IS12 Blönduos – Varmahlid

Heute hatte ich die Bedingungen, die ich mir von Anfang an für Island ausgemalt hatte: Kälte, Wind, Nebel, Höhenmeter und nur eine Stelle zum rasten. Aber ich habe sie gemeistert.

Der süße Hofhund

Ich glaube daran, daß man schon morgens, noch im Halbschlaf merkt, wie es laufen wird. Auf den frühen Vogel zu setzen, der den Wurm fängt, ist oft der erste Schritt in die falsche Richtung.

Die Felsen von gestern in umgekehrter Reihenfolge

Ich suchte mein Nutellaglas, suchte anderes, hatte nasse Radschuhe (eine Reiterin hatte ihre Stiefel darauf abgestellt, aus denen das Wasser tropfte), ich mußte zurück fahren, weil ich meine Trinkflasche stehen gelassen hatte, ich mußte extrem vorsichtig auf dem Schotter fahren, weil ich immer noch nicht mehr Luft auf den Reifen hatte. Und so weiter.

Es blieb nicht lange trocken

Da war der zottelige Hofhund eine echte Freude. Er mag mich und ich ihn. Aber ich mußte los. Bis nach Blönduos zog es sich gewaltig, ich hatte 19 km im Kopf aber es waren 29 bis zur Tankstelle. Dann wurde es besser, denn ich traf Bob und Tom.

Die beiden hatte ich am Tag 3 auch schon gesehen, aber nur gewunken

Sie kamen entgegen des Uhrzeigersinns von Norden runter. Ich wunderte mich noch, sie jetzt schon wieder zu sehen, aber sie hatten ein paar Etappen mit dem Bus übersprungen. Fahrradmitnahme geht, wenn man dem Fahrer gut zuredete.

An den gelben Boxen habe ich sie wieder erkannt (facebook- Bild)

Ich hatte mit anderen über die beiden gesprochen, weil sie eine Art Kühlboxen mit sich herum fuhren. Nun traf ich sie leibhaftig! Beide sind über 70, kommen aus Maryland (Nähe Washington DC), ich fragte Bob, der draußen an seinem Rad herum werkelte, welche Ventile er hat und ob er so einen Adapter für den Kompressor hätte. Hatte er und reichte mir zur Begrüßung seine Pranke. Ein Kerl wie ein Baum, genau wie Tom der drinnen saß und aß. Wir tauschten uns aus über die Routen und Equipment. Die Behälter sind Catlitterboxen also für Katzenstreu. Sie fallen auf und sind stabil und geräumig. Die Autos machen deshalb einen Bogen um sie. Ist auch eine Strategie. Bob schenkte mir den Adapter, was absolut großzügig ist. Ein Pfennigartikel, der mich hier rettete. Ich hatte am Morgen mein Gepäck auf den Kopf gestellt, aber auch diesen Adapter nicht wieder gefunden.

Entlang des Tales der Blanda

Wir klopften uns auf die Schulter, denn ich hatte noch 60 km. Sie blieben hier auf dem Campingplatz. Die Reifen hatten nun nach zwei Tagen endlich den richtigen Druck. Stephan aus Hamburg hatte recherchiert: Nicht bis max 3,5 Bar, wie ich dachte, sondern bis 5 Bar darf ich aufpumpen, und dann gibt es auch auf Schotter keine Durchschläge, die zum doppelseitigen Platten führten, den sogenannten Snakebites. ich hatte ohne Brille einfach die Schrift auf den Reifen falsch interpretiert. Letztendlich war mein Platten vor drei Tagen die Folge der eigenen Blödheit. Jetzt an der Tanke in Blönduos: der regelbare schwarze Schlauch hatte einen total ausgegnaddelten Kopf, damit ließ sich nichts aufpumpen. Der grüne Schlauch war irgendwie mit dem Gerät verbunden, aber nicht steuerbar. So pumpte ich einfach auf und dann war der Reifen ordentlich stramm. Hoffentlich nicht zu stark, aber dann wäre er ja geplatzt. Man kann ihn mit aller Kraft noch minimal drücken. Also nicht steinhart wie bei 8 Bar, aber wesentlich strammer als vorher. Gut so. Es rollte sich auch leichter. Diese Eigenschaft würde ich heute noch brauchen!

