IS18 Svalbard nach Bakkafjördur

Es sollte heute eine easy Tour werden und das war es auch, aber anders.

Frühstück im Gemeinsesaal der Svalbardskoli

Ich erwähnte ja schon den Vielzweckcharakter des Gebäudes. Es ist übrigens auch noch ein Museum.

2010 schwamm dieser 138 kg leichte Jugendliche auf einem größeren Eisblock hier ans Ufer und wurde aber zum Problembär.

Ich hatte wenig geschlafen, weil man kein Rollo herunter ziehen konnte.

1:00 – Zeit des geringsten Sonnenstandes

Aber das sollte mich nicht abhalten. Ich ging die Tour 18 mit Nutella vollgefuttert an, denn es war klar: strong headwind.

Soviel Zeit muß sein

Bis km 20 kam der Wind direkt von vorn und dann in der Kurve nach Thorshöfn schräg von der Seite. Er war so stark daß ich mich immer schräger hineinlegen mußte. Ich hatte mich schon gefragt, wozu ich die Noppen an der Seite der Reifwn eigentlich brauchte, in der Mitte waren sie längst abgefahren. Jetzt brauchte ich die. Immer wieder kamen Böen oder auch mal ein Luftloch. Das Loch war am gefährlichsten, denn ich versuchte möglichst nicht nach links abzudriften in der Hoffnung, es käme niemand von hinten. Aber wenn abrupt kein Wind kam, fuhr ich unweigerlich in den Graben. Der ist überall sehr tief. Es gibt absichtlich kein Bankett. Ich hoffte, nur weit genug um die Kurve herum zu fahren, damit der Wind mal von hinten käme, aber das ging irgendwie erst zum Schluß kurz vor dem Ort auf. Die nahen Berge lenkten den Strom zu meinen Ungunsten um. Die 27 km waren mit das Anstrengendste bisher auf meiner Radreise.

Virgilsfur mit seinem Suzuki Samurai

Dort angekommen kaufte ich erstmal mein Standardrepertoire ein: 2x Lightbier, zwei Joghurt und Brot – die Minimalvariante. Ich mißte mir etwas einfallen lassen. Denn als nächstes ging es wieder genau in Windrichtung auf die Hochfläche eine Schotterstraße hoch. Es waren noch 44 km bis Bakkafjördur. Vor dem Supermarkt fragten zwei ältere Männer, ob ich das wirklich wagen wolle, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Da müsse ich aber ein starker Mann sein. OK, also das war durchaus nicht mehr die Befürchtung eines verpäppelten Mitteleuropäers. Und der Wind nahm weiter zu.

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In der Tankstelle checkte ich die Wetterapp. Ja, es waren Böen bis 55 km/h bisher und weiter steigende Werte angezeigt. Ich hörte mich nach einem Fahrer um. Aber niemand hatte Zeit oder das Auto leider voll. Auch die Tankstellen- und Restaurantbesitzer hatten kein Auto, geschweige einen Lieferwagen. Ich sprach mit ein paar Halbstarken, die ihren Kater vom gestrigen Bakkafjördur-Festival bekämpften. Die waren aufgeschlossen, weil ich meinen letzten 5.000 ISK Schein heraus gekramt hatte. Ich ließ meinen Bedarf dann erstmal sacken. Womöglich hörte sich der eine oder andere wegen mir um.

Ich bestellte eine Tagessuppe und sprach die Chefin beim kassieren an. Sie sagte, wenn ich etwas warte, kommen immer wieder Leute und da wird schon mal einer dabei sein, der Bock hätte. Ich fragte, ob es helfen könnte, diese Banknote einzusetzen. Sie sagte, ich könne es probieren. Fast alles hier in Island hatte ich mit der Karte bezahlt. Gut daß ich zu Beginn in Egilsstadir gleich mal 25.000 ISK in bar abgehoben hatte. In diesem Fall hilft nämlich keine Kreditkarte. Der Chef wollte irgendwann auch wissen, was ich konkret wolle. Sie erklärte es ihm und er konnte auch nichts machen. Sie haben noch ein Guesthouse, sah ich jetzt auf seiner Jacke. Aber dann kam Virgilsfur zu Tür rein mit seiner roten Retterjacke. Er hätte gehört, er werde gebraucht und wolle helfen.

