IS17 Skjalftavatn nach Svalbard

In der Warft des Öxarfjördur, wo ich startete, blies nur ein schwacher Wind und ich wollte schnell ein paar Kilometer machen. Denn heute ging es wieder weiter als gestern. Sogar die Tankstelle bei km 12 ließ ich links (oder war es rechts) liegen. Es war eindeutig zu früh für einen Kaffeestop.

Teil der Asbyrgi Schlucht

Dann aber sah ich beim zurückschauen diese Felsenwand – des Auslauf einer Schlucht. Vorher hatte ich zwar ein Schild gesehen Vatnajokulsthjogadur Nationalpark. Aber was sollte der weit entfernte Vatnajokull hier mit der Gegend zu tun haben. Ich drehte also um und fuhr in die Seitenstraße immer weiter hinein in diese hufeisenförmige Felsformation. Das war schon beeindruckend, vor allem, als ich die Hufeisenform erkannte. In der Mitte erkannte ich den Nachbau der Elbphilharmonie!

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Die Elphi auf Isländisch

Aber halt, diese Steine sind mindestens 5000 Jahre alt, da gab es die Elphi, glaube ich, noch nicht. Also wenn überhaupt ist der Nachbau dieses Felsens in Hamburg auf den Kaispeicher A gesetzt worden.

Es gibt verschiedene Erklärungen, wie die Felsen entstanden sein könnten.

War sie nicht übernatürlich oder göttlich? Der Unternehmer und Dichter Einar Benediktsson unterhielt den Mythos, dass Asbyrgis charakteristische Hufeisenform entstand, als Sleipnir, Odins fliegendes Pferd, mit einem seiner acht Hufe den Boden berührte. Seit Ende des 19. Jahrhunderts geht man davon aus, daß Abflüsse des Vatnajokull Gletschers bis hier her in die Jökulsá-Schlucht geführt haben und es eine Kombination aus Absenkung der Schlucht und Ausspülung war.

Islandkarte mit allerlei Fabelwesen aus dem 16. Jahrhundert (Aus dem Buch „Islenskur Sögu Atlas“ IDUNN, Reykjavik 1991)

Nachdem ich bald eine Stunde mit spazieren und Fotografieren zugebracht hatte, ging ich dann doch noch auf einen Kaffee in die Tankstelle und traf da Matilda aus Stockholm. Sie macht ihre erste richtig große Radtour, begann in Husavik, dann bei Raufarhöfn an den nördlichsten Punkt des Festlandes. Sie will nun quer durchs Binnenland vor allem über Schotterstrecken bis an den südlichsten Punkt nach Vik fahren. Sie ist bestens ausgerüstet mit ihrem Mountainbike, verzichtet wie ich auf große Packtaschen hinten und hat sich ihre Rahmentasche aus Luftmatratzenmaterial selbst genäht. Ich hätte das nicht gedacht: Diese schmächtige Person ist gestern mit dem schwer bepackten Rad 120 km gefahren und hat vorher schon ein paar Inlandstouren in Schweden gemacht. Alle Achtung! Leider haben wir vergessen, ein Foto zu machen.

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Brücke über die Jökulsa

Dann aber ging es wirklich voran, denn mit Rückenwind nach Norden konnte ich einiges wieder wett machen.

Es gab nun wieder Gebirge

Ich wollte nach Kopasker in einen kleinen Lebensmittelladen und heute war Samstag. Danach kam nichts mehr bis zu meiner Unterkunft.

Nochmal der Öxarfjördur (Am Horizont rechts ist die Spitze, an der das Museum von Adalgeir liegt, wo ich gestern war). Sorry, Bild ist schief.

Bis Kopasker gab es wenig zu sehen. Links das Meer und rechts das Gebirge. Die Steigungen waren nicht zu arg, aber die Vögel nervten. Anhand der Kotdichte auf der Straße konnte ich schätzen, daß es nur noch eine Frage kurzer Zeit war, bis ich was abbekam. Ein Paradies für Naturfreunde!

