Lasse sagte gestern schon, daß Regen kommen würde, und ich nahm mir vor, nichts draus zu machen.

Ich wurde erstmal abgelenkt durch sein sensationelles Frühstück, das schon bereit stand, als ich die Treppe herunter kam.

Norwegen ist kein Land der Feinschmecker, aber zwei Dinge hatten es mir angetan: Irenas selbstgemachte Himbeermarmelade und der braune Käse. Undzwar der Süße aus Kuhmilch: Fløtemysost. Habe gelesen, beim Einkochen karamellisiert der Milchzucker. Es gibt ihn auch als Streichvariante, er sieht dann aus wie Erdnussbutter.

Gegen 19 Uhr wurde es dann ernst, wir herzten und gegenseitig. Irena hatte den ganzen Abend gestrickt, einen quadratischen, grünen Lappen. Kurz vor dem Abschied schenkte sie mir so ein Exponat in braun. Ich bin überzeugt, daß das irgendwie sinnvoll ist und habe mich ehrlich gefreut. Ganz toll sah es aus, als sie zu dritt auf dem Balkon standen und ein letztes Mal winkten.
Es hatte sich eingeregnet und ich brauchte ein paar Kilometer, bis ich warmgefahren war. Und dann stand ich aber schon wieder: Eine lange Autoschlange hatte sich gebildet, weil die Straße gesperrt worden war.
Ich fuhr langsam bis nach vorn durch und fragte jemanden auf dem Motorrad, ob er wisse, was los sei. Keine Ahnung. Dann stellte ich das Rad ab und schlenderte zum Absperrauto vor. Sie schließen jeden Tag die E39 von 10-11 und 15-16 Uhr, bauen alles neu!

Es blieben noch 20 Minuten, der Wind stand ungünstig, der Regen wurde stärker und ich fing an zu frieren. So spazierte ich zurück entlang der Autos und erzählte jedem, wie die Lage ist. Hinter dem Motorradfahrer stand ein Wohnmobil aus Finnland. Ich sprach sie an. Sie seien aus Österreich und hatten ihr Fahrzeug in Stockholm geliehen. Kristian und Karina – wollen auch auf die Lofoten und da eine Woche bleiben, dann über eine Nordroute zurück nach Stockholm und mit dem Flieger nachhause. Ich durfte mich die restlichen Minuten im WoMo aufhalten. Vielen Dank, Ihr Lieben und allzeit gute Fahrt!

Als sie aufmachten ließ ich die ersten 50 Fahrzeuge vor mich und dachte, es sei das Ende der Schlange erreicht. Aber so war es nicht. Es zieh sich noch viele Kilometer, bis wieder der normale Fluss mit gelegentlichen Autos erreicht war.

Es galt jetzt, andauernd und gleichmäßig die Höhen hochzutreten. Denn es würde sich die nächsten zwei Stunden wenig ändern. Bei km 36 kam Ellingsgården. Das war noch kurz eine Idee gestern Abend. Aber das wäre eine lange Fahrt geworden. Kassensturz angeboten, dort anzurufen, eine Hütte kostete aber 170€. Vivian hatte noch etwas in der Näheren Umgebung angerufen, die waren aber ausverkauft gewesen. Also alles richtig gemacht. Im Nachhinein merkt man nochmal mehr, wieviel Glück dabei war, sie angesprochen geb zu haben und dann das Angebot für das Zimmer, Dusche, etwas zu Essen und einen schönen Abend bei Freunden zu bekommen.

Es wurde immer kälter, der Regen stärker. Es war ein Effekt wie bis vor zwei Tagen in den hohen Bergen: Die Wolken hängen fest und regnen sich ab. Ich hatte wieder eine Balance erreicht zwischen Wärme von innen und Schutz von außen. Ohne zu übertreiben muß ich nochmal auf die Wetterjacke von Dowe Sportswear kommen. Der Körperkern, zwischen Oberschenkeln und Kopf kühlte nicht aus. Sie hat Goldwert und rettet mich an solchen Tagen. Von außen wasserdicht, von innen transpirierend – eine Hightech Klamotte!

