Das Abenteuer Norwegen hatte sich gedacht, daß es bisher ungerecht zugegangen war, weil es so viel geregnet hatte. Also beschloss es heute mal einfach einen schönen Tag. Daß es sowas gibt! Dabei sah es erst nicht so aus.

Immer wenn der Regen aufs Dach trommelte, erinnerte ich mich daran, wie gut ich es hatte in dieser norwegischen Hütte. Die Elektroheizung war an und trocknete die gewaschenen Klamotten und das für meine Begriffe viel zu kleine Holzbett von höchstens 80×190 cm war besser als keins. Ich lag immer wieder mit einem Knie oder Arm auf der Bettkante.

Anderslautende sonst, wo es sich zuzog, wenn ich aufbrach, wurde es diesmal schön. Die Fahrt ging zügig und die Berge gegenüber zwangen mich, zu fotografieren.

Kurz vor Melbu kam mir Rene entgegen. Er ist unterwegs von Bern zum Nordkap und macht daraus sogar eine Spendenreise. Das gesammelte Geld kommt dem „Gassenbus“ in Bern zugute, eine Obdachloseninitiative. Schaut mal auf https://www.renesride.com

Er fährt heute bis 60 km vor Andenes, und ich erstmal auf die Fähre nach Fiskebotn . Von der Fähre herunter kam Lucas aus Nantes (Bretagne) und – ich glaube – Ben aus Belgien. Sie sahen auch schon etwas verwittert aus. Gute Fahrt, Ihr beiden!

Ich traf heute doppelt so viele Radreisende wie in den letzten 24 Tagen zusammen. Ich glaube, die Saison hat begonnen. Also winkte ich zunächst noch euphorisch, später nur noch, wie bei uns im Dorf, wenn man nicht sicher ist, ob er einer von uns ist.

Die Leute knipsten, als gäbe es kein Morgen. Ich fragte mich, wie sie hier her gekommen waren, wenn sie sich gar nicht mehr einkriegten über die Landschaft. Denn es gibt je jetzt keinen Eisernen Vorhang, der plötzlich aufgeht und dann ist da die Pracht der Berge und darunter das Wasser. Aber ich mußte kurz an den Mauerfall denken, ohne den ich hier nicht stehen würde.

Ich kann mir das so erklären: Während ich heute wieder einen großen Umweg über die Westseite der Insel Austvågøya nehme und 50 mal die Landschaft fotografiere, fahren sie auf der E10 nach Norden oder Süden durch bis zu einem Aussichtspunkt. Ader geht es nicht. Außerdem haben sie zwischen sich und der Umwelt eine Scheibe.

Die schafft Distanz und guckt vielleicht während der Fahrt lieber aufs Handy, als um sich herum. Auf der Fähre sind sie dann plötzlich selbst an der frischen Luft und nehmen alles unmittelbar war. Ich halte oft an, fahre zurück, um einen bestimmten Blickwinkel zu wiederholen oder eine Baumlücke zu erwischen für ein gutes Bild. Das kann ich nur, weil auf meiner Seite kaum Autos kommen. Ich bin sehr froh mit dieser Aufteilung.

Es lief super in welliger Landschaft, meistens Sonne, unendlich viele kleine Buchten (Fjorde eben), einzelne Hütten oder kleinste Dörfer.

Es gab sogar winzige Ministrände mit Sand und diesem speziellen blau schimmerndem Wasser. Ich glaube, wenn ich da den Zeh reinhalte, fällt er ab wegen Kälteschock. Schade, daß ich es nicht probiert habe.

Hier in der Gegend sind auch Brutplätze für viele Vögel, weil es Nahrung, Wasser und Wärme gibt.

Ich brauchte kein Navi und befindlich auch immer noch abseits der geplanten Route. Das hier war echter Genuß. Ich konnte kilometerweit freihändig fahren und griff an den Lenker, wenn Autos kamen und auch andere Radreisende. Die waren genauso happy wie ich.

Die wenigen Unterkünfte hier bereiten sich auf Gäste vor, da wird gereinigt, gelüftet, gesaugt und geschraubt.

Freilich gibt es hier in der Gegend keinen Supermarkt oder gar Restaurant. Aber ich bin darauf eingestellt:



Ich war zurück auf dem Highway E10, der sich nicht wie ein Highway anfühlte. Klar, es kamen dauernd Autos, aber es ging doch alles sehr übersichtlich zu. Auch die Klagen, es seien ja nur deutsche Wohnmobile, will ich nicht unterstützen. Ja, es kommen immer wieder welche, aber ein einziger lästiger Steim ist es nicht. Wir können nicht erwarten, daß 300 km nördlich des Polarkreises separate Radwege, extra Überholspuren, Reitwege und Wanderwege ausgebaut sind, wo all das nur für 10 Wochen im Jahr gebraucht würde. Wir müssen uns den Platz teilen. Oder es kommen mehr mit dem Rad, die brauchen auch nicht so viel Platz.


Dann kam Solvær, die heimliche Hauptstadt der Lofoten. Es gibt einen Disput darüber, ob es nicht auch Leknes sein könnte.

Kirche samt Friedhof vor einem Hausberg am Ortseingang

Ich kam in der Stadt erst nicht zurecht, es fand sich „das Zentrum“ nicht, wo man mal einen Kaffe trinken könnte, ein Stück Kuchen essen und sich orientieren könnte. Ich fand es dann auf Nachfrage bei Einheimischen – Bakkeri, Konditeri, Café. Aber seit 16:00 geschlossen. Dabei wäre doch 16 Uhr an einem Mittwoch Nachmittag eine gute Zeit für einen Kaffee. Drinnen brannte wie immer Licht unfreien alte Regel gilt bisher ohne Ausnahme: Wenn Licht brennt, ist geschlossen, wenn alles irgendwie dunkel und zu aussieht, haben sie geöffnet. Das ist wie bei uns mit den Kneipentüren: wenn sie offen stehen, ist noch zu. Das zumindest kann ich mir erklären, denn das Wischwasser auf dem Boden muß abtrocknen, bevor zu gemacht wird und dann wieder auf.

Ich saß dann gegenüber im ersten Stock eines Hauses und aß eine Portion Nudeln, da fragte ich zweimal, ob geöffnet sei, denn es war alles dunkel. Ich beobachtete, wie innerhalb einer Stunde bestimmt 80 Leute an die Klinke Fasten und ungläubig waren, ob wirklich zu war. Als ich wieder runter kam, um mein Rad zu schnappen, brannte weiter Licht und sie machen immer noch das Cafe sauber… Auch gestern das Café in Stokmarknes schloß 16 Uhr.


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