Ich wollte mich heute weiter steigern auf 90 km, denn irgendwie will ich die 1800 km in 20 Tagen schaffen. Es kam anders, aber dazu später.

Leider kein Frühstück heute, nur eine Tasse Nescafé mit 5 Würfel Zucker und 0,2l Trinkjoghurt „Karamell“. Den hatte ich gestern gekauft, falls es hier nichts gab. Ich kam eine Stunde früher los und wollte an der Tanke mit dem passenden Namen ORKAN ersatzweise zwei Brötchen kaufen. Leider nix. Der Supermarkt öffnet auch erst 10 Uhr, das ist zu spät für das, was ich heute vorhabe.

Also trolle ich mich hinaus in den Nieselregen. Immerhin nur mäßiger Wind.
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Die Natur ist weiterhin berauschend. Vorerst werde ich mich nicht daran gewöhnen.

Ich freue mich des Lebens, denn der Regen wird nicht stärker und der Wind kommt nicht direkt von vorn, sondern fällt von rechts ein. Was will man mehr. In 30 km soll ein Ort kommen, aber was heißt das hier schon – 50 Einwohner?

Neadasch wäre in Island eine Kreisstadt. Ich glaube kaum, daß eines der verlassenen Häuser bewohnt ist, auch nicht im Sommer. Es gibt ja auf dieser Seite nicht mal Schafe.

Die Straße trocknet ab und die Natur macht keine Pause mit ihrer Show.

Man freut sich, man abgesehen von der Natur, über Kleinigkeiten. Es überholt mich ein Wohnmobil aus Offenbach. Das werden doch nicht Marc und Stephanie sein? Nee, die hätten Bescheid gesagt. Man erkennt die Touristen ob mit Mietwagen oder eigenem Auto daran, daß sie vorsichtig hinten ran fahren und dann überholen. Isländer kacheln in der Regel vorbei, auch wenn es knapp wird mit dem seltenen Gegenverkehr. Das ist übrigens in Frankreich auch so. Die Menschen sind hier sehr nett und hilfsbereit, aber eben keine Radfahrernation.


Die Bergketten sehe ich alle zweimal, gegenüber und wenn ich unter ihnen her fahre. Nach dem ersten Fjord für heute habe ich den Eindruck, es wohnen doch manche Menschen hier.

Am „Eingang“ zum nächsten Fjord übe ich wieder Selfies mit dem Selbstauslöser der Kamera: Alles einstellen, losrennen und posen. Es geht ganz gut diesmal. Irgendwann zeige ich meine Selfiesammlung von dieser Reise.

Das Rad kann man auch schön in Szene setzen. Die Gefahr: bei einem Windstoß fällt es um.


Jetzt kommt die erste Zwischenstation mit dem Café – Stödvarfjördur. Es steht an einem Haus Café dran, aber auch Klosett, äh closed.

In Stödvarfjördur haben vier Handarbeitsgeschäfte geöffnet, aber es gibt keinen Kaffee und kein Brötchen. „Erst wenn der letzte Schafspullover gestrickt ist, werdet Ihr merken, daß man Wolle nicht essen kann“ oder so.

Brindis und Sara halten einen ganzen Saal voller schöner Sachen bereit. Ich frage sie, ob es eigentlich in diesem Ort auch etwas zu essen gibt. Alles geschlossen – leider. Dann tauen sie auf. Sie könnten mir einen Tee oder Kaffee machen. Ich finde das gut und nehme die ganze Hand: ob ich auch kochendes Wasser haben dürfte, dann könnte ich meine mitgebrachten Speisen heiß aufgießen und es wäre mir sehr geholfen.

Ja, das geht, sie haben den Ernst der Lage erfaßt und ich bekomme jede Unterstützung. Ich gieße mir eine Tomatensuppe und eine Trek ‚n Eat Outdoornahrung (Überreste von 2017) auf und bekomme noch Kaffee. Dazu kaufe ich gleich zwei Packungen fettiges Plundergebäck für 2000 ISK = 13 €, geradezu ein Schnäppchen. Das ist ganz toll selbst gemacht und schmeckt aber nach nichts. Es scheint auch schon etwas älter, was man ihm anmerkt, nicht so meiner Trekkingnahrung. So mache ich mich gestärkt wieder auf den Weg und nehme mir vor, jede sich bietende Gelegenheit zur Nahrunhsaufnahme wahrzunehmen.

Den „Wasserfall des Tages“ hatte ich zwar gleich zu Beginn verpasst und wollte nicht nochmal umdrehen. Aber es kommen immer wieder welche.


Die Ringstraße wollen sie asphaltiert in Schuß halten und also nicht einfach drüber planieren, wenn mal wieder etwas abgerutscht ist. Es gibt auch keine Frostaufbrüche wie bei uns. Schon in Physik 6. Klasse lernten wir (Anomalie des Wassers), daß es zwangsläufig so sein muß, daß das Wasser in den Straßenbelag läuft und der bei Frost aufbricht. Hm, OK, außer in Finnland, Estland, Schweden, Norwegen und Island. Die haben ja keinen Frost.