Die Situation war wie vor zwei Tagen. Anders als in belebteren Gebieten und vor allem in der Stadt gibt es keinen Abzweig, keine holprigen Bordsteine, keine Ampeln, keine nervigen Kreuzungen. Nur mein Fahrrad und ich. Jetzt fing ich wieder an zu singen: „Raindrops falling on my head…“

Endlich war ich ganz oben, der Fluß rechts ging nun in meine Richtung, also bergab. Das war ein gutes Zeichen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Der anstrengende Aufstieg oder die eiskalte Abfahrt mit herben Nadelstichen vom Regen im Gesicht. Es sind nur 3°. Eine Wahl habe ich nicht und kann beides akzeptieren.
Mit gelegentlichen Gegenhängen ging es nun 25 km bergab. Mit jedem Höhenmeter wurde es etwas freundlicher in kleinen Schritten, die Autos wurden mehr, weil es wieder Ab- und Auffahrten auf den Highway 39 gab. Irgendwann mußte ich runter, wegen der Undfahrung eines Tunnels, dann wieder drauf. Die 70 km waren mit die härteste Strecke, die ich bisher hatte.

Völlig fertig kam ich bei km 69 in einem Outlet Center von Orkanger an. Auch wenn es bergab ging, trat ich so schnell ich konnte, um voran zu kommen in dieser Kälte. Es gab ein Café im oberen Stock mit großen Fenstern zum Parkplatz. Hier würde ich eine Weile rasten, um dann die restlichen 40 km nach Trondheim am Wasser entlang zu fahren.
Ich blieb zwei Stunden und war beinahe durchgetrocknet, gestärkt vom Tagesgericht, Kaffee „på filler“ – zum Nachschenken – und zwei Stück Kuchen für moderate 35€


Es zog sich, aber ich wollte es genießen, durch die Umrundung an der Bucht hatte ich erst Wind von hinten, dann von vorn und immer mal wechselnd. Fast wie an der Mosel. Nur das hier ist das Nordmeer!

Es wurden Lange 40 Kilometer. Die Navigation war, wie so oft, nicht ganz einfach, je dichter man ans Stadtzentrum kam. Unzählige Vororte, die keinen Hinweis darauf gaben, wo es denn nun nach Trondheim ging. Einmal landete ich auf einer Zufahrtsstraße zu einer Baustelle und verdreckte mein Rad komplett.

Ich bin wieder mal froh, in der Vorsaison unterwegs zu sein. Heute sah ich schon deutlich mehr Wohnmobile aus Deutschland. Ich denke mal: Aufbruch Mittwoch Abend, Fähre Donnerstag, Freitag hier… wenn sehr viele von uns Touristen gleichzeitig da sind und alle diese schön Küstenstraße fahren wollen, statt auf der Autobahn, dann wird es voll und eng.
Es ist gut, am Samstag dann nach Norden raus zu kommen, denn desto weiter nach Norden, desto weniger Verkehr, hoffe ich. Und das Wettwr wird nicht so schlecht bleiben, erstmal wird die Landschaft flacher und die Wolken ziehen weiter, statt sich zu verhaken.
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Nur noch schnell im Supermarkt einkaufen und dann ins Hostel. Ich habe die Prüfung bestanden und damit soll es gut sein. Duschen, Bett beziehen, kochen, Essen und dann noch zwei Menschen kennenlernen: Jonathan und Waldemar aus der Nähe von Bühl in Baden. Sie sind mit dem Auto kreuz und quer durch Skandinavien unterwegs. Gute Fahrt Ihr beiden.

Im Bett unter mir schläft Willy aus Schottland. Er startet hier und will ans Nordkap. Ich hatte sein tolles Rad schon in der Garage gesehen und mich gefragt, wie es so sauber sein kann. Morgen hat er Tag1 und will zum Nordkap mit schmalem Gepäck auf einer anderen Route noch dichter am Nordmeer entlang. Wir haben die Nummern ausgetauscht und bleiben in Kontakt. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege noch. Safe Trip, dear Willy!

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