28 Algarve Bretagne von Foz nach Cudillero

Ich durfte gespannt sein, wie es heute läuft. Es gab Frühstück im Hotel, gestern sagten sie, eigentlich nicht. Das war schon mal gut und ich kam nicht zu spät los, obwohl ich einigen Respekt vor der heutigen Tour hatte.

Maisspeicher – typisch Galizien

Erstmal gab es nicht viel zu sehen, außer immer wieder diese Häuser auf Stelzen, oder hier – über einen Schuppen gebaut. Jetzthab ich das nachgeschlagen. Darin wird oder wurde traditionell Mais getrocknet und gelagert. Es soll davon über 30.000 in Galicien geben.

Ich war gut beraten, konsequent auf den Nationalstraßen zu fahren. Heute waren das die N634, N632 und N632a. Denn die vorgeplanten Wege enthielten viel zu viele Höhenmeter und die eine oder andere Überraschung bereit.

Autobahnbrücke von Ribadeo mit Fußgängerspur

Als die N634 kurzer Hand mit der Autobahn vereinigt wurde, rätselte ich, wie ich über den Rio de Ribadeo kommen sollte. Es gab dann aber eine kleine, kaum auffindbare Fußgängerspur.

Mündung des Rio de Ribadeo

Der Fluß ist gleichzeitig die „Grenze“ zu Asturien und er öffnet sich hier zum Meer. Von der Brücke konnte ich zwischen den Streben grandiose Bilder machen.

Asturisches Ufer

Wem die Bilder seltsam sepia- farben vorkommen: das täuscht nicht. Spanien wird von einem starken Sahara-Staub-Sturm heimgesucht. Polvo sahariano! Wie überhaupt das Wetter wohl etwas verrückt spielt, Dauerregen auf den Kanarischen Inseln und auch auf den Balearen schlechtes Wetter…

Jedenfalls hatte ich meine ersten tollen Bilder hoch über dem Rio del Ribadeo. In Navia machte ich eine erste Kaffee/Kuchen-Pause. Aber es wurde dann ein ausgewachsenes Mittagessen. Im Lokal spazierten Tauben herum, die nur darauf warteten, daß jemand krümelte.

Café Martinez in Navia

Insgesamt war ich auf den folgenden 70 km ziemlich allein mit mir, was toll war. Denn es war die Route der alten N632a, die kaum noch benutzt wird, weil alle auf der schnurgeraden Autobahn fahren. Ich war allein auf unendlich vielen Schnörkeln, die Hälfte bergaufstrampelnd, die Hälfte bergabsausend. Ich konnte sorglos die Kurven schneiden (natürlich nur, wenn ich sehen und hören konnte, daß keiner kam).

2wei Rad Freunde

Bis dann doch mal jemand entgegen gezischt kam auf seinem Rennrad und lässig grüßte. Dann diese zwei, die mich überholten. Sie riefen irgendwas auf Spanisch und ich erwiderte „Ragazzi, Ragazzi“. Ach, das war ja Italienisch! Egal, sie brüllten noch was anerkennendes in den Fahrtwind und zogen vorbei. Bei den Marathons in Mailand und Florenz hatten sie immer „Ragazzi“ gerufen, was wohl soviel heißt wie „Jungs, Jungs!“ und eben anspornen sollte. Ich trat an, obwohl es leicht hoch ging, weil ich Fotos von ihnen in voller Fahrt machen wollte. Einer merkte es und dann entschieden sie sich aber, davon zu fahren. Auf drei Kilometer hatten sie gerade mal 300m Vorsprung gewonnen, aber dann ließ ich abreißen. Sowas brauchte ich öfter! Sie hatten mich irgendwie wach gerüttelt und das Adrenalin in mir geweckt, das meinte, einen Mittagsschlaf halten zu können. Und ich schwitzte richtig. Wie heißt es so schön, ich wurde aus der Komfortzone geholt. Lustige Sache, sich bei diesem täglichen Pensum tatsächlich nach und nach eine Komfortzone zuzulegen. Man gewöhnt sich an alles. Auch an regelmäßige Bewegung.

