N07 Bergen – Birkeland

Heute bekam ich das Wetter, das ich ab Tag 1!erwartet hatte: Regen und Wind. Um weit zu kommen brach ich relativ früh auf.

Sie nennen es Camping, aber eigentlich ist es nur ein Parkplatz

Denn ab jetzt werden die Komplikationen kombiniert, heute mit „es ist nichts in der Gegend, wo ich hin will“. Kein Supermarkt, kein Campingplatz.

Toller Radschnellweg von Nesttun in die Stadt.

Ich mußte sowieso über das Zentrum, dann konnte ich auch dort noch etwas einkaufen.

Kurz vor der Stadtmitte dieser in Regenbogenfarben beleuchtete Fahrradtunnel

Es ist Sonntag und die Geschäfte haben zu, auch die Supermärkte. Wir kennen das von uns aber hier dachte ich das nicht, denn überall prangen in großen Lettern die Öffnungszeiten (in Klammern Sonntag, dachte ich). Aber das sind die Zeiten für Samstag. Sonntags dürfen nur sehr kleine Läden unter 80 qm geöffnet haben. Versorgung ja, big Business aber nein.

Auch Tankstellen mit einem Shop wie bei uns, gibt es kaum noch, weil es so viele Elektroautos gibt. Es sind oft nur noch kleine Tankautomaten mit zwei Säulen: Diesel und Benzin. Was es dadurch auch nicht gibt: Luftschläuche, aber dazu kommen wir gleich.

Hagelsundbrua

Erstmal lernte ich Sontje aus Hamburg kennen. Sie hat sich für die Zeit zwischen zwei Jobs ausgesucht, um ans Nordkap zu fahren. Respekt, liebe Sontje, good Luck, Du packst das! Sie hat jede Menge Gepäck dabei, auch ein richtiges Zelt und einen Spirituskocher zum Beispiel.

Wir fuhren von den Vororten Bergens über die Nordhorlandsbrua und Hagelsundbrua zusammen bis Knarvik. Sie möchte lieber die 20 km längere, wahrscheinlich sehr schöne Küstenstraße hoch nach Mongstad, während ich lieber auf oder sehe an der Route 57 direkt hoch wollte. Als wir uns verabschiedeten, bemerkte ich meinen Platten und es war erstmal flicken angesagt.

Gottseidank war diese Bushaltestelle in der Nähe

Es hatte angefangen zu regnen und so konnte ich mich dort einrichten. Wegen der SKS Minipumpe (mit der man schon für einen kleinen Rennradreifen 250 mal pumpen muss), ist es natürlich etwas beschwerlicher, wieder Druck drauf zu kriegen. Aber mit ein paar Pausen ging es dann.

Ich trank zwischendrin den ersten von den drei Schokodrinks, die ich neben vier Nußbrötchen und zwei Pitzzaschnitten im 7Eleven am Hafen gekauft hatte. Etwas anderes gab es in diesem Kioskshop nicht und der Bunnpris, ein kleiner Supermarkt hätte offen haben sollen, alles war drinnen beleuchtet, aber die Tür war verschlossen.

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Bis zur Fähre Leirvåg-Slovåg war es ein heißer Ritt. Denn meine Route hatte so geplant mit der Umgehung der Tunnel, denn die meisten waren für Ranfahrende gesperrt. Glück im Unglück: Es waren so eine Art Wachmänner und -Frauen mit roten Kellen oder Fahren postiert, bei denen ich nicht sicher war, ob sie vielleicht zur Polizei gehören. Aber nein: Sykelritt! Es gab wieder ein Radrennen und offenbar war deshalb die Tunnelfahrt ausnahmsweise gestattet!

Weiter nördlich war es eindeutig nicht erlaubt, aber es waren nur kurze, übersichtliche Tunnel und wenig Verkehr. Als ich aus einem Tunnel gerade raus war, kam mir ein Polizeiauto entgegen, aber die wollten wegen mir nun auch nicht extra wenden. Ich sah aber überall Kameras und weil ich ja ringsum mit Ampelpublishing und Abenteuerbaltikum beschriftet bin, könnten sie mir im Nachhinein noch Knöllchen zustellen.

Der Regen nahm zu und ich war froh, im warmen Aufenthaltsraum der Fähre zu sein. Auf den Fähren habe ich mir angewöhnt, innerhalb von 15 Minuten zwei Kaffee gemischt mit Schokotrunk runterzustürzen, denn wer weiß was kommt.

