Was für ein Tag heute! Eigentlich unspektakulär von den Zahlen, und auch Bilder habe ich kaum. Aber das hat seinen Grund.
Der Platten des Tages zeigt sich schon, als wir noch beim Frühstück sitzen und zufällig auf die Räder schauen So kann Henrik noch in der Unterkunft unter Reinstraumbedingungen flicken. Und er hat den abgefahrenen Hintreifen nach vorn getauscht. Ein probates Mittel für seltenere Platten. Es hat funktioniert.

Es ist nicht ganz leicht, die richtige Ausfahrt aus der Stadt nach Skanderborg zu finden, auch wenn die Morgensonne scheint und die Luft kalt und klar ist. So haben wir schon mal 5 km mehr als geplant.
Als wir die Peilung haben, wackelt Davids Gepäckträger derart, daß wir uns gezwungen sehen, das zu ändern. Henrik kommt auf die Idee, eine Schraube vom Flaschenhalter zu opfern und sie kurzerhand für eine verloren gefangene zu erstzen. Später spanne ich noch einen Gummizug um das Gepäck und das Sattelrohr. Der Gepäckträger ist instabil, seit dem wir unterwegs sind. Nächstes Mal bekommt er ein Lastenrad zugeteilt!
So sind wir erst gegen Mittag in einer Backstube „Henrik“ in Østervik bei km 45.

Nächster Stop erst in Givle, Steinofenpizza bei km 85. Warum ich auf die Idee komme, Nudeln statt Pizza zu essen, weiß ich nicht. Jedenfalls liegen sie derart schwer im Magen, daß ich nach 80 weiteren Kilometern am Abend nichts essen kann, außer eine Tomatensuppe.
Davor haben wir auf 45 km eine tolle Landpartie mit Bauernhöfen, Kuhställen, Wald und Feld. Das wären keine spannenden Bilder geworden, viel zu bieder, zu wenig Aktion. Aber ansonsten einfach nur schön.

Die Landschaft ist wellig und wir haben gefühlt 50 mal eine Anhöhe zu überwinden. Dazu stets ein hartnäckiger Gegenwind aus West. Und wir fahren nach West. ich muss mehrfach abreißen lassen und die Jungs warten am nächsten Abzweig.
Next Stop- eine Tankstelle.in Grindsted. Ich habe multiple Probleme: Steifer Nacken vom Hochgucken, eine riesige unverdauliche Pasta im kalten Magen, denn das Blut wird in den Extremitäten gebraucht. Dazu brummende Knie und einen Verhärteten Rücken. Nicht zu vergessen das Sitzfleisch – Katastrophe. Während die Jungs Kaffee trinken, strecke ich mich auf einer Bank aus. Das ist ganz gut, um mich wieder gerade zu biegen.
Nächster Stop soll Varde sein, das wird schon beinahe hart. Es kommt Regen auf, der Wind streut immer wieder eiskalte Böen ein. Immerhin ist meist flach. Uns wird alles abverlangt.
In Varde klappere ich und will eigentlich direkt weiter, um nicht in dennassen Klamotten auszukühlen. Aber das geht nicht und ich kann immerhin einen heißen Kaffee runterspülen. Meine größte Krise ist überwinden und die Nudeln leisten endlich einen Beitrag zur Energiezufuhr.
Bleibt noch eine Etappe bis nach Esbjerg mit Regen, böigem Wind und langsam einziehender Dunkelheit. Ich kann gut Fahrt aufnehmen und habe das Gefühl, es schaffen zu können.

Gegen 20:30 treffen wir in der Wohnung in Esbjerg ein. Regen und Wind hatten nicht mehr nachgelassen. Das Gesicht ist taub, die Lippen dick von den den tausend Nadelstichen, die Fußsohlen taub von der Kälte, der Magen immer noch nicht leer aber die Übelkeit hält sich in Grenzen. Der Rücken wieder besser.
Wir haben es geschafft und das zählt. Bei aller Strapaze bin ich froh, geliefert zu haben. Eine Tomatensuppe und Bier gehen rein. David hat Nudeln gekocht aber ich muss passen.
Von der Stadt haben wir nur riesige Pfützen auf glänzendem Asphalt gesehen, von dem alles gleißend gespiegelt wird.
Was für eine Tour! Sie haben eine Waschmaschine und es gibt Aussicht darauf, daß es morgen geordnet weitergeht.


