Heute war die längste Tour bisher, aber jetzt erstmal auf Anfang.

Noch vor dem Frühstück mußte ich einmal vor die Tür treten, um mich an diesem Anblick zu ergötzen. So eine friedliche Szenerie. In dieses Haus würde ich jederzeit nochmal kommen: http://www.svinafell.com/

Ich war ganz allein im Haus und aß meine Einkäufe: 10 dicke Knäcke mit 10 Scheiben Käse plus zwei Trinkjoghurt – bzw. Trinkskyr.
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Ich machte mich bald auf den Weg, denn vor den 150 km heute hatte ich doch einigen Respekt. Mit den Ausläufern des Vatnajökull sollte ich noch mehrfach konfrontiert werden. Die Gletscher haben eigene Namen, aber sie stammen eben alle vom Vatnajökull ab, dem größten Gletschermassiv Islands, der sich weit nach Süden streckt. Deshalb kann ich auch die Aufnahmen machen.

Hier bei diesem letzten konnte man gut sehen, wie Gletscher abtauen. Bei einer weißen Fläche passiert erstmal nicht viel, weil das Sonnenlicht reflektiert wird. Aber wenn Felsen herausragen oder die Kante schwarz ist von Gesteinsresten oder tausende Jahre alte oder frische Verunreinigungen, dann taut durch die Absorbtion des Lichts die Stelle rundherum schnell ab. Sie wird schneller warm. In den Alpen hat man versucht, diese dunkle Kante mit weißer Folie abzudecken, aber mit wenig Erfolg.

Wenn man bedenkt, daß wir meist nur die abgewitterten Basaltkerne der Vulkane sehen, um wie vieles größer müssen sie gewesen sein , als die Lava noch außen rum und oben drauf lag, nachdem er sich beruhigt hatte.

Florian hielt höflich an, als ich von gegenüber rief. Denn er ist schneller als ich und will die Umrundung in 16 Tagen schaffen. Ist aber immer auch eine Frage der Route. Von Reykjavik kommend hat er gleich mal einen Umweg über den Landmannalaugar gemacht. Er ist fit bis in den letzten Muskel. Seine Ausrüstung ist perfekt mit den neuesten Bikepacker-Taschen. Aber auch mein Konzept lobte er. Vielleicht sehen wir uns im Norden nochmal wieder, denn alle die entgegen meiner Richtung fahren und in Reykjavik gestartet sind, müßten im Norden ankommen, wenn ich auch da bin.

Ich traf auch den gut gelaunten Justin aus Texas. Ohne Helm, mit 40 Jahre altem Tourenrad und übersichtlichem Gepäck. Aber das wichtigste hat er dabei: seine Gitarre. Ein feiner Kerl, sich den treffe ich bestimmt im Norden wieder, nur deutlich später als Florian.

Ich fahre entlang der Felswände, habe aber immer nur allmähliche Steigungen und keine großartigen Rampen.


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Wir sind im Süden Islands und da sammeln sich an dieser schönen Attraktion schnell Menschen an. Ich hatte bei meinen Motiven zu kämpfen mit einer Frau, die mit großer Kamera und Stativ in das Wasser hinein fotografierte. Mir erschloss sich das Motiv nicht, immer wenn ich abdrücken wollte, kam sie mit ihrem Stativ ins Bild. Sie blieb aber nicht lange an dem neuen Punkt. Ich ging ihr aus dem Weg und als ich ein gutes Motiv hatte, kam die Frau mit dem roten Kleid. Sie empfindet sich als Meerjungfrau oder so und gab dem Mann im Holzfällerhemd Anweisungen, wie sie wahrgenommen werden möchte. Dann wieder Kontrolle, dann neues Bild. Verrückt aber nicht so selten! Um die mußte ich dann auch noch einen Bogen machen.


Irgendwie hatte ich ein Formtief nach knapp der Hälfte der Strecke bei km 72 in Kirkjubæjarklaustur. Denn es war noch weit. Ich trank an der Tankstelle einen Kaffee und trocknete meine Klamotten. Es war relativ warm und ich wollte es ohne Jacke versuchen. Im Café brauchten die beiden blond gefärbten Kolleginnen wie ich einen Stimmungskick und drehten die Musik lauter. Sie wackelten mit dem – äh, also sie bewegten ihren Körper nach der Musik. Nach dieser schlimmen Diskomusik habe ich auch schon nächtelang getanzt, aber eigentlich schrecklich – klar. Erst kam Merry me, dann diese spanische Hüpfmusik und immer so weiter. Das sprang auch auf mich über und ich fuhr gestärkt mit bester Laune weiter.

Zu erst kam eine sehr sanfte grüne Gegend. Dann wurde es karger.
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Ich drehte mich in den Wind oder der Wind drehte sich zu mir. Jedenfalls war es Schluß mit der warmen Gemütlichkeit. Ich trat immer kleinere Gänge und zog durch. Noch 40 km. Die können lang werden.

Und sie wurden lang. Es gab kein Entrinnen, da mußte ich jetzt durch. Es wurde kälter, aber ich produzierte auch ordentlich Energie. Seit heute morgen hatte ich nach und nach alles aufgegessen, was ich hatte: 3 Bananen, einen alten Riegel und endlich auch die Kuchen von Brindis aus Stödvarfjördur. Die wurden immer schlimmer, aber brachten Energie!

Ich fuhr im Halbkreis um diesen Gletscher herum, der im goldenen Abendlicht lag, aber für die Psyche wäre es besser gewesen, wenn sich da mal was bewegt hätte.

Ich trat in die Pedale mit kleinen Gang. Eine Wohltat waren dicht vorbei fahrende LKW, aber da kamen jetzt auch nicht mehr soviele. ich traf drei Jungs aus der Schweiz, die waren nur 70 km gefahren, aber total fertig. Sie wollten auch nach Vik und meinten, es sei kürzer als angegeben. Bis zum Supermarkt war es das auch (hatte Gottseidank bis 21 Uhr offen). Aber ich bemerkte, daß mein Hostel hinter einem Berg lag und ich doch nochmal 7,5 km weiter mußte.


Unten im Tal in Vik war lange Schatten und es war jetzt richtig kalt. dann endlich das Hostel. 21:25 Uhr. Viel mehr hatte ich auch nicht im Tank.

Ich sehe gerade, daß es auf den 40 km Gegenwindpassage bis auf den letzten Zipfel bergab ging. Und trotzdem war es so schwer, denke so 6-8 m/s.
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Lieber Guido. Gisela und ich liegen am Stand schauen auf die leicht bewegte Ostsee und genießen die Sonne. Dabei als einzige Tätigkeit lese ich deinen tollen Bericht über deine längste Etappe. Einfach irre. Wie kann man sich 150 Km als Tagesziel vornehmen. Man kann, du jedenfalls ja. Meinen Glückwunsch für diese enorme Leistung. Trotzdem nimmst du dir die Zeit für die einzigartigen Lanschaftsaufnahmen und für ein Schwätzchen mit anderen Radlern aus aller Welt. Viel Zeit zum Regenerieren hattest du nicht. Ich hoffe, du hast dich trotzdem von den Strapazen erholen können.
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