skandinavien ist erst seit 8 Wochen vorbei, und es juckt mich schon wieder, eine kleine Ausfahrt zu machen. Die Lücke Nürnberg bis nachhause habe ich seit dem Abenteuer Transkaukasien offen. Und überhaupt wollte ich schon immer mal am schönen Main entlang fahren. Genug Gründe für diese Tour!

Wieder auf Tour zu sein, ist ein tolles Gefühl von Freiheit und Abenteuer und auch sportlicher Herausforderung. Denn – kann ich das überhaupt – 180 km dreimal hintereinander?

Erstmal entlang des romantischen Rheins bis Bingen. Das ist immer eine schöne Fahrt und weil man weiß, wie warm es werden soll, ist die morgendliche Frische ein Genuss.

Es sind wenige Autos unterwegs und ich fliege dahin. In Bingen suche ich den Einstieg nach dem Rheinuferweg und frage einen betagten Mann danach. Der blüht auf und erzählt mir, wie und wohin ich fahren soll. Dabei fällt mir auf, daß er früher selbst viel mit dem Rennrad unterwegs gewesen sein muß. Das war der Grundstein für seine Fitness im Alter. So ähnlich schwebt mir das auch vor, aber wer weiß schon, was kommt.

Ohne es nachgeprüft zu haben, denke ich, daß das hier eine Säule nach schwedischem Muster ist. Denn die Meilenangaben deuten darauf hin: 1 schwedische Meile = 10 km. Diese habe ich ganz oft in meinem Abenteuer Skandinavien gesehen.

Schon um 11 Uhr sitze ich bei km 100 am Dom in Mainz mit einem Kaffee für die erste Pause. Hier mündet der Main und es geht durchs Rhein-Main-Gebiet flussaufwärts. Hoffentlich komme ich da gut durch bei all den Straßen und Wegen.

Es geht sehr gut, die Ausschilderung ist besser als in Rheinland-Pfalz, aber da war ich nicht so darauf angewiesen. Es geht sehr super am Main entlang fast ohne Ausnahme und ich bleibe schön auf der rechten Seite, was also in Fließrichtung linksmainisch ist.

Ich lasse mich vor der Skyline von Frankfurt fotografieren und bin bester Dinge, weil es so gut läuft.

Offenbach, Hanau und dann lasse ich den Ballungsraum hinter mir.



Bei Stockstadt war ich in den Freistaat Bayern eingereist und freute mich auf eine schöne Portion Kässpätzle und zwei halbe Helle im Schlappeseppel Brauhaus. Es ist der Vorabend des großen Stadtfestes und ich bin froh, anderntags weiter zu fahren.

Ich freute mich schon lange auf den Mainradweg entlang der roten Sandsteinwände. Die links und rechts wie beim Grand Canyon aufragen. Jedenfalls hatte ich vor 16 Jahren diesen Eindruck, als ich hier mal mit dem Auto war. Aber so ist es nicht. Nicht für mich. Radler, die mehrere Tage rund um Miltenberg erkunden, sagten, sie hätten das so erlebt. Offenbar fuhr ich auf der „falschen“ Seite. Später sehe ich etwas davon von weitem, aber nicht halb so spektakulär, wie ich es kannte.

Nach Miltenberg ging es mehr oder weniger nach Süden und von dort kam auch der Wind. Es bestand also die Hoffnung, daß nun bis nach Gemünden Rückenwind käme.

Am Tag 2 ist eigentlich nur durchhalten gefragt. Es soll eigentlich etwas kürzer werden, aber wärmer. Hauptsache Ankommen – wir werden sehen.

Das mit dem Rückenwind hat sich nicht unbedingt so an angefühlt. Wie auch, wenn man selbst zügig fährt.

Ich war etwa 90 später mit allem als gestern und sehr froh, in einem Würzburger Biergarten ein eiskaltes alkoholfreies Helles zu bekommen. Denn nun waren es nur noch 18 km bis Ochsenfurt.

