So easy weiter zu radeln, wie gestern, konnte ich mir nicht vorstellen. Es war zwar schon seit Mo i Rana entgegen der Fließrichtung des Luonosjahkå gegangen, aber eben mit leichten Steigungen fast 50 km weit.

Ich der Nacht waren immer wieder Güterzüge durch das enge Tal gerollt und ich fragte mich, warum weiterhin nie ein Personenzug zu sehen war. Es gibt nur diese eine Strecke. Manfred aus Raunheim sagte vorgestern auch, daß im Moment keine Züge von Bodø fahren würden. Das machte mir Sorgen, denn der ist geplant für die Rückfahrt am 16. Juni.

Es prasselte der Regen und wurde immer Stärker. Das durfte mich nicht erschüttern. Aber es ist eben nicht ganz leicht, aufs Rad zu steigen und zu wissen, man friert, man saut sich ein, sieht schlechter und die anderen eben auch. Immerhin beide Rücklichter habe ich an.

Bei km 10 mußte ich absteigen und verballerte gleich mal 20 Minuten für Bilder an diesem Wasserfall unter der Brücke. Es kam dann noch Russel aus UK, der jetzt in Australien lebt, der mich fotografierte und ich ihn. Wieder ein Bekannter mehr, der später hupte als er überholte.

Links liegt wahrscheinlich der Svartisen Gletscher, einer der wichtigsten, und deshalb machte die E6 einen kleinen Schwenker nach Osten bis 3,5 km vor die schwedische Grenze, um dann nach Norden zu führen. Man versteht das, wenn man es sieht. Da hilft keine Karte.
Auch das mit den Flüssen. Es ging jetzt immer steiler hoch, aber weiter gut zu fahren. Das wird so lange gehen, bis ich oben bin.

Oben hieß in diesem Fall auf dem Saltfjellet. Es wurde immer kälter, irgendwann keine Bäume mehr, links und rechts nur Schnee und Eis und eine Leuchtschrit informierte: „Saltfjellet åpenet“. Wenn sie das schon betonen müssen, daß offen ist….

Die Sorge, daß ich die Überquerung des Polarkreises verpassen würde, konnten sie mir nehmen. Wobei dieses Informationszentrum ein reines Shoppingcenter ist. Wir hatten ja nichts, wir haben so wenig, daß wir hier allen Schrott und Tand kaufen müssen, den sie auch China hier den Berg hochkarren.

Es war jedenfalls für mich trotzdem ein erhebender und tief berührender Moment, hier angekommen zu sein. Etwa vergleichbar mit dem Anblick des Eifelturms, der Golden Gate oder vom Rockefellercenter auf Manhattan zu gucken. Ich schluckte und war dankbar, an Ull, an meine Familie an alle, daß ich das hier machen kann!

Wieder wenige km weiter sah ich Rentiere an der Straße. WaRum sie ausgerechnet zwischen mir und einem LKW über die Straße mussten- keine Ahnung. Es ging aber alles gut, weil wir beide bremsten. (Ich mit dem Handy in der Hand, denn das mußte festgehalten werden).

Schön, daß ich auch das erleben konnte – erst recht mit glücklichem Ausgang.
Dann eine 12-15 km lange Abfahrt durch atemberaubende Landschaft. Die konnte ich so nicht fotografieren, sondern mußte mich auf die Landschaft konzentrieren, auf den Verkehr, die Straße, Schlaglöcher und den Lenker richtig festhalten.



Einem Nordland Nationslpark Center war ein großes Restaurant angegliedert. Dort bestellte ich Buffet und aß soviel ich konnte.
Ich hatte seit Tagen Kontakt mit Margarete und Peter, die ich auf der Buchmesse in Leipzig kennen gelernt hatte. Sie sind auch seit ein paar Tagen mit dem Camper nach Norden unterwegs. Heute kreuzen sich unsere Wege und sie kommen auch nach Rognan. Sie überholten mich, wir hielten an und herzten uns.

Es war ein ganz toller Abend, den wir am und im Camper verbrachten und uns unsere Geschichten erzählten. Allzeit Gute Fahrt Ihr beiden. Ihr macht das genau richtig!

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