Ich aß noch ein drittes Nutellabrot, um meine Abfahrt hinaus zu zögern, denn der Wind hatte aufgefrischt und blies von Norden – meine Richtung.


Aber ich sollte nicht trödeln, denn die Tour würde heute schwer genug: 100 km mit Wind von vorn und Höhenmeter!


Ich hatte eine Schicht mehr angezogen, einen dickeren Schlauch für den Hals und unter die Radhandschuhe von Stephan noch Fingerhandschuhe (odlo) angezogen. Das war eine gute Kombination. Es war kalt aber ich fiel nicht schockgefroren vom Rad.


Heute wieder Islandwetter. Besser gewöhnte ich mich daran als irgendwas zu überlegen. Fahren und fertig. Gefühlt 2° sind nicht viel, stimmt schon, kein Sonnenuntergang in den nächsten 7 Tagen ist auch beeindruckend. Ich kann nicht erwarten, bis kurz vor den Nordpol zu fahren, um dort im Strandkorb mit einen Drink bei Sonnenschein abzuhängen. Es soll ja warm sein in Europa, habe ich gehört. Das kann ich mir gar nicht vorstellen.

Die Finger und Füße froren, deshalb laufe ich im Winter und fahre Rad im Sommer. Nach 20 km joggte ich mit den Radschuhen und dem Rad ein paar hundert Meter, um an den Extremitäten warm zu werden. Das war richtig gut. Bei km 30 kamen wieder reichlich Pferde, die zu einer Wandergruppe gehörten.

Ich stellte mich zu den Leuten und fragte sie aus: 120 Pferde, 20 Reiterinnen, alle zwei Stunden oder 7-10 km Pferdewechsel immer in so einem Paddock, sie sind insgesamt 6 Tage unterwegs. Interessant aber auch aufwendig. Ich nehme an, jedes Pferd hat 1 PS. Haha. Man solle mit etwas zum Aufwärmen reichen, sagten die schwedischen Organisatoren. „Do you like some whiskey?“ „Oh no, Thank you!“. Aufwärmen war vielleicht nur das Codewort für Whisky, wer weiß.

Endlich Hofsos. die Füße fanden sich damit ab, kalt und naß zu sein und auch den Fingern ging es nicht mehr so schlecht, wie noch gestern, als ich in den Bergen von diesem kalten Nebel überrascht worden war. Aber eine Pause war jetzt gut. Wie immer hier in Island, sieht der Ortseingang, sagen wir, leicht verkramt aus.

Aber es ist ein vergleichsweise schöner Ort. Es gab nur diese eine Zapfsäule, aber ich prüfte trotzdem, ob es hinter der abweisenden Fassade vielleicht einen Kaffee gab.

Das war total gut da drin! Es gab Kaffee und man konnte sich aromatisierten Sirup hinein schütten, soviel man wollte. Ich nahm sogar eine Pizza Margarita und kaufte eine Packung Datteln.
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Im Eingangsbereich fing mich Runar ab, er ist von hier und war auf der ganzen Welt unterwegs. Er hat auch den deutschen Sparkassen Pensionsfonds aus Island verkauft. Ich wollte die gute Stimmung nicht trüben, merkte aber an, daß so manches Institut durch die Isländische Bankenpleite in Mitleidenschaft gezogen worden war. Er wechselte das Thema und fragte mich aus. Woher, wohin, wie lange, welche Route clockwise or opposite direction. In Island machen Jugendliche diese Rundreise, so wie wir im Osten als Jugendliche mit dem Rad nach Prag gefahren waren und im die Westen zum Kiffen nach Amsterdam.

Ich mußte weiter, am besten nochmal 40 km. Der kalte Wind war nicht stark, aber wenn der mit 10 km/h entgegen kommt und man selbst nur 20 fährt, sind es schon 30 km/h kalter Wind.

Ich versank in einem Tagtraum, wie ich das vom Laufen zuhause kenne. Man ist hellwach, denkt erst noch was und aber irgendwann nichts konkretes mehr. Ich erwachte, als mir Loris und Jérôme aus Toulon in schwarzen Regenklamotten entgegen kamen. Sie fahren einen langsamen großen Kreis in über 50 Tagen! Als nächstes sind die Westfjorde dran, wenn sie erstmal hier aus dem Norden heraus sind. Sie haben seit paar Tagen Regen, übernachten wie fast alle Radler im Zelt und sind aber guter Dinge. Sie sagten, die Route nach Norden sei nicht einfach, doch machbar. Das denke ich auch. Wir lachten. Bonne voyage, bonne route und vor allem: bon courage!!!