Gestern 71€ im Aschaffenburger Hof, heute 80€ im „Bären“ in Ochsenfurt. Das ist kostenmäßig absolut im Rahmen. Leider war das Restaurant im Bären wegen Urlaub geschlossen aber ich wurde im Brauereigasthof KAUZEN gut entschädigt mit Kässpätzle und Bier. Darum machte ich das Radabenteuer – um so richtig bedenkenlos reinhauen zu können.

Tag 2 war länger als die gedachten 170 km.

Tag 3 würde nicht unbedingt eine Spazierfahrt, zumal es richtig heiß werden sollte und das kühle Klima der Flußaue mich nicht mehr im selben Maße schützen sollte. Aber ich ging es mit Geduld und Eespekt an.

Über Kitzingen, Schwarzach und Volkach ging es erstmal 60 km nach Norden bis Schweinfurt. Die Hoffnung auf Rückenwind konnte ich begraben. Stattdessen kam er umlaufend, in Böen und fühlte sich an wie ein heißer Fön.

In Haßfurt wollte ich pausieren und nebenbei die erste Halbzeit meines Lieblingsvereins auf den Handy verfolgen. Aber ich stieg dann 8 km vorher in Theres schon mal ab. An einem Garagenhof durfte ich meine Wasserflasche mal wieder auffüllen. Die Sonne war – herausfordernd.
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Aber ich erreichte mein Zwischenziel, die zweite Hälfte guckte ich während der Fahrt. Das kam mir als Ablenkung gerade recht, denn mich plagte ein kleines Motivationsloch. Der Arsch brannte, die kleinen Zehen schmerzten, der Rücken spannte, die Aufmerksamkeit ließ nach für jede Art von Handicap. Autos, Schlaglöcher, unklare Beschilderung, unklare Hinweise der Bevölkerung. Kein Wunder, es litten halt alle.

So zog ich mich mit Geduld durch das Loch und erreichte nach 120 km Bamberg, wo – in auch wieder historischer Kulisse – ein Stocherkahn und Schifferfest gefeiert wurde. Ich geriet da unvermittelt hinein und kam beinahe nicht mehr heraus. Später erzählten mir andere Rennradler, ich hätte den mit Anstand schlechtesten aller Radwege genommen. Tja Leute, der wurde mir wegen verschiedener Baustellen halt zugewiesen.
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Die Radler trafen sich in Eggolsheim am Main-Donau-Kanal, wo ich mich absetzte und nochmal ein alkoholfreies trank. Dazu kaltes Wasser für die Trinkflasche. Bestimmt zehn Mal hatte ich sie schon.nachgefüllt. Sie hielt nun nur jeweils ein paar Kilometer. Die Luft war raus und ich total fertig. Nun war Beharrlichkeit gefragt. Noch 33 km bis zum Ziel Eckenthal bei Freunden.
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Und diese 33 km hatten es in sich. Ich verfuhr mich, kam ab von meiner Route und machte dann den selben Fehler wie immer, in solchen Situationen: Ich schaltete in Forchheim Google mit Fahrradnavigation an. Ein Fehler, wie gesagt. Ich landete in einer Baustelle, mitten in der Hitze auf einem schlammigen Weg und hatte zum Schluss noch paar mehr Höhenmeter.
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Ich besiegte den Schmerz und die Stimmen, die „Nein“ riefen und kämpfte mich durch. Es waren auch an Tag 13 km mehr als gedacht. Aber dann, hinter der Haustür war alles gut. Ich war heil angekommen, meine physischen Grenzen ausgereizt und mein Ziel erreicht. Mehr geht nicht für mich.

Was für eine Tour! Von Koblenz (Nähe) nach Nürnberg (Nähe) entlang von Rhein, Main und Kanal auf 544 km in drei Tagen. Ich hatte mir das so überlegt und dann hab ich es gemacht mit Geduld und Zähigkeit.

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2 Gedanken zu “Nürnberg-Koblenz 540 km in 3 Tagen”