N03 Flekkefjord – Egersund

Es wird immer spektakulärer, zumindest bis heute an Tag 3. Man weiß nicht, was noch kommt, aber bisher ist diese Reise schon wieder sensationell. Zumindest anders als alle bisher.

Erstmal fuhr ich die 4 km bis runter in die Stadt Flekkefjord.

Heute kam ich tatsächlich früher los, obwohl ich wieder bis 23 Uhr brauchte, um die Bilder auszusuchen und den Beitrag zu schreiben. Denn es sollte ab Mittag starker Wind aufkommen aus NordNordWest. Mit Böenbis zu 70 km/h. Super unpraktisch, wenn man nach NordWest fährt.

Ein langer aber gleichmäßiger Anstieg, parallel säuselte ein Bach – so ist es gut.

Ich hatte mir die Route angesehen und da waren mehrere steile Rampen dabei. Nicht auszudenken, wenn dann auch noch Wind von vorne käme. OK, der wäre dann wohl eher „von oben“. Eigentlich mit 70 km ziemlich kurz, aber von den Höhenmetern träumte ich ja schon seit März…

(Straße gesperrt 30.5. – Fahrradrennen) Gut, daß ich da nicht mitmachen muss und Respekt vor allen, die an sowas teilnehmen! Das ist schon Tour de Fronx !

Weil es einfach immer weiter hoch ging, dachte ich mir schon, daß das gleich die erste Rampe sein mußte. Die Berge wurde kahl, es gab kaum noch Bäume und es war angenehm frisch – auch in der Sonne.

Oben dann ein Bergsee auf etwa 200 m ü.dM.

Man bekommt richtig Schwung, wenn es mal nicht nur hoch geht. Aber das war nur das Vorgeplänkel. Erstmal wieder runter nach Åna Sira, ein Dorf im Talkessel mit Rings herum Bergen. Die Wohnmobilisten, die mich eben überholt hatten, saßen in der Sonne bei Kaffee und Bier. Ich wußte durch die Lage des Ortes, was auf mich zu kam:

Eine schöne Serpentine, da mußten auch die WoMos in den kleinsten Gang schalten. Unten Åna-Sira.

So ein Serpentinen-Foto wollte ich immer schon mal machen, aber nicht jede Straße eignet sich dafür. Ist sie zu steil, kann man nicht anhalten („Anfahren am Berg, kennt man aus der Fahrschule, nicht ganz einfach“), ist sie zu flach, gibt es kein spektakuläres Bild. Ich kletterte eine kleine Ewigkeit auf den Felsen herum, damit man „auch was sieht“. Aber man sieht tatsächlich nicht viel. Übrigens sind die IRadschuhe gar nicht geeignet zum Klettern. Ich hielt mich an den Latschenkiefern fest. Liebe Kinder, nicht nachmachen!

Die zweite Rampe war also erheblich steiler und ich hatte das Gefühl von Hochgebirge, dabei sind wir nur bei knapp 300 m.

Nach einem Bergsee (im Hintergrund) gleich noch eine Rampe, wieder so steil .

Ich merkte, daß ich die Steigungen durchaus bezwingen kann, wenn ich es nicht übertriebe. Ich möchte nicht wissen, was hier im Winter los ist. Wahrscheinlich „alles gesperrt“.

Oben dann hatte ich die Welt mal wieder fast für mich allein.

Es gibt immer wieder Bergseen die teilweise auch zur Stromerzeugung genutzt werden. Jedenfalls fuhren mehrfach kleine Kolonnen eines Energieversorgers vorbei. Ist ja gut, wenn man das Schmelzwasser nicht einfach ablaufen läßt.

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Es ging eine sehr lange Schussfahrt hinunter nach Jøssingfjord auf Meeresspiegelhöhe. Da konnte einem schon mal kalt werden. Aber ich hatte ein seemless Unterhemd drunter gezogen, darüber ein Hightech Radshirt – alles von DOWE Sportswear.

In Jøssingfjord verladen sie Ilmenite, ein schwarzes Pulver, das zu Titanium Dioxid verarbeitet wird, und sich in weißen Farben, Zahnpasta und vielen Stoffen in der Bau- Plastik-, Lebensmittel- und Papierindustrie verwendet wird. Das erzählte mir ein Mitarbeiter, der vom Straßenrand aus etwas überwachte. Man sieht das Stück eines globalen Wirtschaftskreislaufes – im Urlaub unterwegs in der Fjordlandschaft Norwegens.

