Heute wäre ich früher dran gewesen, aber dann fiel mir ein, ob ich nicht noch einen Aufkleber für meinen Koffer kaufen könnte. Das ist eins meiner Hobbies. Sie schickten mich von Pontius zu Pilatus und immer diagonal durch die Innenstadt. Dann gab ich auf, es war 11 Uhr und ich fuhr ein letztes Mal durch die Stadt.

Bei der Fahrt entlang der Häfen brauchte ich starke Nerven, denn um mich herum nur laute Trucks, die ihr Zeug abholen oder bringen wollten. Dagegen waren die Spielereien mit Wohnmobilen und anderen Autos auf den Landstraßen Kinderkarussell.

Es hatte aber auch was, gemeinsam mit denen auf den Pont de Normandie zu zurollen. Sie gaben mir Windschatten und die Erinnerung, daß dieser ganze Scheiß aus dem Versandhandel irgend woher kommen muß.

Auf die Brücke war ich schon gespannt, vor allem, wie sie das für die Radfahrer gestaltet haben.

Es ist landestypisch gelöst, Treppen hoch bis auf die Fahrbahn und dann ein knapper Meter breiter Radweg – nichts weiter.

Von oben sieht man, wie breit die Seine ist, bei Ebbe, wie breit sie wäre.

Und dann beginnt wieder ein neues Departement.

———————————————————————————————————
ACHTUNG: Nur kurz Werbung für mein Buch: Wer sich und seinen Lauf- und Reise- oder Abenteuerfreunden etwas gutes tun will, holt sich hier das Buch, eBook oder Audiobuch ‚Abenteuer Baltikum‘ – auch auf englisch erhältlich ‚Baltic Adventure‘ http://ampelpublishing.de

Gleich rechts hinter der Brücke liegt Honfleur. Der Gegensatz zu Le Havre konnte nicht größer sein.

Das meinten die Radler mit „Fleur“, mit denen ich mich in Dieppe über meine Tour unterhalten hatte. Es sei so schön, so schön, so schön. Man käme über die Brücke und dann. Ich hatte darauf achten wollen, aber jedes zweite Kaff hat den Titel Ville fleuri oder Village fleuri – eine Art Prädikat, daß der / die Bürgermeister:in es nicht schlecht gemacht hat und es ganz schön ist.

Honfleur ist, wenn man so will, eine Naturschönheit. Da braucht es nicht viel Arbeit, das ist einfach so.

Dann kam ich immer entlang des Hochufers und sah nochmal die Häfen von Le Havre.

Die Fahrt war herrlich auf der schmalen D514, immer auf und ab, aber nicht zu steil, und durch die Büsche und Bäume schimmerte rechts das Meer.

Bei gut 40 km ging es mal wieder runter, aber so richtig. Und es erschien der mondäne Badeort Dauville.

Die Stadt mit mehreren Casinos und Grandhotels wirkte auf mich nicht besonders einladend. Es ist halt noch Vorsaison und außerdem war (endlich) trübes, kühles Wetter.

Ein Dorf weiter machte ich drei Versuche, mich in diesem Fenster bei voller Fahrt zu fotografieren.

Als Ziel habe ich mir Arromanches des Bains überlegt. Danach kommt eine längere Naturküste und die Straße geht wieder über Land. Das nächste ist danach – also morgen – Omaha Beach. Das wollte ich aber heute nicht, weil sicher viele Touristen dort sind und die Preise hoch.

Vorher hatte ich schon Hinweise gesehen auf „Junobeach“. Ich finde das Gedenken ja gut und wichtig. Immerhin, wenn auch spät, haben sich Amerikaner und Briten geopfert und zur Eröffnung der Westfront mit der Landung in der Normandie am D-Day 6. Juni 1944 entschlossen. Das war der Anfang vom Ende des Deutschen Reiches, das die halbe Welt unterjochen wollte und endlich 11 Monate später zur Kapitulation gezwungen wurde.

Grenzwertig finde ich Souvenirshops mit allerlei Militaria und Erlebnisfahrten mit „Original-Jeeps“. Davon werde ich in den nächsten Tagen noch einiges sehen.

Die Stadt unten ist nicht so mondän, wie der Nachname „Les Bains“ vermuten läßt.

Mein Zimmer kostet über 100€ heute (das preiswerteste am Ort), aber es ist auch das bisher schönste.

Knapp 110 interessante Kilometer

#rotterdambretagne #normandie #frankreich #visiteurope #radreise #ampelpublishing #guidolange