Ab Juni geht es für gut zwei Wochen auf eine Trekkingtour nach Hornstradir – der entlegensten Ecke Islands. Seit 1962 unbewohnt und nur wenige Kilometer südlich des Polarkreises gelegen ist Hornstrandir eine der letzten Wildnisse Europas.



Was erstmal nach einer normalen touristischen Karte aussieht, täuscht darüber hinweg, daß dort nichts ist. Nichts, außer grandioser Landschaft (die violetten Sterne sind solche Highlights), Wiesen, auf denen es erlaubt ist, ein Zelt aufzustellen (schwarze Zelte) und 3-4 Anlegestellen wo -bei gutem Wetter – 1x die Woche ein Schiff kommt. Also eigentlich gibt es außer sensationeller Landschaft, die meisten Polarfüchse und einmaliger Fauna – keine Struktur für Menschen. Doch: Es gibt noch Shelter für Notrettung von Leuten, die keinen Ausweg mehr finden, als sich in eine Plastikkapsel zubegeben, die das Wetter wieder besser wird.

Wir rechnen mit dem schlechtesten Wetter, das man sich vorstellen kann: waagerechter Regen und Sturm, selten trocken und ganz selten sonnig, nie Wärme in irgendeiner Form. Wir, das sind der Jaap und ich. Seit der Fähre nach Seydisfjördur im Juni‘23 sind wir Freunde und waren auch schon gemeinsam Wandern – im Hveragerdi Park und hier bei uns an der Mosel.

Warum also dorthin? Es ist mal wieder ein sehr intensives Stück Leben, es ist Intensität des Abenteuers draußen und Abenteuer in mir drin. Ich will Intensität- nicht immer aber immer wieder mal.

Zur Vorbereitung zählt die Beschaffung (Lebensmittel für 2 hungrige Wanderer für zwei Wochen), Rucksack, Klamotten, Trekkingstöcke, wasserdichte Kamera, wintertauglicher Schlafsack und noch einiges mehr. Da kommen schnell mehr als 1000€ Kosten zusammen. Trost dabei: unterwegs kann man dann kein Geld ausgeben, nicht mal im Netz, denn Mobilfunk kommt dort auch nicht hin.

Jeder von uns hat 20 Kilogramm zu tragen, haben wir ausgerechnet, und das ist eigentlich zuviel. vielleicht kommen wir irgendwie auf 18 Kilo runter, aber das glaube ich nicht. Auch hier wieder ein Trost: Mein Rucksack wird mit dem Verzehr der Lebensmittel jeden Tag 600g leichter…

Nun muss ich Wandern üben. Die erste Tour ist insgesamt erfolgreich, aber nicht ohne Komplikationen.

Erstmal muss ich 6 km nach Boppard-Buchholz. Gegenüber vom Bahnhof ist der Einstieg in das Ehrbachtal. Vorher kurzer Stop beim „Brotgarten“ für eine Nussecke und eine Limonade. Der Rucksack lastet schwer auf den Schultern und ich versuche, mich nicht zu verrenken, wenn ich in ab- oder aufsetze.

Es geht heute fast nur Abwärts, aber besonders das will gelernt sein! Am Wasserfall bei km 11 spühre ich, daß sich unter dem linken Absatz eine Blase bildet. Das kann noch heiter werden, denn wenn es perfekt läuft, will ich heute 30 km mit 20 kg Gepäck wandern.

Ich muss mehrfach kurz pausieren, aber das ergibt sich schon durch die Fotostops

Es ist ein wunderschönes Stück Hunsrück. Der Ehrbach entspringt nur 4 km Luftlinie vom Rhein entfernt und mündet etwa 18 km weiter in die Mosel bei Brodenbach. Der schneidet, wie viele andere Bachtäler quer durch das spitz auf Koblenz zulaufende Gebirge. Spektakulärstes Stück ist die Ehrbachklamm, eine Schlucht, durch die der Bach hindurch muss.

Mit der Einsamkeit ist es vorbei: Ein Firmenausflug und mehrere Familien mit Kindern überfluten regelrecht den spektakulärsten Punkt der Ehrbachklamm. Dort wollte ich meine neue Kamera ausprobieren und auch ruckfreie Schwenks mit dem neuen Stativ ausprobieren.

Nicht alle Wanderer haben passendes Schuhwerk an und so dauert es an den engen Stellen eine kleine Ewigkeit, bis ich weiter kann. Mit dem Gewicht auf dem Rücken muss ich mich konzentrieren und Fehltritte vermeiden. Die Füße und die Schultern schmerzen, aber wenn es voran geht, ist es zu ertragen. Vor allem nach kurzen Pausen brennt die Blase unter dem linken Absatz bei jedem Schritt. Durch den anspruchsvollen Untergrund kann ich jegliche Schonhaltung vergessen. Und das ist auch gut so. Denn was die Klamm angeht, so wird das noch das geringste Level in Island sein.
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Ich ziehe durch um bei km 19 die Eckmühle zu erreichen. Nach einem Inhaberwechsel haben sie erst gestern neu eröffnet und es gibt Käsespätzle und Bier. Was will man mehr.
Ich träume davon, die Füße in den kalten Ehrbach zu halten, aber wenn ich jetzt die Schuhe ausziehe, kriege ich sie bestimmt nicht wieder an. Wenn die Blase erstmal Platz hat, läuft sie voll Wasser und wenn ich dann darauf laufe platzt sie auf.
So ziehe ich also weiter in Richtung Brodenbach, wo nicht nur der Brodenbach mündet, sondern eben auch der Ehrbach.

Es ist ein langer, langsamer Weg und ich muss mich überwinden, um den Rucksack auf einem Holzstapel abzusetzen und eine Fotopause zu machen.
Es ist die erwartete Strapaze, aber mit der Blase unter dem Fuß hätte ich nicht gerechnet. Denn ich habe die Wrightsocks an. Die sind doppelt gestrickt und deshalb probat gegen Blasen aus Reibung. Und tatsächlich, gestresste Füße aber keine Blase ansonsten. Aber auf ein plötzlich 20 kg höheres Körpergewicht bei 8 Stunden Wanderung ist niemand vorbereitet. das muss man üben. Ich habe ein schweres Zelt dabei und etwas zu Essen, um das Gewicht zu simulieren. Als Nächstes wandere ich mit leichterem Gepäck und den selben Schuhen.

Um mich davon zu überzeugen, daß es sinnlos , gar schädlich wäre, hier in einem Bachtal zu übernachten und morgen weiter zu wandern, brauchte ich noch die Tour bis nach Brodenbach und ein Abendbrot. Dann war mir klar: das war der Test und er wurde mit Ach und Krach bestanden. Die Fitness war ausreichend, der Rucksack ist super aber eigentlich zu schwer, aber das lange wandern mit hohem Gewicht muss ich trainieren.

https://www.komoot.de/tour/2928034750?ref=itd
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