Heute gab es von allem reichlich, was es gestern nicht so reichlich gab: Sonne (OK nur bis Mittag), Regen, Höhenmeter, Kilometer und mehrere schöne Begegnungen!

So ganz früh wurde es nichts mit der Abfahrt. Denn bis man mal so alles hat… Aber eins war klar, es wird weit heute, denn wenn ich morgen wieder etwas kürzer treten will nach Mosjøen, sollte die Tour heute nicht zu kurz ausfallen und es gibt nur wenige geöffnete Campingplätze bis dorthin.

Bei km 15 schaute ich lange nach links runter auf den Namsen, den bekannten Lachsfluss. Hier macht er eine schöne Schleife. Ich brauchte 15 Minuten, um mit Kamera (für das Buch) von einer Parkbucht auf der engen E6 zurück zu laufen, bis zu dieser Stelle, um in adäquat zu fotografieren. Dafür habe ich sogar das Weitwinkel ausgepackt. So ein Objektivwechsel bei schlechtem Wetter ist eine heikle Sache. Man sieht am unteren Bildrand auch die Bahnlinie nach Norden.

Ich hatte ungefähr diesen Verkehr erwartet, also mehr LKW, etwas weniger Wohnmobile als gestern. Wenn die Straße sich nicht zu eng am Berg anschmiegt, ist auch genug Platz, aber manchnal war es auf dem ersten Stück eng. Alle waren heute rücksichtsvoll (OK, bis auf ein Idiot vielleicht), Bei den Truckern bedanke ich mich immer, wenn sie entsprechend ausweichen oder kurz hinterher fahren, bis es übersichtlich ist. Ich gehe dann aus dem Sattel, um die Zeit zu verkürzen.


Vielleicht täuscht es auch, aber sie haben hier viel größere Bagger, Bohrer und Spezialmaschinen als bei uns. und ich staune weiterhin, wieviele Teilstücke mit nagelneuem Asphalt es gibt. Das müssen sie ja alles in den letzten Wochen gemacht haben, also nach dem Frost.
Am Horizont sah ich einen kleinen gelben Punkt, der größer wurde. Es war die Warnweste von Manfred aus Raunheim (Frankfurt), der vor mir her fuhr. Ich holte ihn ein und sprach in kurz an, ob wir bei nächster Gelegenheit einen Kaffee trinken wollen. Bei km 60 kehrten wir ein in einen Supermarkt „Joker“ mit Imbiss. Er ist unterwegs von Oslo bis in den Norden und machte dann eine Schleife nach Osten, die schwedische Ostsee runter bis Trelleborg. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus. Er war schon öfter hier, aber in den letzten Jahren ist dies seine erste große Radreise. Er fährt viel Nebenstraßen und läßt sich Zeit. Eine Sache macht er wie ich: Er hat ein Zelt dabei aber baut es (möglichst) nicht auf und braucht wie ich eine Dusche und ein richtiges Bett. Gute Fahrt, lieber Manfred!

Gestern hatte ich eine tolle Begegnung mit Thomas und Sabrina aus Salzburg. Sie kamen zur selben Zeit im Langenes Camping an. Später gaben sie mir noch Kaffeepulver und zwei Protein-Riegel, ganz toll. Thomas erzählte von einem Punkt, an dem sie im Laufe des Tages vorbeigekommen waren: Die Grenze von Nordnorwegen nach Süden, bzw. Westnorwegen. Und da kam ich bei km 96 an.

Schon von Weitem war der große Bogen über die Straße zu sehen! Es war, als käme man am Nordpol an. Es gab einen riesigen Souvenirladen mit Kaffee und Waffeln. Genau das Richtige für mich, um nachzuladen.

Draußen parkten reichlich Wohnmobile und ich kam mit Leuten aus dem Pfalzkreis in Kontakt, die mich an dem Kilometerstein fotografierten. Zwei andere aus Wolfratshausen kamen dazu und sie fragten, b ich der sei, dem sie folgten, der hieße Knut. Interessant, ich muss rausfinden, wer das ist. Jetzt folgen sie vielleicht auch mir. Denn wenn wir alle tagelang über die E6 fahren, sehen wir uns auch öfter! Dann machte mich ein Italiener, der in Deutschland wohnt, dieses schöne Bild unter dem Bogen. Mille Grazie, buon viaggio!

Die Gegend zeigte sich dann auch als nördlich, es wurde kälter und die Berge mit viel Schnee oben drauf, rückten immer näher an die Straße.

Der Majavatn war eigentlich als Ziel geplant, aber der einzige Campingplatz weit und breit ist „dauerhaft geschlossen“. Ich habe nicht heraus bekommen, ob er den Namsenfluss speist oder schon den nach Norden fließenden. Jedenfalls ging das Wasser nun in meine Richtung und das hieß, daß es die letzten 40 km mehr oder weniger bergab gehen würde.

Ich sah durch die Bäume, daß der Flusslinks von mir immer reißender wurde und nutze die Gunst, dicht dran zu kommen. Ich legte das Rad und kämpfte mich durch sumpfigen Untergrund und Unterholz bis ans Flussufer. Da machte ich dann unzählige Fotos mit der Kamera. Es soll eine Doppelseite im Buch werden – auch zum Thema Lachs, um das man in Norwegen nicht herum kommt.

Ich habe die Tour heute gut verkraftet und staune, wie ich immer besser mit den Bedingungen klar komme. Viel Rad gefahren und spektakuläre Berge gesehen. Ich glaube, so ähnlich ist es in Alaska.


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