Ich beschäftigte mich gestern Nachmittag damit und auch ein Fährmann bestätigte es mir: Weil man die Tunnel nach Norden als Bikepacker vermeiden muss, gibt es nur eine einzige Fähre – morgens um 6:00 Uhr. Sie fährt vom Fiskepiren im Zentrum nach Østhusvik. Dann fahrt man über die Insel nach Mortavika und nimmt eine Fähre nach Arsvagen.

Also stellte ich mir den Wecker auf 4:40 Uhr, schlich mich aus dem Zimmer und packe im Hausflur alles zusammen. Da war es schon kalt, aber draußen erst recht!

Der 7Eleven hat 24 Stunden geöffnet, wie praktisch. 5:40 war ich am Pier, was natürlich zu früh war, aber manchmal kommt ja so eine Fähre auch früher und man kann sich schon mal an Bord in einen geheizten Raum setzen. Leider nicht! Der Warteraum am Pier öffnete auch erst 6:30. weil sich nichts tat, fragte ich einen Einheimischen, der woanders hin wollte. Er recherchierte intensiv und sagte, es gäbe keine Fähre. Hm. Aber ein Boot. Undzwar um 6:40Uhr. na, also doch! Es sei halt ein großer Unterschied. OK aber deshalb brauchte er mir nicht so einen Schrecken einzujagen!

Ich fror mir den Hintern ab, zumal es am Pier 5 abgehen sollte – auf der Schattenseite. So pendelte ich erst dauernd zwischen Sonnen- und Schattenseite des Gebäudes, um nichts zu verpassen. Später lief ich um das Gebäude im Kreis. Dann kam endlich eine Frau, die auch das Boot 528 nehmen wollte, im Sturmschritt bis Pier 5. Sie beruhigte mich, daß schon alles seine Ordnung hätte. An der Anzeigetafel stand Hjelmeland, um weiter zu verwirren. Die Insel heißt so und waren soll man etwas konsistent benennen, wenn es auch so funktioniert…

6:39 kam es tatsächlich, hatte aber die falsche Aufschrift und die falsche Nummer dran. Nagut, ich vertraute ihr und fragte auch nochmal den Bootsmann. Dann gingen ab mit 28 Knoten, das sind über 50 km/h!

Wir waren nur 2 Frauen und ich, alle wollten woanders raus. In Østhusvik, trat ich sofort in die Pedale, weil ich nicht wusste, wie lange ich fahren würde nach Mortaviken und wie oft dort eine Fähre fährt.

Die Insel ist sehr lieblich, etwa so wie unsere Nordseeineln, aber mit wesentlich mehr Verkehr!

Sie fahren alle 15 Minuten, insgesamt 95x am Tag mit drei Schiffen – Fähren! denn die Fähren sind die Verlängerung der Highways mit anderen Mitteln.


Durch den Ausstoß der Fahrzeuge alle 15 Minuten war ansonsten Ruhe auf der Straße, eben bis die Nachfolgefähre anlandete.


Ich hatte ja schon mal erwähnt, daß sie in Norwegen nicht gut sind mit der Fahrradbeschilderung . Man weiß nie, ob und wo links oder rechts ein begleitender Radweg beginnt und wenn man ihn sieht, ist nicht mehr möglich, da drauf zu wechseln. So sah ich ihn auf der Brücke auch zu spät und dann kam die Autoschlange von der nächsten Fähre.es war das erste Mal in Norwegen, aber da hat doch ein Truck die Geduld verloren und gehupt.
—————————————————————————- In meinem kleinen Verlag Ampelpublishing.de habe ich Bücher, eBooks und Hörbücher für Euch , (Baltikum = Baltic Adventure – also in English).

Wenn man auf Verdacht wechselt, ist es oft eine Sackgasse oder der Weg führt völlig weg von der Route. So bleibt es ein Ratespiel und ich bleibe, wenn vertretbar, auf der Straße.