Ich hab nochmal Gummi. Die beiden sagten, in 8 km an der Kreuzung gäbe es eine Tanke mit Kaffee. Noch so ein Shoppingtempel? Nicht ganz, aber es gibt Kaffee und alles Nötige. Hinter der beschlagenen Scheibe sitzt Lorent aus Marseille. Er studiert in Brest Medizin, aber erst im November geht es weiter mit Praktika. Seit genau 300 Tagen ist er unterwegs. So langsam kann ich meine Begegnungen fragen, ob sie den oder den getroffen haben. Denn wir Biker sind eine Familie. Nein die beiden Amis mit den Kühlboxen hatte er nicht, Loris und Jérôme aber ja…

Erhalt schon einen großen Kreis gedreht in Europa, auch in Deutschland und will weiter nach Alaska, dann über Kanada bis Oregon, dort ist Anfang Oktober Schluß.

Die letzten Kilometer bis zur Tanke mit Lorent hatte ich im Windschatten verbracht, aber dann ging es eine Rampe hoch und um den Berg herum. Noch 25 km bis Siglufjördur. Der Wind drückte jetzt wieder ins Gesicht und alle paar hundert Meter gab es einen kurzen Abschnitt Schotter. Denn. da bewegt sich soviel, daß die Straße immer nachgearbeitet werden muss.


Wenn man die tonnenschweren Brocken sieht, die da runtergekommen sind, hat man schon Respekt. Im strömenden Regen war es gar nicht so einfach, mit beschlagener Radbrille den Schlaglöchern und Steinen auszuweichen, denn ich wollte jetzt keinen Platten riskieren. Außerdem mußte ich fleißig schalten, es ging toutjour hoch und runter. Aber dann war ich da auch durch und der einspurige Tunnel kam, bzw. Ich kam ja.

Ich fuhr einfach und dann kam aber doch einer von vorn. Aber er wartete brav, denn ich hatte Licht eingeschaltet! Morgen habe ich drei Tunnel!

Und dann kam mein Ziel. Leider war es zu spät, um noch im Supermarkt einzukaufen. Es blieb mir das teuere Restaurant des Hotel Siglunes.

Ich durfte mein Rad im Lieferanteneingang abstellen mit Blick zur Küche.



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Lieber Guido. 4 Grad, straffer Nordwind und Regen, dass ist nur für hartgesottene Abenteurer. Da habe ich es doch lieber etwas wärmer. So wie in Toulon und Marseille, Toulon war 2018 mein Startpunkt auf meiner Mittelmeertour bis nach Valencia. Frieren brauchte ich dort nicht. Im Gegenteil. Kleiden nach Zwiebelprinzip ist natürlich in deinem Fall die beste Möglichkeit den Temperaturen zu trotzen.
Bleib gesund und halte durch.
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Lieber Gottfried, vielen Dank, bis jetzt ist alles gut bei mir. Bin ganz erstaunt, was man so kann, wenn es nur vorwärts geht. Lieber Gruß aus dem wirklich hohen Norden 40 km vor dem Polarkreis!
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Hallo Guido,
bei diesem Winter-Wetter und den teilweise unbefestigten Straßen sind deine Etappen gewaltig. Aber auch bei uns bist du im Winterhalbjahr teilw. nur mit einem Shirt unterwegs und mich fröstelst nur vom hinschauen.
An der Gesamtübersicht sieht man das sich der Kreis – Ring so langsam schließt.
Dir weiterhin alles Gute in jeder Hinsicht, bleib gesund und herzliche Grüße aus Neadasch
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Lieber Charly, vielen Dank. Ja der Kreis schließt sich. Es kommen noch 5 Etappen, davon zwei sehr lange. Aber ich habe zum Schluß einen Pausentag, da leihe ich mir vielleicht ein Auto oder Motorrad und dann habe ich ja auf der Fähre 2 Tage Zeit zu schlafen und zu essen. Da erhole ich mich dann richtig. Herzlicher Gruß, Guido
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