Vom Hostel am Flughafen Vantaa zur Fähre in Vuossari ist es nicht weit. Angeblich nur 17 km, aber es wurden dann doch 28.

Ich kam gut in die Puschen und aß alles, was weg mußte. Das Packen hatte ich in zwei Tagen nicht verlernt und tat so, also als würde ich heute zu einer Etappe aufbrechen. Es ist nie verkehrt, alles kompakt und fest am Rad zu haben, wer weiß, wie tief das nächste Schlagloch, wie hoch der nächste Rollboard ist.

In der Lobby traf ich Heather aus Colorado, die seit zwei Jahren mit einem Rucksack um die Welt reist und für die Geld offenbar einfach aus dem Automaten kommt. Sie machte Heliskiing, Riverrafting, Highclimbing, Walewatching und so weiter. Als nächstes fliegt sie nach Kroatien weiter. Und Adam aus Polen traf ich, der gestern aus Brüssel kam und mit seinem Mietwagen heute in den Norden fährt zu einem Radrennen – 300 km in 16 Stunden Zeitlimt. So sind wir alle auf unsere Weise unterwegs.

Die Radwege sind gut, die Ausschilderung ist beinahe exzellent, aber die Auf-und Abfahrten und Übergänge sind oft zu grob. Es muß alles mit Granitbordsteinen befestigt sein, damit der Winterdienst Eis und Schnee mit robustem Gerät räumen kann. Wir ahnen nicht, wie es im Winter hier zugeht – jetzt, wo alles blüht, duftet und die Sonne scheint.

Ich folgte erstmal der Ausschilderung in die Stadt. Das ging bis zu einer Großbaustelle gut. Ich ortete mich mit Google und landete prompt in einem Waldstück. Faszinierend, die Natur immer so dicht dabei zuhaben. Zuhause wohnen wir auch keine 200 m vom Wald weg, aber hier in der Stadt – es ist gut fürs Mikroklima.

Nachdem ich meine Route konkret bis zum Hafen gefunden hatte und noch schnell was kaufen wollte, stelle ich fest, wow weit es noch ist. Aber ich war rechtzeitig: 90 Minuten zum Einsteigen mußten reichen.

Wir wurden von einem Fahrzeug in den Schiffsrumpf eskortiert und hatten alle seit dem CheckIn unsere Warnwesten an. Vorschrift! So eine hätte ich vielleicht auch auf dem Highway in Schweden tragen sollen, damit leuchtet man wie eine Fackel.

Wir banden unsere Räder an einen Fahrradständer. Ich brauchte wenig Platz und half anderen, sich mit an „meinen Bügel“ fest zu machen. Aber es gab auch Menschen, die partout nicht ihre Packtadchen abmachen wollten, damit für alle Platz ist. Ein sicheres Zeichen, sich meinem Heimatland anzunähern.

Ich wußte nicht mehr, was ich gebucht hatte, deshalb auch der Getränkekauf. So war ich angenehm überrascht, eine Doppelkabine und auch das Mahlzeitenpaket „Adult“ zu haben. Mein Zellengenosse Io aus Rumänien, Elektroingenieur in einer Finnischen Firma, traf eine halbe Stunde nach mir ein. Wir vertrugen uns, auch wenn wir betreffs Putins Krieg entgegen gesetzter Meinung waren. Er teilte praktisch die Inhalte der russischen Staatsmedien und war auch ein Fan des damaligen rumänischen Diktators Ceausescu. Der hätte den Beitritt Rumäniens zur EU bereits vorbereitet und die EU ist Schuld daran, daß das praktisch korruptionsfreie Rumänien noch nicht Mitglied im Schengenraum ist. Ich konnte ihn nicht bekehren, auch mit so einfachen Argumenten, daß man nicht sein Nachbarland überfällt und massenhaft Zivilbevölkerung hinrichtet. Wir sind doch alle Menschen!

Wir legten ab und ich knipste, was sich anbot. Die Qualität der Bilder kann ich sowieso erst zuhause beurteilen.
Ein paar Bilder von früher zeigen Helsinki besser, als ich das diesmal konnte. Der Dom zum Beispiel war eingerüstet.



Der Beitrag vom Abreisetag 2017
Mein Beitrag von der Überfahrt 2017 findet sich hier.
Vor dem Essen ging es in die Sauna. Da saß ich mit einem Trucker und zwei finnischen Motorbikern zusammen. Sie Ma geb jedes Jahr eine Tour durch Mitteleuropa und lieben insbesondere den deutschsprachigen Raum. Es war sehr unterhaltsam, Deutschland aus ihrer Sicht zu erleben, während sie immer wieder aufgossen. Besser als frieren, meinten sie.

Die Fahrt verlief extrem ruhig, die See war spiegelglatt und es ergab sich draußen immer das gleiche Bild: Blau getrennt durch die Linie am Horizont Himmel und Meer. Den Abend verbrachte ich im Bett vor deutschen Fernsehen als Woedereingliederungsmaßnahme. Es hat sich nichts verändert seit meiner Abreise.

Frühstücksbüffet, angenehme Unterhaltung mit zwei Radlerinnen aus Frankfurt, die mit der Fähre ab Kiel nach Göteborg und dann mit dem Rad über Stockholm und die Åland Inseln und Turku bis nach Helsinki gefahren sind. Weitestgehend folgten sie dem Eurovelo 10. Dann nochmal Sauna und Abendbuffet. 21.00 werden wir in Lübeck Travemünde einlaufen, und falls der Regionalzug nach Hamburg nicht fährt, könnte ich die 115 km durch die Nacht mit dem Rad fahren. Denn ich bin schon wieder gut erholt von meinem Abenteuer Skandinavien. Mit vollem Herz und freiem Kopf komme ich zurück in meinen Alltag und freue mich drauf!

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