Schon seit gestern bin ich auf Vesterålen, stellte ich fest. Auf Lofoten komme ich erst morgen oder übermorgen. Ich habe etwas in Wikipedia darüber gelesen. Da steht übrigens auch, daß die Sonne hier zwischen 23. Mai und 23. Juli nicht untergeht. Im Winter dafür Polarnacht – ganz schlimm.

Weil Einkaufen wegen der Feiertage erst seit heute wieder möglich ist, war Schmalhans Küchenmeister. Das änderte sich auch den ganzen Tag nicht.

Kulinarisch war es heute kein Genuss, aber von der Landschaft her schon. Das Besondere von Lofoton, sorry, Vesterålen sind die schroff ins Wasser abfallenden Felsen, die bis über 1000m hoch sind und eben durch sehr viele Fjorde und Schären durchzogen sind. Das macht den Reiz aus, den ich zwar sehe, aber vom Festland her auch kenne, weil ich oft Nebenstraßen fahren musste. Dadurch bekam ich sensationelle Landschaft mit viel Felsen und Wasser auch am Festland zu sehen..


Ich hatte ja gestern meinen Plan offenbart, mehr zu genießen und weniger zu sporteln. Das hat so halb funktioniert. Ich bekam, verleitet mal wieder durch einen unbeschrifteten Radweg, die Kurve nicht auf die E83 nach Sortland, sondern driftete ab.

In einem Vorort fragte ich eine Frau (Luda), die gerade mit ihren Sommerski zum Training aufbrechen wollte und sie meinte, zur Hauptstraße müsse ich ein ganzes Stück zurück. Das ist nicht mein Stil und ich entschied mich für vorwärts und eine schöne Extrarunde über die Nordküste von Hinnøy. So heißt die Insel, auf der auch Harstad liegt.

Mal abgesehen von den hundert Fotografierstops, die mich natürlich aufhielten, hatte ich ein gutes Tempo und war bestens drauf. Deshalb machte mir der Umweg von gut 20 km auch nichts aus.


Auf Westseite der Insel Hinnøya am Kvæfjord ist es besonders mild und auf den sanften Ausläufern der nicht ganz so hohen Berge wird bescheidene Landwirtschaft betrieben.

Diese nördliche Runde bis Borkenes machte mich sehr glücklich. Ein Rentnerpaar aus Dresden war die einzige Begegnung.

Für manche, scheinbar unbedeutende Motive kehrte ich um, weil nur ein ganz bestimmter Ausschnitt in Konstellation mit Strommasten, Bäumen und Büschen und Sonnenlicht ein gutes Bild ermöglicht.

In Borkenes gab es immerhin einen coop extra Supermarkt. Zwar leider ohne Kaffee aber ich kaufte nun, was Helena im Hostel in Narvik und empfohlen hatte: Kvikk Lunsj.

Es geht wohl niemand in Norwegen auf Wanderschaft ohne Kvikk Lunsj. Dann kann das auch für mich gut sein.

Ich setzte mich an die Bushaltestelle in die Sonne, aß und trank, und schaute im Handy herum. Da rief Uwe Schmitt an, ob alles klar sei für das Allradtreffen in Bad Kissingen am 20. Juni. Ich halte dort zwei Vorträge, obwohl mein Rad gar kein Allrad hat. Es kommt sogar Jan Ulrich. Letztes Jahr hatten sie Reinhold Messner. Mir kommt gerade die Idee, bei der Gelegenheit den Jan Ulrich zu fragen, ob er nicht das Nachwort für „Abenteuer NORWEGEN“ schreiben möchte. Mal schauen.

Ich war also froh, auf der Sonnenseite des Kvæfjords zu sein, aber das würde nicht so bleiben.

Es gab keinen Aufenthaltsraum aber das Wetter hielt sich gerade noch gut genug, um in der Bushaltestelle mit Wetterjacke warten zu können. Es ist ein Luxus, sich eine Stunde zum Nichtstun unter das Dach zu setzen und zu warten, bei Abwesenheit jeglicher Höhepunkte.
Auf der Fähre gab es mein altes Rezept: Kaffee mit Kakao. Beim Anlegen in Flesnes schüttete es und ich erinnerte mich wieder daran, in Norwegen zu sein. Es gibt dann die paar Minuten, sich bei Regen und Költe warm zufahren. Dann kommt alles ins Gleichgewicht und es ist gut auszuhalten. Das ist Teil des Sports.

Als die Autos von der Fähre weg waren, kam erstmal bis zu einer größeren Kreuzung nichts mehr. Dann aber eine Baustelle. Da waren sie wieder, die Monsterbagger von Komatsu, Volvo und Caterpillar. Dieter, der Gespannfahrer aus Waldshut-Tiengen hatte mir in Mo i Rana erzählt, daß sie die Felsen bis zu 3 Meter tiefer abbrechen, als nachher der Straßenbelag ist. Das Material wird an Ort und Stelle ausgebracht, verdichtet, planiert. Durch diesen Aufbau gibt es später unter der Straßen Oberfläche kein Wasser und auch keine Frostaufbrüche. Man hört das bei uns immer: „Ja klar, das Wasser gefriert und dann gibt es halt Frostaufbruch. Es geht auch anders. Oder wie Dieter sagt: Machsch halt eehmal richtig, denn hosch s! Er war selbst 30 Jahre Straßenbauer.

Die Straße war dreckig und entsprechend saute ich mein Rad komplett ein entlang der Baustelle. Dann gab es eine Umfahrung der Hauptstraße 83 direkt am Fjord entlang und ich hatte wieder meine Ruhe und magische Momente.

Der Sigerfjord war von oben so verlockend anzusehen, aber es störten Bäume. Bilder zu machen ist oft aufwendig, aber ich liebe das. Statt nur durch die Gegend zu brausen, eben zu bremsen, zurück zu fahren und zu überlegen, wie man transportieren könnte, was man hier gerade sieht. Es gab dann doch noch weiter hinten einen magischen Moment, der zunächst noch durch eine Fabrik gestört wurde. Aber ich fand den richtigen Standpunkt für dieses Bild:

Die Sonne fiel schräg auf die linke Bergkette und leuchtete das Grün an, in der Mitte eine kleine Insel in einem ruhigen Fjord, oben dunkle Wolken, hinten heller. Einfach ein tolles Motiv, wofür ich gern m selben Fjord zum vierten Mal die Kamera rausholte. Bei strahlendem Wetter wäre so ein Bild nicht möglich. immerhin regnete es nicht bis Sortland, wo ich kurz vorher an der Fähre eine kleine Hütte reserviert hatte.



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