In Kopasker gab es nichts zu sehen außer dieses Schiff. Wie mag das erst im Winter sein?

Ich hatte wenig Auswahl aber es gab Eis und Kaffee. Das ist guter Brennstoff. Weil es mir während der Fahrt nie gelingt, habe ich jetzt mal im Stehen ein typisches Fahrzeug fotografiert – eher die Miniausführung.

Damit kommt man auch weiter, wenn die ersten Flocken fallen

Leider lag der Ort nicht an der Abzweigung sondern 4 km weiter hinten. Das bedeutete 8 km mehr, die Hälfte davon Gegenwind. Ja, man muß rechnen.

Lava gut sichtbar

Die 35 km Querverbindung zum anderen Fjord boten erstmal absolut nichts. Es war eine karge flache Hochebene, wo der Seitenwind gut Schwung holen konnte. Matilda hatte davon geschwärmt, das sei so toll. OK, das ist Ansichtssache.

Dann ging es nach Süden und ich hoffte auf Windschatten

Viel Landschaft und Gegenwind. Es wurde eine kleine Ewigkeit, bis ich die vielen Hügelketten hinunter bis ans Meer überwunden hatte und jetzt war es so, wie man mir auf der Radmesse in Bonn erzählt hatte: ich mußte bergab stramm treten, um nicht rückwärts wieder hoch gedrückt zu werden. Mal ganz zu schweigen, wenn es dann auch wirklich hoch ging.

Der Sonnenschein trügt

Auf den letzten 45 km konnte ich alle Events an einer Hand abzählen: vier Autos, drei Häuser, fünf Buchten und drei Funkmasten. es gab absolut nichts. Erstaunlich, daß es die Straße überhaupt gab. Ich fuhr dann noch ein Stück zu weit, weil es für das Guesthouse nicht mal ein Schild gab. Ich fuhr schräg auf einer derart schlechten Schotterstraße bis zum Ziel, daß ich mich einmal beinahe und einmal ein richtig hinlegte. Viele spitze Brocken und dazwischen weicher abgrundtiefer Kiesschotter. Dann kamen vier Schilder aber auf keinem stand etwas, das sich mit meiner Unterkunft in Verbindung bringen ließ. Das war überhaupt nichts für mich.

Das Museum für spezielle Schafsrassen ist nicht überfüllt

Ich betrat das wahrscheinlichere der beiden Gebäude und blickte auf eine Grossfamilie, die einen bedrückten Eindruck machte. War ich in eine Beerdigung geraten? Ich fragte nach dem Guesthouse. Nein, das gäbe es hier nicht, ich solle in dem anderen Haus fragen, vielleicht wüßte der Mann dort was. 95 km strampeln und dann am Ende kein Schild und kein Gasthaus, das durfte nicht sein.

Meine Unterkunft

Ich ging in das andere Gebäude und ein freundlicher Herr sagte, das Guesthouse sei das andere. Ja, aber die sagten es sei dies hier. Ich mußte mich beherrschen. Er sagte, ja, aber das wissen die nicht. Es sei dort eine Taufe zu feiern aber ich könne sehr wohl dort meine gebuchte Übernachtung antreten. Immerhin, ein Lichtblick. Er führte nicht nur die Unterkunft sondern auch ein Museum mit Schafsgeraffel.

Wir gingen zusammen rüber und er sprach mit den Leuten. Es war so eine Art Gemeindezentrum, Saal, ehemalige Schule, staatliche Fortbildungsstätte und vielleicht auch Turnhalle. Na jedenfalls zeigt er mir mein Zimmer, ich lächelte die Leute verlegen an und stellte mein Rad in einer Rumpelkammer ab.

