DK01 Flensburg-Sonderburg-Svendborg-Rudkøbing

Mit Respekt ging ich heute Etappe 1 an und wollte doch aber erstmal noch kurz Flensburg ansehen.

Hochprozentiges in diesem schmalen Geschäft. Nix für mich, aber schön anzusehen.

Ich weiß natürlich nicht, was ich kaufen soll, denn ich hab ja alles. Immerhin mußte ich noch was auf die Post bringen, aber es gibt keine Post mehr, außer einen kleinen Laden Froschkönig, der auch eine gelbe Theke hat. Mein Sport ist es seit vielen Jahren, einen Aufkleber für unsere Koffer zu kaufen. Das wird von Jahr zu Jahr schwieriger, dabei sind diese Souvenirs äußerst langlebig und werbewirksam. Am Flughafen – ähh Bahnhof – werden die Koffer gern gemustert und die Menschen überlegen, ob sie alle Orte kennen zwischwn Hawai und Georgien.

Fachgeschäft mit gutem Handwerk: Fahnen-Fischer am Hafen.

Ich bekam meinen Flensburg- Aufkleber und holte mit dann noch 3 Flaggen als Schmuck am Rad: Danemark, Schweden, Finnland. Sie sind perfekt für Segler und langlebig bei Wind und Wetter.

Reporter des Dänischen TV

Mit Schwung ging es einen überraschend langen Anstieg hinauf und bis zu dänischen Grenze, wo sich ein Reporterteam fand. Ich hatte ein paar Leute überholt, die nach und nach eintrudelten. Sie wollten uns interviewen und stellten mehrmals die selbe Frage: Es gäbe heute Abend eine Sendung zur Europawahl und dies sei ja nun die Grenze, an der nicht ein Einziger kontrolliert würde. So kämen auch viele Kriminelle ins Land. Ich fand die Frage total albern und war wegen des Tourauftakts in Hochstimmung und also unter Drogen. So antwortete ich nur halbherzig und machte mich lustig mit den Worten: „Wir sind harmlos, wie meisten anderen auch“. Er – ich nenne ihn jetzt mal Morten, fand sich nicht damit ab und fragte erneut die anderen. Zwei waren aus Norwegen und also nicht in der EU und zwei aus Dänemark, Morten wollte sich dann nur noch auf dänisch unterhalten, ausgerechnet mit dem farbigen unter uns, weil es mit ihm als einzigen möglich war. Ich vermute bei der Frage Vorurteile zu Ausländern, als Nicht-Dän:innninnen. So verstand ich nicht was er sagte. Später überlegte ich selbst nochmal und hätte antworten sollen: „Viel weniger als 1% der Menschheit ist kriminell. Die anderen 99% anlaßlos serienmäßig zu kontrollieren halte ich für nicht verhältnismäßig. Schaltet Eure Computer an und Durchsicht das Netz. Das ist effektiver!“

Offenbar unterwegs auf dem Eurovelo 10

Na, jedenfalls klopften wir uns auf die Schulter und lachten die ganze Zeit. Sie fahren weiter Richtung Norden. Die Norweger wollen in Hirtshals auf die Fähre nach Kristiansand (N). Hirtshals kenne ich, war ich letztes Jahr im Abenteuer Island.

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Meine besten Videos in einem guten Film – so sehe ich Island!

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Auftakt Abenteuer Island Juni ‘23

In Dänemark kann man schon mal ein Stück fahren, bis wieder etwas spannendes passiert oder ein schönes Motiv lauert. Ich kam gut voran, Aber quatschte ich wieder irgendwo oder versuchte, mit der richtigen Kamera gute Bilder zu machen und so habe ich weiterhin eine miserablen Schnitt. Ich bin nicht im Wettkampf sondern im Abenteuer, denn nur so macht es Spaß.

Gråsten
Sønderborg

Ich brauche Leute, die mich fotografieren und bisher sind alle bereit dazu. Von der Brücke runter ist es immer ein gutes Motiv, denn ansonsten dafür zu flach.

Es ist so, wie man sich Dänemark vorstellt.

Es geht in Wellen auf und ab. Kurz bevor man nicht mehr kann, weil man zu schnell hinauf gefahren ist, kommt man oben an und dann geht es ja wieder runter. Beim Laufen heißt das Fahrtenspiel – eine Trainingsmethode. Aber wir trainieren nicht , auf keinen Fall! Es fährt sich gut in Dänemark. Die Radwege sind qualitätsmäßig zwischen Niederlande und Deutschland – gut zu fahren, wenig Glasscherben, viele rücksichtsvolle Autofahrer:innen, gelegentliche Unklarheiten, wo es weiter geht. Ich bin heute fast exakt die geplante Strecke gefahren.

In Fynshav (sprich Fühnshau) mit der Fähre nach Bøjden in 45 Minuten
Da hinten irgendwo landen wir an.

Mir fällt auf, daß ich nach 55 km bis zur Fähre nur noch 40 km bis Svendborg habe, wie kann das denn sein. Die Fährkilometer hat AllTrails mitgezählt und ich nachträglich kritiklos hinterdrein.

Sie machen den Radweg schön, aber hier ist es übertrieben. Alles schön in Rot mit Weiß, da paßt mein Rad gut dazu.

Ich ignorierte die Radwegbaustelle, wo es nur noch um Restarbeiten geht und fuhr auf dem neuen, noch nicht vom Lonalpolitiker eröffneten Radweg. Svendborg selbst hat eine Lastenraddichte wie Amsterdam, so scheint mir, was offenbar manchen Motorisierten nervös macht. Jedenfalls werde auch ich zweimal bei der Ortseinfahrt offen angefeindet (Scheibe runter gelassen und etwas gebrüllt) und angehupt. OK, ich kam mit der Beschilderung nicht zurecht und fuhr 500 m Schnellstraße bis zur nächsten Ausfahrt wieder raus. Das hat die Gräben zwischen Rad- und Autofahrern nicht gerade zugeschüttet.

