22 Algarve Bretagne von Nazaré nach Aveiro

Dem Gesetz der Serie nach hätte heute ein blöder Tag werden können, einer gut – einer schlechter. Deshalb trödelte ich vielleicht länger als sonst und schlenderte runter zum Mercado Municipal – der Markthalle.

Um 8 Uhr noch nicht voll besetzt: Markthalle von Nazaré.

Da holte ich mir Brötchen, Marmelade und Butter plus ein paar von diesen kleinen portugiesischen Kuchen, die ich schon aus meiner Hamburger Zeit kenne: Wenn es gut lief, gingen wir mit Kollegen nach der Kantine noch einen Galão trinken im Portugiesenviertel und manchmal eben mit so kleinen Kuchen dabei. Lang ist’s her und heutzutage klingt das wie die gute alte Zeit.

Frühstück mit Aussicht

Wagner hatte nicht nur ein tolles Hostel, sondern auch eine Terrasse, von der man den ganzen Ort überblicken konnte und eben diesen tollen Frühstücksplatz.

Postkartenmotiv in Nazaré

Aber ich riß mich los und fuhr zunächst Richtung Lighthouse. Das steht ganz vorn auf dem Felsen und da brechen sich die Wellen so grandios. Wagner hatte es schon erklärt und weitere Erklärungen würde ich vor Ort lesen können. Aber soweit kam ich nicht, denn ein offenbar Irrer brüllte da vorne rum, schrie das Meer an oder meinte vielleicht hat die Menschen am Strand unten.

Ausguck von oben

Na jedenfalls traute ich mich näher dahin und traf aber Cara und Yos. Sie ist aus Südafrika, geboren in Neustadt/Weinstraße und er ist aus Guatemala. Ich nötigte Yos, Fotos von mir zu machen, wenn eins davon das Buchcover wird, kommt er auch ins Impressum!

Vorläufiges Titelbild aus Teil1: Rotterdam-Bretagne

Ich empfahl ihnen noch mein Hörbuch in englisch und dann fuhr ich Richtung Norden.

Die glitsche Version des „Abenteuer Baltikum“.
Die Aussicht ist grandios

Jetzt weiß ich jedenfalls, warum das hier Abenteuer Atlantik heißt: Von Nazaré an führt eine Straße samt parallelem Radweg 50 km direkt entlang des Ozeans. Soviel Atlantik wie heute war nie.

Kleine Buchten – schon von der Straße aus zu sehen.

Die Fahrt stand jedenfalls ganz im Zeichen des Ozeans. Unmöglich, das wiederzugeben. Was mich aber auch faszinierte waren diese Landschaften voll mit gelb blühenden Stauden.

Wieder meine Farbe: Gelb

Wie es sich gehört, kam dann auch ein weiterer Leuchtturm in Sichtweite.

Idylle mit Meerblick

Ich bog dann ein in eine lange gerade, die aussah wie ein Highway in Nevada. Links und rechts sandige Steppe. Es fehlte mitnichten der Sonnenuntergang am Ende dieser Straße. Aber das ging ja nicht, Richtung Norden und mittags um 14 Uhr.

Unzählige Versuche, einen Strich zu fotografieren

Ich rollte vorbei an Martin aus Oberschwaben, der angehalten hatte und das gleiche fotografierte. Ich rief nur: „What a highway!“ wir kannten uns ja noch nicht. Später als ich dann stand, holte er mich ein in seinem top ausgestattete Tourenrad. Er war auf den Tag 6 Monate unterwegs, erst Richtung Südosten über Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, über die Balkanländer dann mit der Fähre Albanien-Italien, weiter nach Spanien und nun hier die Küste hoch bis Santiago de Compostela, dann will er über den Camino in einem Bogen zurück nachhause. Einfach unglaublich!

Wir fuhren stundenlang nebeneinander

Es war also ein richtig guter Tag. Rückenwind, geiles Wetter und Fachgespräche über Gepäck, Land und Leute, Orientierungsprobleme, Hunde und über die Kunst, unterwegs zu sein. Er hatte schon so einiges erlebt!

Wir konnten unser Glück kaum fassen und spulten ganz nebenbei Kilometer ab.