Ich mußte mehrmals durch den Feierraum um zu duschen und meine Sachen zu holen. Ich sah ein reich gedecktes Büffet und in der angrenzenden Küche wurde an weiteren Auflauf- und Kuchenformen gearbeitet. Was hatte ich Hunger! Mit der Aussicht auf meine Trocken-Bergsteigernahrung, die ich für die einsamen Gegenden von Beginn an mitgeschleppt hatte, konnte ich leben, aber vielleicht würden sie mir ja etwas abgeben? Es war zwar nicht unbedingt eine Hochzeitsstimmung wie auf dem Balkan, aber die Einheimischen kennenlernen und sich den Bauch vollschlagen, das fehlte mir noch in meinem Abenteuer Island.

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Ich drückte mich eine Weile in der Küche herum, als wollte ich mir einen Kaffee kochen, und sie hatten in den Schränken auch einen uralten Rest von Nescafé, aber sie bissen nicht an. Ich fragte nach Zucker und es gab einen über mehrere Winter fest gewordenen braunen Block. Die Großmutter der Familie konnte etwas deutsch aus der Schule. Eine ehrgeizige Lehrerin aus der DDR hatte ihr das beigebracht. Immerhin ein kommunikativer Anfang. Die Männer rauchten draußen und als ich mich dazu gesellte, ignorierten sie mich.

Das ist vielleicht die falsche Deutung. Sie ließen mich in Ruhe, trifft es schon eher. Zurück in der Küche wurde schon das Geschirr zusammen geräumt und die Reste in einen Eimer gekratzt. Jetzt war ein ganz entscheidender Punkt erreicht. Und endlich, eine der Frauen erbarmte sich und bot mir an, von dem Lamm zu kosten. Ich versuchte schüchtern einzuwilligen und aß dann zwei große Teller mit Lamm, einer Sahnesoße und Kartoffeln, wie ich sie immer machte (im Stück mit Pelle). Köstlich. Ich drückte mich auf einen Stuhl in der Ecke des Raumes. Einige nickten mir zu. Das war das „hey, von wo kommst Du denn her, Du alte Arschkrampe“ auf isländisch. Ich war gerettet und verzog mich in das Zimmer. Ich versuchte, nicht länger an den Kuchen zu denken und legte mich erstmal ab. Mehr Geselligkeit ging einfach nicht.

Härter als es aussieht
Morgen auch wieder so eine Tour im Nordwesten

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8 Gedanken zu “IS17 Skjalftavatn nach Svalbard

  1. Hallo Guido ich komme jetzt 2,42 Uhr vom 50.Geburtstag. einfach herzerfrischend noch deine Tagestour zu lesen. Habe so davon geschwärmt und schon die nächsten gefunden, die nächstes Jahr ähnliches vorhaben, wie wir. Ich fürchte, sie werden noch Unterkünfte bauen müssen.
    Weiterhin eine schöne Zeit.
    Silvio

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  2. Die Felsformation erinnert tatsächlich an die Elphi. In vielen anderen Länder würdest du von der Feieigeselschaft als Gast eingeladen. Das waren wohl richtige sture Eisblöcke. Ich wünsche dir lieber Guido auf deinen letzten Etappen netter und aufgeschlossener Inselbewohner.

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  3. Kann mir schon vorstellen, dass die Isländer auf ihrer kargen Insel nicht freigiebig sind. Die haben ja nix. Über Generationen weitergegebener Futterneid, Soziogenese Hilfsbegriff. Und dann kommst Du …

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  4. Wenn sie weggehen, verpassen die was. Selber schuld.

    Vielleicht war das so ne Art Shotgun-Wedding auf isländisch, deshalb die prickelnde Stimmung. Vielleicht hast Du die aber auch bei irgend einem dunklen Wikinger-Ritual gestört. Oder, Mentalität halt: die gehen zum Lachen sowieso immer in den Keller.

    Schön mit der Islandelphi. Haben die Architekten aber ordentlich abgekupfert. (Schick mal an den Spiegel: „Guido Lange, investigativer Journalist aus Neadasch enthüllt …“)

    Sonnige Grüße aus HH, munter bleiben
    St.

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