Ich lag gut in der Zeit, denn ich wollte nur noch 15 weitere km nach Haugesund. Da lachte mich dieser einsame Platz dermaßen an, daß ich nicht widerstand. Ich mußte sowieso meine Jacke, Armlinge und Beinlinge ausziehen. Vor allem bergan waren die viel zu warm. Da gibt es dann den kurzen Moment, wenn, bei aller Wasserdurchlässigkeit der Fluo Wetterjacke von Dowe Sportswear, die Klamotten drunter geschwitzt sind und man sich durch den Wind erkältet. Hier in dieser kleinen Bucht war es fast windstill und warm von der Sonne. So trocknete ich alles und legte mich, nur mit der Radhose bekleidet, eine halbe Stunde auf die warmen Felsen. Der schönste Moment des Tages!
Es kam kein Auto und ich fühlte mich fast einsam, als plötzlich ein Mann aus dem Busch trat! Es passierte dann nichts weiter und wir grüßten uns nur. Doch woher war er gekommen? Es ist wie bei uns im Hunsrück. Du bist nie allein im Wald. schon 10 Minuten später war ich oben auf dem Highway, den ich vor zwei Stubden verlassen hatte, und der Verkehr toste wie eh und je.

In Haugesund gab es fast nichts zu sehen. Zwei Pizzerien waren geschlossen, es gab Einkaufsbetonklötze und nur mit viel Glück fand ich ein kleines schönes, in einer Gasse verstecktes Café. Der Betreiber war komisch, aber der Kuchen, Kaffee und die Pizzaschnecke waren lecker. Denn die Promenade war mit einer Phalanx von getöntem Glas, wohinter sich Restaurants und eine Brasserie verschanzten, beinahe abweisend.

An dem kleinen Rastplatz hatte ich schon beschlossen, daß mir Haugesund nicht genügte. Es gab Hotels (Promenade) und einen Campingplatz mit Hütten ab 200€ die Nacht. So recherchierte ich meine nächste Tour und da gab es erstmal 50 km nichts, außer tolle Landschaft und nochmal ein Fähre. Insgesamt würde die Tour nochmal 79 km betragen bis Lervik, wo es einen Supermarkt und einen kleinen Campingplatz gab mit einer Hütte für 85€. Man konnte nur telefonisch reservieren und das machte ich dann in dem kleinen Café und brach um 14 Uhr auf.

Ich fuhr volle Socke durch eine tolle Landschaft, die nach Norden hin immer wilder wurde. Es sah aus, wie in der Bretagne und ging zuletzt sogar in Sichtweise des Ozeans entlang.

Ich mußte das schöne, wenn auch nachmittags windige Wetter nutzen und würde mir später Vorwürfe machen, nicht weiter voran gekommen zu sein, als die Bedingungen gut waren. Leider mußte ich dann 58 Minuten auf die nächste Fähre 16:30 warten, immerhin in einem geheizten Warteraum an einem kleinen Hafen, der nichts Sehenswertes bot.

Es waren dann noch 54 km und die Ankunftszeit 19 Ihr war nicht mehr zu schaffen. Ich hab mein bestes und spührte, wie die Kilometer schmolzen und der Hunger zurück kam. Immerhin hatte ich auf der Fähre einen Schokotrunk gekauft und teilweise mit zwei Kaffee gemischt. Den Rest trank ich bei Halbzeit.

Ich hatte zwei weitere Archipele zu umrunden und immer links das Gebirge, 200 m über mir, rechts das Wasser , 100 m unter mir. Da gab es viel zu treten.

Die Fotos sind alle in voller Fahrt entstanden, denn ich hatte keine Zeit zu pausieren. Das ist auch immer eine Konzentrationsübung, das Handy heraus zu holen, zu knipsen und den Verkehr im Auge zu behalten auf einer Straße, die teilweise nicht breiter ist als ein VW Bulli.

Dann kam ein letzter spektakulärer Abschnitt mit zwei jeweils 1000 m langen Hängebrücken über die Fjorde. Hier war die Herausforderung, daß mir der Wind nach das Handy aus der Hand und mich vom Rad riß. es ging alles gut und ich konnte die letzten 6 km runter vom Highway in den Ort Leirvik fahren.

Noch schnell im Coop Extra meine Standards einkaufen: 3 Pappbrötchen (es gibt kein Vollkorn, auch wenn das dransteht), Tomatensaft, 500 g Tortellini und eine Schale niederländische Erdbeeren. Dann noch navigieren bis zum Campingplatz, fertig.

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