Das Deutschland-Ticket macht es möglich – weit reisen für wenig Geld. Aber es will gelernt sein.

Die leicht verspätete Abfahrt in Oslo wurde wieder rein geholt, nach anfänglichem Rollen, das sich auch bei großen, modernen Schiffen nicht vollständig unterdrücken läßt, lagen wir ruhig im Wasser und tuckerten nach Süden.

Die Radreisenden kommen mit extrem wenig Gepäck zurecht und so ist es ein leichtes, auf das Autodeck zu kommen, die Zurrgurte abzumachen und aufzusatteln. Wir unterhielten uns untereinander. Zwei Feunde aus Studienzeiten in Mainz mit sehr schmaler Ausrüstung und Canyon- Rädern aus Carbon, Jens aus Freising, ein Mann aus Münster und ich. Mal wieder wurden wir vorgelassen und rollten mit aus erste aus dem Hafengelände. Außer ich, waren alle zu früh. Denn ich nahm natürlich die nächst mögliche Regionalbahn, den RE 7 nach Hamburg Hbf.

Es war der Auftakt für das spannende Spiel, schaff ich die nächste oder nicht. Mit dem Rad 12 kg und Gepäck 13 kg bin ich gerade so leicht genug, notfalls auch im Laufschritt das Gleis zu wechseln.

Das erste Mal war es nicht in Hamburg, dann aber schon in Bremen erforderlich.

So ging es dann weiter, es war kaum zu schaffen, aber ich spurtete in Osnabrück, (außerplanmäßig in Münster, weil ich halt mein Rad am anderen Ende korrekt in das Fahrradabteil stellen sollte, was dann richtig voll war), dann eigentlich Duisburg (aber der Anschluss war erst schon weg, dann stellte sich heraus, er fährt noch viel später als geplant und am Ziel sah ich, er war ganz ausgefallen), dann Düsseldorf, dann Köln. Ich habe lange geübt, um das einigermaßen variabel zu spielen.

Es ist in meinen Augen tatsächlich ein Spiel bestehend aus Beobachtung, Taktik, Glück und Strategie mit dem Fahrplan und der Realität. Man muß es mögen, sonst geht es nicht. Ich nahm alles gelassen, weil ich so viel schönes erlebt hatte. Im stressigen Alltag früherer Jahre bin ich dann schon mal ausgerastet.

Ich bin zurück in Deutschland, hatte mich einzustellen auf Probleme, die wahrscheinlich überall auftreten, wo viele, viele Menschen wohnen. Damit meine ich nicht nur die Bahn. Alles was auf mich einströmt, ist eine völlig andere Gesellschaft als im Norden Europas. Erst recht im einsamen Norden des Nordens. Aber hier lebe ich, sehr gerne sogar und genieße dafür auch die Vorteile, die der Lebensstil in Mitteleuropa mit sich bringt. Beim Fenster gucken fiel mir noch ein: Was wir haben, gibt es in Norwegen mancherorts zu wenig und umgekehrt.

Die Abwechslung macht das Glück aus. Immer nur am Fjord sitzen und angeln, wäre wahrscheinlich auch nix, immer nur auf den kurzen Sommer warten , erst recht nix. Nun bin ich wieder zuhause und kann mein Glück kaum fassen, eine so tolle Reise erlebt zu haben!


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