Es muß nicht immer gleich laufen, kann auch mal ganz anders. Ich stellte mich auf gut 100 km ein – 50 bis Norrköping auf der einen Seite des Bråviken und 50 km bis Nyköping auf der anderen.

Ich wunderte mich gestern schon, warum hier so wenig los ist, denn natürlich gab es weder im Hostel, noch im Ort Frühstück. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Noch eine Woche, dann wird es voll, sagten alle. Dann schwillt Arkösund auf ein Vielfaches seiner Einwohnerzahl von 172 (!) Menschen an.

Ich machte mich so früh, wie es ging auf die Socken. Aber die Schulter, auf die ich gestürzt bin, ist noch lahm, vor allem in Ruhe. Auf dem Rad geht es dann.

Es fuhr sich gut und ich trauerte den 32 km bis Husby, die ich schon hin geradelt war und in zurück mußte, nicht nach. Ich hatte ja gestern noch versucht, die Lage der Unterkunft in der äußersten Ecke des Sankt Anna Archipels für mich zu nutzen: Im Restaurant sprach ich mit einem Jan, der neben dem Hostel wohnt und mit seinem erwachsenen Sohn Jacob aß. Er hat ein Boot, könne mich aber nicht über die Bucht nach Öxelösund fahren, es müßte erst flott gemacht werden. Er hatte einen Freund Jonas, der würde das vielleicht für einige hundert Kronen machen, also vielleicht 60€ oder so. Das wäre es mir wert gewesen, als Ersatz für meine ausgefallene Postboot Tour. Aber daraus wurde leider dann doch nichts, schrieb er mir.

Nun fuhr ich 32 km bis Husby und sah einen Abzweig zu einer Fähre nach Jönåker. Es stellte sich heraus, daß ich abkürzen könnte, auch wenn ich dann Norrköping nicht zu sehen bekam (Metropole mit Flair, werben sie).

Es blieben noch 30 Minuten bis zur Abfahrt und ich konnte mir eine Schale Erdbeeren (55 SEK), einen frischen Kaffee und eine kleine Flasche Wasser kaufen, die gut in den Tunnel oberhalb des Rahmenrohres paßt. Sie ist der Ersatz für die verlorene rote Trinkflasche.

Die Harley-Fahrer freundeten sich mit dem Niederländer an, der als erster in der Warteschlange stand. Einer kam auch zu mir rüber und wollte wissen, woher, wohin, warum „und alles mit dem Rad?“ Ja, das konnte er sich nicht vorstellen und rauchte erstmal eine auf den Schreck. Alles nette Kerle.

Wir legten ab und es ging schnell. Es war kein Ersatz für die Bootsfahrten und es war kostenlos.

Und dann kam die Straße 18 km hoch nach Jönåker. Ich würde gänzlich ohne Stad auskommen heute, aber das wußte ich noch nicht.

Links und rechts gab es nur Wald. Der sah aus, als wenn hier gleich der Bär kommt. Ich hatte mir damals vor dem Abentwuer Baltikum viele Gedanken um den Bären gemacht. Einzige Hoffnung: sie sind scheu und die Blaubeeren sind noch nicht reif.

Oben angekommen hatte ich nach gut 50 km Hunger und sah einen kleinen Pizza-Grill. Da nistete ich mich ein. Es waren nur noch 15 km bis zum Ziel und ich kam nicht mal nach Nyköping , das Hostel gehörte zur Gemeinde, lag aber noch davor. Als ich Buch Erstellungen bearbeitet hatte und alles mögliche andere, was liegen geblieben war, fing es an, wie aus Eimern zu schütten. Wenn’s hier regnet, dann aber richtig. Das hatte ich gestern schon auf dem Weg vom Restaurant ins Hostel bemerkt. Da war ich komplett durch. Und nein, offenbar ist meine Regenjacke nicht wasserdicht, überhaupt nicht. Früher oder später würde es mich so erwischen. Heute konnte ich einfach warten, bis es vorbei war und im Trockenen erst Lebensmittel einkaufen und dann gemütlich zum Hostel radeln.
Da saß ich eine Stunde in der Sonne, bis die Verwalterin mit zwei guten Hunden eintraf. Kein Abenteuer, keine Sehenswürdigkeiten, einfach nur ankommen, duschen, essen machen und die Unterkünfte für die nächsten Tage planen und buchen. Das ist viel Arbeit!
Södermannland, ist das Bayern? Morgen gibt’s Bilder von Stockholm!

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