Mittagspause

Auf der Fähre lernte ich Ben kennen, aus Spdholland, glaube ich. Er hat ein nagelneues Tourenrad, toll ausgestattet aber auch mit viel Gepäck. Es war schon Nachmittag, aber er wollte auf jeden Fall noch die 35 km bis zur nächsten Fähre von Rutledal nach Rysjedlsvika fahren.

Willkommen auf meiner Seite AmpelPublishing.de

Er will auch ans Nordkap und hat viel Zeit. Vor vielen Jahren war er mit dem Auto mal in Bergen und nun startete er heute in Bergen und hatte schon die lange Küstenstraße nach Mongstad gefahren, wie Sontje es macht. Für einen ersten Tag sind über 100 km mit diesen Steigungen zu viel. Auch mir verlangten sie einiges ab, aber Ben hatte Tag 1 und ein viel schwereres Rad samt Gepäck. Er war auch doppelt angezogen über die langärmeligen Klamotten hatte er Regensachen an. Wie man das so macht. Das ist auch naheliegend, denn bei dem Gedanken an Kälte, Wind und Regen kommt man genau auf das Konzept. Im war viel zu warm und obwohl er in Holland viel Rad fährt und trainiert hat, machen ihm die Steigungen zu schaffen.

Hier wollte ich ursprünglich bleiben- Dalsøyra.

Bei Dalsøyra machten wir eine Pause und ich fotografierte mein Tagesziel. Die Idee, bis zur Fähre weitere 20 km zu fahren und da das Zelt aufzustellen, fand ich gut. Denn vielleicht gibt es wieder einen warmen Aufenthaltsraum, da könnte man alles trocknen. Denn inzwischen war ich auch komplett durchgefroren. Außerdem ist am Hafen oft eine waagerechte Fläche für das Zelt, denn ansonsten waren alle Flächen Abhänge.

Wilde Landschaft – wie Transaylvanien (wo ich noch nicht war)

Mein Bekleidungskonzept bestand in Minimalismus: Radklamotten, Regenjacke, fertig. Je weniger naß wird, desto weniger muß ich trocknen. Und der Horror, bei strömendem Regen mein Zelt aufbauen zu müssen und damit die letzten trockenen Sachen aufzuweichen, wich nicht mehr aus meinem Kopf. Ben war ausgezehrt und ich riet im immer mal eine Passage zu schieben. Das hilft bei Kälte, weiß ich aus Island. Ich hatte ihn ein paar Mal motivieren und gut zureden können. Er ist zäh und schafft das!

Ich kann mir diese Landschaft ohne Regen gar nicht vorstellen.

Wir verabredeten uns für den Hafen, es waren dann nur noch 10 km, aber die hatten es in sich. Ben hatte zuhause recherchiert, daß nur zwei Fähren am Tag fahren: 8:40 und 12.10. vielleicht ließen sie den Warteraum über Nacht offen, dann könnte man auch da drin pennen. Die Fähre zu erreichen, war eine Willensleistung. Denn es gab nochmal einen hohen Pass zu überwinden und dann steil bergab zu fahren. Der Regen nadelte dermaßen auf Gesicht und Beine. Aber Peeling soll ja gut sein.

Von oben stürzen Wasserfälle die Wand hinunter – grandios.

Am Hafen standen Autos, also mußte doch noch eine Fähre geben. Aber Obacht! Es gibt da zwei Fähren. Meine fuhr 20:45, ich hatte also zwei Stunden Zeit. Es gab einen kleinen aber extrem leistungsstarken Heizkörper. Den drehte ich auf Anschlag und legte meine Radhandschuhe drauf . Nach nur einer Minute waren schon Löcher eingebrannt! Ich mußte also behutsamer vorgehen.

Ben kam nicht mehr. Er wird irgendwo da draußen sein Zelt aufgebaut haben. Ich hatte gestern gesehen, daß das einzige Camping weit und breit, das unweit meiner Route liegt, Birkeland Camping, nur noch 20 km hinter Rysjedalsvika liegt. Da rief ich an und ja, sie würden mir den Schlüssel an Hütte 2 stecken lassen und ich solle es mit gemütlich machen. Was für eine Erlösung!

Eine tolle Hütte, warm geheizt, mit Betwäsche und Handtuch!!

Was für ein Ritt. Aber Beharrlichkeit wurde belohnt. Was hätte ich auch sonst heute machen sollen, als mich bewegen, damit ich warm bleibe.

https://www.komoot.de/tour/2271058148?ref=itd

710 km in 7 Tagen. Mehr als ich erwarten konnte.
Wir sind immer noch in Südnorwegen

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