Im Nachtzug durch Norwegen fahren, das ist genau mein Stil. Zumal im Sonmer, wo es selbst südlich von Trondheim nicht wirklich dunkel wird. Zumal, wenn ich so einen schönen Sitzplatz habe, den ich fast in Liegeposition runterfahren kann.

Nachts 3 Uhr

Bevor alle loslegten, packte ich ein kleines Handtuch aus, das Taschenmesser, 2 Brötchen und Nugatti aus der Tube. Dazu Kaffee aus der flüsterleisen Maschine und dann Frühstück + Morgentoilette.

„Vi ankommt Oslo stasjon om 5 til 6 minut“
Oslo Hbf

Ich hatte gut 5 Stunden, um die Stadt zu erkunden.

Ich hatte gelesen von dem Panoramadeck auf der neuen Oper von Oslo. Die liegt da irgendwo hinter dem Brunnen. Leider heute gesperrt, sagten die Wachleute.
Ganz toll, man kann durch die Glasscheiben rings um die Oper in die Werkstätten und Kleiderkammer blicken und den Menschen beim Arbeiten zuschauen!

Ich war etwas ziellos. Gut, daß ich nichts einkaufen wollte, außer kurz vor Abreise braunen Käse – typisch Norwegen. Die Läden öffneten auch erst frühestens ab 10 Uhr.

Vor dem Storting auf einer Stufe mit Anna Rokstad, der ersten weiblichen Abgeordneten des Parlaments

Der Kracher daran: Diese Statue wurde erst am letzten Donnerstag u.a. mit dem Parlamentspräsidenten eingeweiht und war noch abgesperrt. das Konzept ist tatsächlich, auch mit ihr sich auf eine Höhe zu stellen. Das weiß ich, weil eine Frau (Brigitta), selbst im Patlament, mich fotografierte, erst mit meinem, dann mit ihrem Handy. Ich praktisch der erste, mit der das Anliegen des Künstlers umsetzte.

Die berühmte Marke, von der auch Kvikk Lunsj stammt (Norwegische Schokoladenfabrik)
Alle, die was auf sich halten, feiern den Pridemonth
Weiter im Text mit dem Historischen Museum

Ich ließ mich weiter treiben und sah am Anderen Ende auf der Anhöhe einen weiteren Bau – das Schloß!

Wir wohnen sehr schön, aber die hier haben es auch nicht schlecht getroffen: Die Königsfamilie am Slottsplassen

Eine Frau (Malott) hat als Angestellte des Königspalastes die Aufgabe, Papierschnipsel oder Kippen aufzulesen und stieg von ihrem königlichen Elektrokarren. Sie war bereit, mich zu fotografieren.

Das ist wohl Frederik zu Pferd
Arbeitet bei jedem Wetter und hat das Abzeichen des Königspalastes auf ihrer Jacke

Ein bis drei Ränge höher ist er hier, einer der Wachhabenden am Tor des Königlichen Gartens direkt am Schloß. Ich fragte, ob ich ihn fotografieren dürfe, er nickte unmerklich.

Ich wollte nicht näher ran.

Ich trieb mich noch ein bischen an Kai herum, aber bei diesem Mistwetter macht es keinen Spaß. Die Stadt hat keine Markante Silhouette, aber doch eine tolle Mischung aus alten und neuen repräsentativen Gebäuden.

Ikonisches Gebäude im Hintergrund: das Rathaus von 1950

Im Rathaus soll eine Ausstellung moderner Kunst sein. Aber wohin solange mit dem Rad?

Hauptportal des Rathauses

Man merkt der Hauptstadt die Hinwendung zu Kunst, Design und Architektur an. Es wird auch weiter fleißig gebaut.

Ehrwürdig: Zentrum des Friedensnobelpreises

Die Nobelpreise werden ja in Schweden vergeben, der Friedensnobelpreis in Oslo.

Die Friedensnobelpreisträger auf einen Blick

Gleich daneben der supermoderne Bau des National Museum. Ohne mein Rad zu lange aus den Augen zu lassen, machte ich einen Abstecher in den Museumsshop.

Tolle Idee: Man soll auswählen und abstimmen, welche Ausstellung am besten ist und kann etwas gewinnen. Mein Favorit „Abenteuer Norwegen“ steht nicht zur Wahl.

Es war Zeit für den braunen Käse aus dem Supermarkt und also eine kleine Tour am Kai entlang. Die Kolleginnen von einem Werbestand der Havila bremsten und beschenkten mich mit einer Tasse und einem Halstuch. Sie machen regelmäßige Schiffsfahrten vom Süden ans Nordkap ähnlich der Hurtigruten.

Das ist der braune Käse.

Man sah schon von weitem die Color Line Fähre nach Kiel. Ich brauchte nur noch um zwei kleinere Hafenbecken herum. Sie haben diese Gegend auch völlig neu bebaut, aber viel schöner, abwechslungsreicher als die Hafencity in Hamburg. Und man kann an allen Gebäuden entlang des Wassers drum herum fahren und auch mal dem Regen ausweichen.

Color Fantasy: 2900 Passagiere und 200 Leute Personal – Ein Kreuzfahrtschiff mit Autodeck

Wir waren vielleicht 8 Radfahrende, 300 Motoradfahrer:innen und eben hunderte Autos, Caravans, Camper und Trucks. Check in in strömendem Regen zusammen mit den Autos (Einer beschwerte sich, daß wir uns nicht hinten anstellten, wie sie auch. OK, machen wir, aber dann machst Du Dein Cabriodach auf!). Auf die Fähre durften wir ohnehin zuerst. Es war ein perfektes Timing, denn wir mussten nicht lange warten bis zum Boarding.

Foto: ColorLine

Meine Kabine war der Kracher! Offenbar war der Kontostand nach viel höher als jetzt, als ich das im Februar gebucht hatte: Doppelkabine Innen zur Einzelnutzung.

Komfortabel!

Die Fähre als ausgewachsenes Kreuzfahrtschiff, das hatte ich auch noch nicht. Dje Menschen stürmen die Mall, als wären sie gerade von einem harten Biketrip über den Polarkreis zurück und hätten tagelang Regen und Wind gehabt. Was soll es hier geben, außer Essen und Trinken zwischen den Mahlzeiten und einen neuen Pullover Made in Pakistan?

160 m Geschäfte, Restaurants, Bars. Auch ein Casino, eine Aquaworld, Wellness&Spa, einen Golfsimulator und natürlich eine Kids World haben sie.

Mit dem Schiff könnte man eine monatelange Weltreise antreten. Warum nicht, vielleicht machen wir das später mal.

Blick auf Oslo wie aus dem Berliner Fernsehturm

Draußen an Deck unterhielt ich mich mit Jens aus Freising, der war sechs Wochen mit dem Rad durch Dänemark und Norwegen unterwegs gewesen. wir nahmen kollektiv Abschied von Oslo und von Norwegen.

Farvel i Norge!

Ich werde das alles erstmal sacken lassen und dann in Ruhe die Bilder sortieren. Die Brust ist voll mit Eindrücken, da paßt im Moment fast nichts mehr hinein.

Im Kattegat 22:31 Uhr

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