Er liebt seine Arbeit, seine Kollegen und seine Heimat, aber doch mußte er kündigen, weil sie ihm sein lange vereinbartes Sabbattical (In drei Monaten zum Nordkapp) streitig gemacht hatten. Vielleicht fängt er dort sogar wieder an, aber als ein anderer Mensch. Er ist ganz sicher, sich richtig entschieden zu haben und was kann es besseres geben für einen Menschen.

Unsere Wege trennten sich, als ich nochmal durchstarten wollte auf einer stark befahrenen Nationalstraße, um mein Tagesziel Aveiro zu erreichen und er aber in 12 Kilometern über einen gemütlicheren Weg Figuera da Foz erreichen wollte. 65 km bis hier. Gute Fahrt, lieber Martín, es war mir ein Vergnügen! Pass auf Dich auf, wir bleiben in Kontakt!

Es hatte begonnen, stark zu regnen, und Starterin bisheriges Konzept „wer wenig anhat, dem kann auch wenig naß werden“ entschied ich mich für meine Regenjacke. Auf dem nächsten Schild stand Aveiro 92 km, oh really? Jetzt noch über 4 Stunden in einer Wasserschlacht mit Hunderten von LKW, die alle eine riesen Fontäne hinter sich her zogen durch große unergründliche Pfützen? Ja, ich machte das, denn an Tag 6 wollte ich nicht schon mein Ziel verfehlen, aber die Versuchung war groß, hier abzusteigen.

Zwei Kuchen, zwei Galão

Als nächstes mußte ich was essen, denn mit einem Hungerast würde ich das nicht packen. Immerhin hatten wir weiter Rückenwind, auch wenn ich ständig geduscht wurde. Bei Figuera ging es über eine große Brücke und dann auch nochmal ordentlich berghoch. Immerhin bei km 92 aß ich dann frische Kalorien.

Die Straße wurde Gottseidank wieder etwas einsamer und ich navigierte nach den Straßenschildern. Alles war naß und ich konnte weder Fotos machen noch den Weg nachschlagen. Einfach nur weiter in strammem Tempo, sonst kam ich noch in die Dunkelheit. Zwischendrin dachte ich, es sei doch nicht so weit, aber es war so weit. Erst 19:30 erreichte ich Aveiro, das auf den letzten 20km auch nicht mehr ausgeschildert war. Denn in der Nachbarstadt Ilhavo hatten sie keinen Bock, auf den größeren schöneren Nachbarn Aveiro hinzuweisen. So mußte ich immer wieder an einer Bushaltestelle umständlich alles rausholen und nachschlagen.

Catehdrale von Aveiro

Ich suchte in der Nässe des abendlichen Berufsverkehrs nach einem Hotel- es wurde das „Imperial„. Klang angemessen. Schnell alle Klamotten vom Leib und heute endlich mal waschen. Denn die Sachen wurden jeden Tag ekliger, klebten von tagelangem Schweiß gemischt mit dem Dreck der Straße. Es gab eine kleine Wandheizung, über die ich mehrere Stühle stapelte, als Trocknungsgerüst.

Dann machte ich mir selbst noch ein heißes Bad und kam viel zurück auf die Gasse, um etwa zu essen zu suchen. Alles hatte geschlossen. Die Leute sagten, ja, es sei untypisch für Portugal, aber um 22 Uhrmacher hier wohl alles zu. Na super Herr Lange. Ich fand dann noch eine kleine Bar, die ein paar Salate hatte und aß alles weg, was noch da war. Dann noch zwei Tagessuppen, zwei Desserts, zwei Kuchen und zwei Bier. Der Wirt hatte seinen Spaß. Im Fernsehen an der Wand lief ein Nazifilm. Ja, das werden wir Deutschen nicht mehr los. Gedenken finde ich gut, aber Nazientertainment fand ich immer schon doof.

Ich fiel glücklich und müde Innern Bett, die kleine Heizung trocknete meine Sachen und hier aus der 5. Etage überblickte ich die halbe Stadt in einem fürstlichen Zimmer für 40€.

Rathaus von Aveiro

Es war die längste Tour bisher, hat aber viel Spaß gemacht. Immer wieder überraschend, wie unterschiedlich die Tage sind. Und dieser war ein guter.

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