Tal der Blanda mit Kirche

Am Ausgang dieses Tales ging es ewig eine Rampe hoch. Eigentlich schade, denn nach ziemlichem Gegenwind auf den ersten 30 km war ich nun sachte bergan mit wenig Wind gefahren. Der kam quer oben über den Gipfeln.

Erstmal wieder Pferde in der Natur fotografieren

Die Rampe zog sich und oben wurde es ungemütlich. Der Wind pfiff über den Kamm und ich steckte nun im Nebel, der schon den ganzen Tag die Höhen eingehüllt hatte. Es regnete und war kalt. Von Blöndous waren es 50 km bis Varmalid, davon hatte ich jetzt noch zwanzig bei diesen Bedingungen.

Eingeschränkte Sicht

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Schon im Tal hatte ich wegen des Dauerregens Front- und Hecklicht angemacht, aber jetzt im Nebel war das total wichtig! Trotzdem überholten einige Autos sehr gefährlich. Ich hatte die Autofahrer auch mit Bob und Tom erwähnt , die fanden das Verhalten auch unterirdisch, aber die beiden sind halt die Ruhe selbst. Wenn ich bedenke, daß ich wegen der Dauerhelligkekt erst gar kein Licht mitnehmen wollte…

Auch für Autos nicht ungefährliche Strecke!

Ich trat und trat im dichten Nebel und es ging immer weiter hoch. Irgendwie dachte ich, oben sei Schluß, aber wenn man immer nur 100 Meter sieht, wo ist dann oben? Es wurde kälter und zum ersten Mal fror ich richtig . Das war das Wetter, das ich mir ausgemalt hatte. Hart, aber beherrschbar. Bevor meine Finger ganz abstarben, checkte ich mal die Höhe: schon über 400 m. Zuhause wohnen wir auch auf knapp 400 m, aber im Sonnenschein. Hier war es wie beim Brockenlauf damals: eisig!

Immer weiter immer weiter!

Eigentlich war es cool, daß ich dazu in der Lage war. Aber ich hätte längst durch sein müssen, denn nach einer Hochebene ging es langsam wieder runter. Aber die Költe und der Nebel und der Wind blieben, da rollte es sich nicht halb so schön wie sonst ins Tal.

Das erstbeste Schild im Tal

Der Nebel hing bis fast runter nach Varmalid, wo es endlich die ersehnte Tankstelle und was zum Aufwärmen gab. Hinterher fühlt man sich wie ein Recke. Geschafft, obwohl nach dem Einkaufen, Essen und Kaffetrinken noch 9 km is zur Unterkunft zufahren waren.

Es werden noch schwierigere Rampen kommen!

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2 Gedanken zu “IS12 Blönduos – Varmahlid

  1. Dann hattest du, lieber Guido , auf der 12. Etappe das richtige Islandwetter. Ich glaube das wäre nicht so wirklich was für mich. Mit den max 6 Bar hat der Hamburger recht. Zwischen 4,5 und 5 Bar habe ich auf dem Hinterrad und Vprne 4. Da hattest du ja Glück mit der Behegnung von Bob und Tom. Ich finde der links auf dem Bild hat etwas Ähnlichkeit mit mir. So fährt mein Doppelgänger die Islandtour für mich.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf deiner Abenteuertour.

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    1. Erst dachte ich Du seist es und hastig einem eBike ein bischen Gas gegeben, um mich zu treffen. Aber da war dann kein LKW, der die Ersatzakkus transportiert hatte…

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