N19 Rognan – Tømmerneset

Heute Stand die sportliche Bewegung im Vordergrund, die Distanz nach Narvik zu verkürzen und genügend Puffer für weitere Aktivitäten heraus zu fahren. Aber vorher erstmal Frühstück in der Sonne mit Margarete und Peter. Eine ganz tolle Sache, sich an einen fein gedeckten Tisch zu setzen.

Kein Wölkchen – doch, zwei Wölkchen

Wir waren erst gegen 2 Uhr ins Bett gekommen (es fühlt sich um Mitternacht wie Frühabend an). Und da war es ein guter Kompromiss, Frühstück 8:30 und dann mal schauen, wann ich wieder alles hab. Bei aller Routine brauche ich Minumum 90 Minuten für‘s Packen. Dafür sitzt dann auch alles, es flattert nichts, auch bei rasanten Abfahrten, es lockert sich nichts bei Schlaglöchern und hohen Bordsteinen.

Landschaft im Zauber bei heftigem Regen

Der Mensch ist keine Maschine, aber heute wäre es beinahe Vorteilhaft gewesen. Es ging nach einem kurzen Anlauf bald in die Berge hoch und der leichte Nieselregen steigerte sich erheblich. Ich sage nicht, es macht mir nichts aus, aber ich kann damit umgehen und bin gut ausgerüstet auf meine Art – minimalistisch. In Fauske steigerte es sich zum Hagel, das perlt aber auch! Die Verlockung war da, nochmal für einen Kaffee bei km 27 anzuhalten, aber das wäre nicht gut gewesen. Ich hatte eine gewisse Balance zwischen Kälte und Wärme, Auf und Abfahrten und eine gute Stabilität auf dem Rad. Nach dem Kaffe das wieder zu finden, erforderte zu viel Aufwand.

Heute Tag der Tunnel (13 heute von insgesamt 36)

Im Tunnel kein Regen, aber natürlich ein Sound, als wenn einen ein Düsenjet überholen will, der geradeso durch die Röhre paßt. Adrenalin.

Zwischen zwei Tunneln

Die Steigungen und Tunnel kommen nicht von ungefähr. Es baut niemand einen Tunnel, der nicht unbedingt sein muß (OK, manchmal doch). Die Felswände stürzen sich senkrecht im Untergrund ab, da gibt es keinen Weg entlang des Wassers.

In jeder Buchhandlung und bei ampelpublishing.de: Abenteuer SKANDINAVIEN

Peter und Margarete hatten mich noch nicht überholt, wir wollten nochmal winken. Dann kamen sie doch, und mußten aber durchfahren, es war viel zu eng auf der Straße für irgendwelche Mätzchen. Ich hatte mich zu konzentrieren und Autos, Straßenschäden und mein Rad im Blick zu behalten.

Bei km 66: In der nächst möglichen Haltebucht standen sie und feierten mich. Ihr seid echt großartig.

Zwei Radler kamen mir entgegen mit dunklen Jacken, ohne Licht und dicken Packtaschen. Ohje. Das ist nicht nur nicht einfach, das ist auch gefährlich. Ich kann nur nochmals auf meine Wetter-Jacke und die gelben Radklamotten von Dowe Sportswear verweisen. Margarete sagt, mich sieht man sofort und ich würde auffallen. Das tue ich auch sonst gelegentlich, aber hier ist es wichtig!

Die Tunnel sind gut ausgebaut , wenn auch teilweise schmaler als 5m. Gut, daß ich nicht mit dem Auto hier bin.

Der Regen ließ nach und ich meinte, er würde irgendwo hinten auch heller. Vielleicht entwickelte sich der Tag noch.

Zeit für eine neue Komplikation: Umfahrung

Die zwei kommenden Tunnel waren zu lang und für Räder gesperrt. Direkt nach diesem Schild kam eine Tankstelle, die früher auch mal zum Rasten taugte, heute aber nur noch zwei Säulen und einen Kartenschlitz in Betrieb hatte. Bei km89, ich war am Beginn einer 27 km langen Umfahrung und der Hunger war endgültig zurück. So wurde es. nichts mit einer Warmtheke und all you van eat- Buffet. Stattdessen: Riegeltag.

Buchvorstellung Abenteuer Skandinavien

Ich hatte von mehreren Seiten Riegel geschenkt bekommen, aber mich bisher verweigert. Das konnte ich mir heute nicht leisten. Dazu eine kleine Flasche Kakao und eine Schale Erdbeeren, die ich gestern vergessen hatte, zu unserem Abendbrot mitzubringen.

Ganz tolle Landschaft, durch den nachlassenden Regen konnte ich zumindest mit den Handy wieder fotografieren.

Die Umfahrung hatte es in sich, es ging eine alte Straße steil hoch, 1x 3 km 8%, 1x 2 km 10% , da mußte ich dann schieben. Ich wurde belohnt für diese Plackerei mit ganz ganz tollen Bildern. Es war zwei Stunden Stille ohne Autos (die alle durch die neuere TunnelTrecke fahren).