Dieses Schiff ließ man gerade vollaufen (gesamte Jahresförderung über 500.000 Tonnen), es fährt damit unter liberianischer Flagge nach China.

Kurz hinter dem Schiffsladeplatz war die Straße wegen Brückenbauarbeiten über 50 Meter gesperrt. Ich verhandelte mit den Bauarbeitern und sie ließen mich hindurch schieben, statt eine extrem staubige Umleitung zu fahren. Wahrscheinlich alles Titan hier…

Dann ging es gefühlt senkrecht hoch (unten auf dem Wasser liegt das Titan-Schiff)

Nach der Baustelle ging es so steil hoch, wie ich es mir nicht vorstellen konnte. Anders als vor dem Abenteuer Atlantik, wo ich immer dachte, daß das nicht meine Straße ist, wußte ich es (seitdem): Ja, denn es gibt hier keine zweite Straße.

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Zu meiner Verwunderung kam ich hoch, und war sogar vor allem mit dem Gedanken beschäftigt, wie man so etwas fotografieren kann. Ich lief dann von oben ein ganzes Stück runter, um den richtigen Winkel zu kriegen. Das werden ein paar schöne Bilder für mein neues Buch!

Oben teilte sich der Verkehr – der rechte, neuere Tunnel für die Autos, der Linke für Radfahrende.

Der Jøsssingfjord- oder Hellersheia-Tunnel gehört zur „wildesten Straße Norwegens“.

So jedenfalls kann man es dort lesen.

Der jetzige Radtunnel hat mehrere Durchbrüche durch die Steilwand zum Tal. Deshalb gibt es Tageslicht. Es stehen Bänke und Grills herum. Vielleicht, weil man in der Hochsaison dort sogar übernachten kann.

Im alten Tunnel von 1921

Beinahe hätte ich meine Kamera dort oben liegen gelassen, so sehr war ich mit dem Fotografieren beschäftigt. Danach ging es mehr oder weniger nur noch 9 km bergab bis Sokendal bei km 41. dafür hatte ich knapp 4 Stunden gebraucht. Zum einen wegen der Anstiege, aber auch wegen der unzähligen Fotos. Unten im Ort war ein sehr schönes Café , das Kaffidyret

Letzter Blick oben am Tunnelausgang

Ich mußte mich erstmal sammeln, die Eindrücke verarbeiten und den Geschwindigkeitsrausch der Abfahrt verdauen. Es gab baked potatoe und irgendwelchen Biokuchen. Da ist man schnell mal 30€ los. Es war mir das wert.

Schussfahrt hinunter auf neuem Asphalt.

Als ich aus dem Café kam, war es extrem ungemütlich und windig. Stimmt, da war ja nochwas. Jetzt gab es nur noch moderate Anstiege und kaum fühlbare Abfahrten, denn der Wind kam direkt von vorn und wurde immer stärker. Irgendwas ist immer, alles ist nie. Das weiß man.

Nach all den Bergen wieder zurück am Meer!

Welche Wohltat war es da, allein schon den von der Sonne aufgeheizten Glasvorbau des Coop Supermarktes von Egersund zu betreten. Es hatte Beharrlichkeit und Duchhaltevermögen gekostet. Ich kaufte wieder ein Fertiggericht (irgendwas mit Nudeln und Käse, es schmeckte katastrophal), eine Packung Tomatensaft, drei Pappbrötchen fürs Frühstück und immerhin ein Körbchen Erdbeeren – die 25€ nahm ich in Kauf.

Der Campingplatz NAF Steinsnes war nicht mehr weit und dann ließ ich mich in der Hütte fallen. Duschen mit Klamotten waschen, das Essen warm machen und die Sonne durchs Fenster auf den Buckel scheinen lassen. Draußen wirbelt der Wind Staubfontänen über den Platz.

Hier kommen die Links zur Tour N03 auf Strava, Komoot und Suunto. Laß uns folgen!

https://strava.app.link/CNcLvSGAyTb

https://www.komoot.de/tour/2260639386?ref=itd

https://maps.suunto.com/move/langeguido/682de213f2db0349ec30f855

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