Marktplatz , würde ich sagen

Ich war 2003 in Svendborg zur Europäischen Jonglierconvention EJC23, eine ganz tolle Sache! Daher rühren auch noch meine 225 Dänische Kronen, die ich jetzt dabei habe, falls Kartenzahlung nicht geht. Damals war ich jedes Jahr zur EJC und habe den Boom miterlebt, der etwa 10 Jahre anhielt. Nach der Parade in die Innenstadt haben 2500 Jongleure (damals wurde das genuine Maskulinum nicht diskutiert) auf diesem Platz hr Zeug gleichzeitig in die Lift geworfen, der „TossUp“. Ich warf damals auch drei Bälle und nicht mein geliebtes Einrad. Die Bälle liegen weiterhin zuhause bereit, ich benutze sie selten.

Schönstes Haus der Stadt, trotz Modegeschäft unten drin.

Svendborg war mir zu früh für den Feierabend. Ich beschäftigte mich wieder mit dem Aufkleber, um einen Sinn in meinen Stadtspaziergang zu kriegen, nix zu machen. Mir war das zu wenig heute, denn morgen kommt die erste Hammetappe nach Faxe. Da könnt ich doch heut schon ein Stück von fahren!

Nochmal andere Kirche in Svendborg

In einem Fotogeschäft machte ich einen letzten Versuch für den Aufkleber und kam mit dem Inhaber ins Gespräch, nennen wir ihn Birger. Seine Empfehlung, wenn ich weiter fahren wollte war Rudkøbing, da gäbe es also 20 km weiter auch Unterkünfte und etwas zu essen. Genau meine Kragenweite. Wir plauderten noch, den Birger fährt selbst viel Rad und zuckt nicht vor 150 km zurück.

The Road to Rudkøbing

So kam ich nach Langeland, was für ein Name – Programm!

Blick auf das ansehnliche Rudkøbing

Ich glaube ja, das in solchen Kleinstädten in der Saison auch viel los ist, aber im Moment ist es noch sehr einsam. Ich fuhr auf dem menschenleeren glatten Gehsteig, um dem Holperpflaster zu entkommen und wieder läßt einer im fahren die Scheibe runter und kackt mich an. Immerhin, er ist zu faul, auszusteigen. Ich hab ansonsten ja mein Rennrad für die Flucht. Hass und Hetze, da haben wir uns was eingebrockt mit den Algorithmen aus dem Silocon Valley. Und/oder vielleicht Corona (ganz ehrlich? keine Ahnung warum das so gekommen ist).

Die Stadt bot nicht viel offene Geschäfte, Bürgersteige hochgeklappt wie in Zeeland Ende November. Ein Burgerrestaurant hatte offen. Ich lehnte mein Rad an dessen Wand, sodaß der Sattel gerade so von innen zu sehen war, denn ich wollte ein Auge darauf haben (ein Fahrradschloß wäre unnützer Ballast). Ich trat ein und der bullige Inhaber kam auf mich zu, ich solle sofort mein Rad wegnehmen, zwei Straßen weiter gäbe es eine Parkmöglichkeit für Autos und Fahrräder. Ich war überrumpelt und entschuldigte mich mit dem Argument, es sei nicht wirklich etwas passiert und ob er nicht etwas zu essen hätte. Nein es sei geschlossen. Ich sagte noch: „zumindest für Radfahrer“. Die Straße weiter runter gab es dann ein verschrobenes Cafe mit unklarer Positionierung. Ich lehnte mein Rad vorsichtig an und bestellte das einzige Nudelgericht plus Apfelkuchen und Kaffee. Mit ihm war alles in Ordnung und ich verzehrte die eigenwillige Kombination.

Er hatte eine Sammlung mit über fünfzig Bildbänden zum Thema moderne Kunst mit viel Im- und Expressionismus. Das Nudelgericht hatte eine Ewigkeit gedauert und war dann kunstvoll mit 6 kurzen dünnen Stangen grünen Spargels und Hälften von Minitomaten angerichtet. Geschmacklich sehr gut, aber ich hätte für vier Personen bestellen sollen. Es paßte, sagen wir so, zu seinem künstlerischen Touch.

Ein Teil der Bücher

Übrigens war der Burgerladen weiterhin geöffnet und voller als vorher – natürlich!

Ich habe bisher vermieden, die Preise hier zu hinterfragen und auszurechnen, was das wohl in Euro sein mochte. Auch bei ihm gelang es mir noch. Aber nicht auf dem Campingplatz, wo ich während des Wartens auf das Abendbrot angerufen hatte.

Hörensemal, isch wollt die Hütte nich kaufen!

Die Inhaberin war sehr nett und sagte direkt, der Umrechnungskurs zum Euro sei 7,4 zu 1. nun ist es raus. Und damit steht auch der Preis der Hütte fest: 650 DKR inklusive zwei kleinen Dosen Carlsberg. Im Duschhaus 50 m weiter müßte man nicht extra bezahlen, betonte sie noch. Sie war damit günstiger, erinnerte mich doch aber sofort an die teuerste Unterkunft im Abenteuer Island. Die Hütte ist das selbe in grün!

Sie hat sogar einen Kühlschrank. Eine Heizung wäre mir lieber gewesen.

Sehr schön durch Südfynen

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4 Gedanken zu “DK01 Flensburg-Sonderburg-Svendborg-Rudkøbing

      1. Ja, wenn die sowas tendenziöses fragen, wäre ich auch überrumpelt und hätte nicht die richtige Antwort parat.

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