Fahrrad paßt hochkant hinein

Also mußte ihn ja jemand benachrichtigt haben. Die Taktik ging auf: Bedarf anmelden, abwarten, nicht nachbohren. Ich fragte ihn, ob er etwas dafür haben möchte. Nein, möchte er nicht. Aber er hatte gehört, ich würde 5.000 dafür zahlen. Ich sagte, zahlen sei ein großes Wort, aber unterstützen für die nächste Tankfüllung, das würde ich gern. So tastete ich mich durch und wir luden ein.

Ich sah die Straße und war zufrieden mit meiner Entscheidung

Nach 10 km wieder Asphalt und es ging eine schöne Strecke auch am Meer entlang. Der kleine schwache verrostete Samurai kämpfte sich durch den Wind und Virgilsfur hielt ihn auf Kurs.

Entlang der schroffen Küste

Er erzählte mir etwas über jedes verlassene Haus, das wir sahen. Bei einem hatte es vor zwei Jahren das Dach abgeweht. Er lachte sich kaputt. Ich verstand ihn kaum wegen der Aussprache, als hätte er Kartoffeln im Mund, versuchte aber zu folgen. Er kannte alles und jeden.

Er sagte, er hätte das Auto so gekauft und leider rostet es wie alle Japaner stark

OK, dachte ich. Die Matten auszuklopfen wäre ein Anfang. In Bakkafjördur wurden die Reste des Festivals bereinigt und die Dixitoiletten aufgeladen. Bis nächstes Jahr!

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Mein Zimmer – mal wieder am Ende der Welt

Die Wirtin Johanna war überrascht, daß ich schon eintraf. Tja, ich war tatsächlich früh dran. Aber das war auch gut aus einem anderen Grund. Gestern gab es Durchzug bei der Taufe, und obwohl ich mich schon in den letzten Winkel des Raumes gesetzt hatte, konnte ich mich nicht ganz fernhalten. Heute Nacht kratzte mir der Hals und ich griff zu meiner absolut sicheren Methode: Hochkonzentrierte warme Kochsalzlösung gurgeln bis kurz vorm – äh, erbrechen. Morgen würde es nochmal ein richtig langer Tag, wenn ich nicht wieder in ein Auto einstiege und da tut etwas Erholung ganz gut. Wenn man sich jeden Tag bei Wind und Wetter verausgabt, sinkt die Resistenz etwas.

Rhabarberkuchen mit Sahne!

Johanna teilte mit mir ihren selbstgemachten, warmen Rhabarberkuchen, sie erzählte von ihrem Beruf als Travelguide, den sie jedes Jahr in der kalten Saison in Reykjavik ausübt, bis sie für drei Monate im Sommer in dieses Haus zieht. Dann legte ich mich einfach ins Bett und schlief eine Runde. Ich fühlte mich heute wirklich wie am Weltende. Draußen tobte und fauchte der Wind, ich hatte die Heizung auf 5 und war trocken und sicher. Alles richtig gemacht.

Am Abend legte sich der Wind etwas (kurz vor 22 Uhr)
Andere Ansicbt, das Ladekabel meiner Sportuhr funktioniert nicht mehr.

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2 Gedanken zu “IS18 Svalbard nach Bakkafjördur

  1. Lieber Guido. Das hast du richtig gemacht. Bei derartigen Windgeschwindigkeiten eine Transporthilfe zu suchen und in Anspruch zu nehmen. Vielleicht legt der Wind sich und du kannst die letzten beiden Etappen wieder mit deinem Rad fahren.

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