Wenig Wind und dadurch schöne Spiegelungen auf dem Wasser
Wuchtige Berge
Postkartenmotive
Heidi läßt grüßen, oder ist es Wickie?

Die wunderbare, wenn auch aufwendige Fahrt endete an der Einfädelung wieder auf die E6 in Richtung Narvik. Man darf eben. Ichs die Nerven verlieren, denn die Schwester der Ausdauer ist die Geduld. Fragt mal die Ulraläufer:innen, wenn die losballern würden, kämen sie niemals an nach 100 km oder 100 Meilen!

Morsvikbotn

Bei km 118 war ich zurück in der Zivilisation. Ich hatte zu entscheiden, wie es weiter ginge. Hier war einer meiner geplanten Stops, aber so schaffte ich es morgen wahrscheinlich nicht bis Narvik.

Es gab eine kleine Nærbutik, 24 Stunden geöffnet an einer automatischen Tankstelle. Das war der einzige Supermarkt im Umkreis von 30 km. Ich kaufte ein, was nötig war. Selbst Tortellini, Tomatensaft und Vollkornbrot hatten sie nicht. Also stellte ich um auf ein ganzes Brot, eine Packung Käse, Schokotrunk und ein Lightbier. Auf meine Halterung für Handy & Co passte der Beutel mit den Sachen gerade so drauf. Damit fuhr ich dann noch 30 km bis zum Campingplatz. Ich hatte kurz angerufen, Hütte für 800NOK mit Bettwäsche und Gemeinschaftsduschen inklusive.

Wieder oben in den Bergen

Es warteten weitere Highlights auf mich. Denn es ging von Null nochmal auf 400 m hinauf in die Kälte. Die Sonne brach sich endgültig Bahn und es war weiterhin kein Wind. Aber nochmal 7% Steigung auf 5 km.

Oben Hochgebirgsklima

Oben gab es eine wunderbaren, noch zugefrorenen See, die Birken krüppelten vor sich hin und hatten noch nicht ausgeschlagen. Es war eine tolle Szenerie. Der Straßenverkehr war bei Nahe Null und wenn, dann kamen 6 Autos auf einmal und es kehrte minutenlangen Stille ein. Der dritte „Gipfel“ in drei Tagen. Ich war beigesteuert, wenn auch kurz vor Tiefentladung.

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Vorletztes Highlight: Ich fand mein Nummernschild! Seit Beginn nahm ich mir vor, immer wieder den Straßengraben mit einem Auge nach einem verlorenen Nummernschild Ausschau zu halten. In Island fand ich eins und auch in Schweden. Diesmal aber war es nicht so einfach. Die Norweger:innen sind so ordentlich, sie schmeißen keinen Müll in die Landschaft und im Frühjahr gibt es größere Sammelaktionen entlang der Straße und an touristischen Plätzen. Sie mähen überall, renovieren die Parkplätze, asphaltieren die Straßen und machen die Böschung neu. Das war meine Erklärung, warum es wenig Chancen auf ein verlorenes Nunmernschild gehen könnte. Nun aber war es soweit. Es ist ein altes (von 2012), noch nicht eins mit blauer Seitenmarkierung und der Norwegenflagge (da wo wir den Euro-Sternenkranz haben). Aber ich bin sehr stolz und schleppe es nun noch 10 Tage mit mir herum.

Anstatt nun endlich bis zum Camping durchzufahren, sah ich durch die Bäume diesen See Rotvatnet, stieg ab, lief zum Strand runter und experimentierte in aller Ruhe mit Belichtung und Blende

So ein schöner Abend! Ich kam 20:45 an, sie hatten bis 21 Uhr die Rezeption besetzt, bezog meine Hütte, wusch die Klamotten, um direkt mit dem Trocknungsprozess zu beginnen, duschte mich und aß mein Brot mit Käse.

Eine schöne Hütte ist besser als eine häßliche Hütte

Was für ein Tag! Nebenbei hatte ich auch noch die 2000 km überschritten (2060 km an Tag 19 – nicht schlecht!) Diese Tage sind anstrengend aber dermaßen reich an Eindrücken, an Adrenalin, an Unvergeßlichem. Es ist genau so, wie ich es haben wollte!

23:59 – Die Sonne scheint

https://www.komoot.de/tour/2302462914?ref=itd

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2 Gedanken zu “N19 Rognan – Tømmerneset

  1. Hallo Guido, erstmal ganz vielen Dank für die tollen Berichte und wunderschönen Fotos….ich wünsche dir noch eine schöne Zeit mit ganz besonderen Begegnungen und Eindrücken. Ich freue mich schon auf dein neues Buch.

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    1. Vielen Dank, lieber Rainer, es ist tatsächlich so toll, wie es sich liest.
      Inklusive Kälte, Nässe, Autos, Höhenmeter, Tunnel.. das ganze Programm.

      Herzlicher Gruß, Guido

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