Gelegentlich fragte ich mich, was ich hier eigentlich mache. Es ist eine Mischung aus Reise und Bewegung. Beides mache ich ja sehr gern. So richtig Zeit habe ich zwar nicht, die Städte anzusehen, aber ich bekomme einen Eindruck und „verstehe“ die Landschaft und das Essen und die Leute, ohne über sie etwas zu studieren. Und ich bewege mich viel. Das Wort Sport möchte ich weitestgehend ausklammern. Sport ist Wettbewerb oder Broterwerb. Nichts gegen Wettbewerb, bis Corona kam, bin ich vier fünf Mal pro Jahr angetreten und es war das Salz in der Suppe der anderen 150 Läufe – so einfach durch die Gegend. Aber Sport mache ich nicht, sondern ich bewege mich, ausdauernd. So ist es eine tolle Kombination, ein ambitioniertes (sportliches) Ziel zu haben und etwas Neues zu sehen. Darum mache ich das in dieser Weise. Mit Tempo reisen, immer weiter immer weiter.

Luarca an der Mündung des Rio Negre

In Luarca hatte ich endlich wieder was zu knipsen.

Luarca nach dem Anstieg

Ich mußte wieder einmal ganz runter und dann ganz wieder hoch. Dabei hatten sie die Landstraßen neu gemischt und es brauchte etwas, bis ich wieder auf meiner Spur war.

Mein geplanter Radweg

Ausnahmsweise folgte ich mal wieder einer Abkürzung, die ich am grünen Tisch geplant hatte, das ging ganz gut, bis ich hier landete: Immerhin waren es nur 300m, aber die letzten 50 mußte ich das Rad sogar tragen, um wieder auf die Landstraße zu kommen. Also, immer schön auf der Nationalstraße bleiben!

Dann die zweite Begegnung des Tages: Die Guardia Civil hatte sich an einem Kreisel postiert. Sie diskutierten etwas Wichtiges, Fußball oder so. Ich kam vorbei und fragte, wie ich am besten weiter komme Richtung Oviedo. Die Stadt hatte hundert Kilometer lang drangestanden und jetzt wurde sie auf einmal nicht mehr ausgeschildert. Sie sagten, „direkt vor mir auf die Autobahn“. Lustig, denn hinter mir ein 3×3 m großes Schild „Kein Fußgänger, kein Fahrrad, kein Traktor, kein Pferd“. Ich sagte „Nacionale“ und sie sagten, „Achso, ja dann einfach noch ein Kreisel weiter, dann steht das wieder dran“. Ihr seid mir so richtige Polizisten! Sowas macht Spaß, dafür mache ich das hier.

ff.cc. Ferrol-Gijon (mit Sahara-Staub)

Die einzige Konstante bei all dem Auf und Ab war die Eisenbahn: Ferrocarril . Egal, wie kurvig, wie steil und profiliert das Gelände ist, sie führt schnurgeradeaus. Unter anderem über 27 Brücken und durch 110 Tunnel, wie ich jetzt las. Erst 1972 vollständig fertiggestellt. Seit Ferrol habe ich erst einmal einen Zug darauf fahren sehen. Jedenfalls hatte ich hier in der Gegend eine dritte, letzte skurrile Begegnung des Tages: Zwei uralte zerknitterte Frauen mit Kopftuch standen am Straßenrand und ich fuhr langsamer und rief „Hola!“ da riefen sie „Adios!“ das hatte ich auch noch nicht. Sagte man nicht dann auch „Hola“ oder „Bon Diaz?“ Doch das machte man, wie ich dann bei weiteren flüchtigen Begegnungen ausprobierte.

Weit unten, der Ozean

Und immer wieder lugte das Meer hervor! Mit Beharrlichkeit, Ausdauer und einem weiteren Café in Novellano im Nirgendwo erreichte ich dann Cudillero. Ich sah auf der Karte, daß ich dafür wieder 200m runter ans Meer sollte, dort aber vielleicht nicht mal ein richtiges Hôtel war. Aber oben, zwischen Autobahn und Landstraße gab es einen weitläufigen Komplex aus mehreren Häusern mit Hunderten Parkplätzen. Die arbeiteten auf Minimalbetrieb und hatten ein Zimmer. 35€ mit Frühstück, so muß es sein!

Man sieht das Auf und Ab ganz gut an den 1000 Höhenmetern

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