Fjorde, Wasserfälle und der Atlantik im Wechsel. So viel Wasser!


Jetzt habe ich mal schön die Islandpferde geknipst. Hoffentlich sind die Bilder scharf, denn das sieht man erst auf einem richtigen Bildschirm.

Um die Flora habe ich mich noch nicht so richtig gekümmert in meinen Geschichten. Dabei bin ich zuhause der Mann für die Pflanzen. Es gibt neben den 500 Moosarten auch ganz viele allerliebst blühende in allen erdenklichen Farben. sie haben nicht viel Zeit, dann wird es wieder kalt.

Ich habe heute noch mehr fotografiert und mich kurz vor diesem Wasserfall mit seinem Nachbarn beschäftigt. Bestimmt eine halbe Stunde habe ich ihn mit verschiedenen Objektiven, Einstellungen, bei Schatten und Sonne fotografiert, denn man kam nicht dichter ran. Dabei ist sogar mein Rad umgefallen(Anfängerfehler, falsch abgestellt). Lenkerband an einer zweiten Stelle angeknackst, aber sonst alles heil. Tja, und dann fahre ich weiter und es kommt dieser noch schönere Wasserfall. Das ist wie mit den Wellen letztes Jahr am Atlantik.

Es kommen jetzt mehr Häuser und es steht ab und zu Kaffee, Restaurant oder Hotel dran. Aber alles zu. Ich habe festgestellt, daß ich bei der Planung 17 km der heutigen Etappe vergessen habe, Es zieht sich entsprechend und der letzte Fjord ist besonders lang.

Ich habe riesigen Hunger und der Magen hängt. Jetzt ist Beharrlichkeit gefragt. Ich mache wieder meinen Dextro Energen-Trick. Zwei Stücke langsam im Munde zergehen lassen, denn da wird am besten resorbiert. Das hält aber nicht lange, nochmal zwei. Mit Wasser nachspülen. Mit der Esserei muß ich mir was einfallen lassen. Brindis in Stödvarfjördur sagte, der Supermarkt in Djupivogur hat mindestens bis 18 Uhr auf. Das könnte ich schaffen, obwohl auf den letzen 20 Kilometern wieder straffer Gegenwind ist. Ich schaffe das, aber er hat schon zu. Leider nur bis 17 Uhr offen, sagt der Polizist.

Zum Trost wünsche ich mir ein Selfie und erzähle ihm, wie berühmt seine Kolegen und er durch die Filme geworden sind. Er lächelt und findet das gut. Das sollten wir zuhause auch mal machen. Irgendwie mal positiveres Image für die Polizisten schaffen. Dabei sind die meisten so umgänglich wie meiner hier. OK, es gibt auch wenig Anlaß zur Konfrontation.

Endlich wieder ein richtiger Ort!


So langsam komme ich in belebtere Gegenden. Meine Unterkunft ist ein Fass für mich und mein Fahrrad. Morgen kein Kaffee, aber ich habe ja noch das alte fettige Gebäck dabei. Ich muß weiter improvisieren!


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Hallo Guido. Mit diesem Bericht über Tag 3 habe auch ich wieder 107 Km von Island kennengelernt. Im Gegensatz zu dir musste ich nicht mit der rauhen Natur sieben Stunden lang kämpfen, sondern habe deine Zeilen Satz für Satz schmunzelnd auf der Terrasse gelesen. Die passenden Bilder lassen mich Island auch aus dieser großen Entfernung verstehen. Das dort Essen und Trinken dir so große Probleme bereiten tut mir leid. Ich fühle mit dir, denn das ist eines der wichtigsten Dinge und begleitet einen während der ganzen Zeit auf dem Rad.
Ich wünsche dir diesbezüglich auf den kommenden Etappen mehr Glück.
Liebe Grüße auch von Gisela.
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Lieber Gottfried, so langsam verstehe ich das System: Niemals eine Gelegenheit auslassen und heute schon an morgen denken. Aber sonst ist das hier wirklich unglaublich.
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Digga, was für eine Tour. Ich würde ja durchdrehen ohne ordentliches Essen. Dann hätte der Polizist was zu tun. 😉
Grüße aus Hamburgo, Stephan
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So langsam groove ich mich ein. Am ersten Tag im Supermarkt kam niemand an die Bäckertheke und ich dachte, dann Kauf ich halt woanders was. Aber das ist der erste Schritt in die falsche Richtung. Gestern war wohl auch noch Nationalfeiertag. Das hab ich gar nicht mitbekommen. Ansonsten einfach eine geile Tour!
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Hey Guido, wegen der Selfies: schau mal, ob Canon eine App für Dein Mobile hat, über die Du Selbstportraits auslösen kannst. Bei Sony gibts das. Munter bleiben, Stephan
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