39 Algarve Bretagne von La Roche-Bernard über Vannes nach Lorient

Meine Auberge Bretonne erwies sich als Nobelhelberge. Zwar hätte ich das aufgrund des gediegen, mit alten Möbeln eingerichteten Zimmers schon ahnen können. Aber als ich diesen großen Frühstückstisch sah, mit silbernen Hauben abgedeckte kleine Gefäße, alles nur für mich, war ich alarmiert. Denn bisher hatte sich in meinem Leben noch nie viel unter silbernen Hauben befunden. So auch heute. Ich habe dann kleckerweise mehr Brot und anderes erbitten müssen, aber es schmeckte erlesen. Das möchte ich gern sagen.

Wieder über die Brücke der Vilaine

Meine Route ging mehr oder weniger parallel zur Route National. Für Autofahrer waren auch schon meine nächsten Ziele angeschrieben: Vannes, Lorient, Brest. Aber ohne Kilometerangaben.

Einziges Motiv: eine überrestaurierte Windmühle

Der Zugang zu dieser als historischen Denkmal gepriesenen Windmühle war ein von alten Tujas gesäumter Weg.

Uralte Tuja-Bäume

Da kann man mal sehen, daß sie doch zu etwas gut sind, wenn man sie lange genug stehen läßt (auch wenn nach innen alles braun und abgestorben ist). Ein schönes Motiv.

Während der ersten 25 km machte sich eine Unwucht am Vorderrad bemerkbar, die ich genauer untersuchte. Entweder rührte die schadhafte Stelle im Mantel schon von meinem Platten an Tag 2, oder ich hatte anderweitig etwas abbekommen. Jedenfalls beulte sich der Reifen schon einseitig aus und das war nicht gut. Wir hatten Samstag Mittag, und bis Montag käme ich damit bestimmt nicht. In der Lotto-Tabac-Bar von Trinité de Surzur fragte ich, ob es hier einen lokalen Fahrradladen gäbe. Sie sagten tatsächlich, sie hätten da ein paar alte Visitenkarten rumliegen. Der Typ sei hier ganz in der Nähe. Da fuhr ich hin und traf in der Nachbargarage eine Frau, die sich und ihre marokkanischen Lederschlappen auf die Saison mit Marktverkäufen vorbereitete. Sie sagte, manchmal käme er um diese Zeit. Ich rief Maxím an, aber leider nur respondeur automatique. Ich sprach drauf.

Falls er nicht zurück rief, brauchte ich eine Ersatzstrategie. Sie kramte aus ihrem Fundus Klebeband hervor, womit ich dann den Reifen tapte und bis zum Cyclexpert nach Vannes fahren wollte. Aber dann rief Maxime an, war sicher, daß er so einen Reifen hätte und er kam in einer weiteren Viertelstunde. Au, das war echt super.

Maxim in seinem Element

Maxim Guého hat sein Ladengeschäft „Le vélo d‘Ewen“ in Sarzeau und hier in La Trinité Surzur ein Lager und Werkstatt für Fälle wie mich. Seine Webseite http://www.levelodewen.fr

Sie verleihen und verkaufen Räder und haben Ahnung davon. Er suchte mir zwei 23er Rennradreifen von Michelin heraus, in auffälligem Blau. „Wir“ machten gleich beide Reifen neu. Denn das Vorderrad, das ich vor der Tour im Rahmen anderer Tätigkeiten habe neu machen lassen, hatte nun schon das zweite Problem und hinten war auch eigentlich längst abgefahren.

Mein Rad in den Farben der Tricolore: bleu blanc rouge

Das Foto machte ich in Vannes, wohin ich nach der Unterbrechung von 90 Minuten unbeschwert fahren konnte. Trotz stramm aufgepumpter Pneus fuhr es sich angenehm komfortabel, abends als die Conti, die ich bisher hatte.

Creperie in Vannes

In Vannes wollte ich eine Crper oder Galette essen, aber durch die Zwangspause kam ich jetzt wieder in den ungünstigen Rhythmus, daß die Bars gerade zumachten und es nichts mehr zu essen gab. Café und Kakao ja, aber keine Crêpes. Da sollte es mich auch nicht interessieren, daß ich bei meiner Abfahrt eine halbe Stunde später sah, wie ganz frische Crêpes für die Gäste serviert wurden.

Ich besichtigte noch die traumhaft schöne Altstadt eben ohne was zu essen und fand einen Laden, der einige Aufkleber für meine Koffer hatte. Ansonsten kann ich nichts kaufen, was Platz braucht oder schwer ist.

In Vannes hatte ich eigentlich übernachten wollen, aber heute sollte es auf jeden Fall bis Lorient gehen, dann hätte ich auch meine Plan für das Restprogramm – mindestens 80 km erfüllt.

Die Luft war herrlich, es ging auf kleineren Landstraßen sanft auf und ab durch Dörfer, Höfe und Felder erstmal bis nach Brec‘h.

Hier bekam ich meine Kuchen

In Brec‘h sah ich auch das Kirchengebäude der Zukunft: Mehr oder weniger nur ein überdachtes Kirchenfenster im Freien, überdachte Zugangstreppen und Sitzgelegenheiten zum Verweilen. Hier könnte jeder für sich selbst beten und alles würde ansonsten unter freiem Himmel sein. Man könnte kommunizieren, muß aber nicht. Man wäre nicht auf einen Innenraum angewiesen, unter Beobachtung der andern, um Jesus seine Aufwartung zu machen.

So ein Ding gibt es hier

Sie haben natürlich auch noch eine richtige Kirche, wuchtig, neogotisch und mit sehr vielen wohlklingenden Glocken. Hier in der Gegend werden alle Viertelstunden gleich drei-vier Glocken angeschlagen. Eine läutefreudige Gegend.

Während ich so darüber nachdachte, überholte mich erst einer und dann noch ein weiterer Rennradler und wünschte bon courage! Der Dritte, Ben, zog abgenickte einfach vorbei. Er interessierte sich für mein Gepäck und meine Reise. Die anderen beiden ordneten sich sogar hinter uns und wir fuhren im Konvoi, wann immer es möglich war, Ben und ich nebeneinander um sich weiter zu unterhalten. Er arbeitet unter der Woche in Paris, und da ist es nicht so einfach mit dem Radfahren. Aber man sieht die Veränderungen: Oft schon zwei breite Radspuren auf Kosten von Autospuren und vieles mehr. Man hatte das je gehört, daß Paris den ganz großen Aufbruch Richtung Radverkehr schaffen will um Aufzuschließen zu Kopenhagen und anderen Vorreitern.

Es war eine tolle Fahrt mit Aurelien, Martin und Ben, die mich in zügiger Fahrt bis zum Hafen von Lorient eskortierten. Den Weg hätte ich wohl so einfach nie gefunden. Sie hatten wohl ihren Spaß mit mir.

Les 3 Musquetsires et moi.

Merci Tausend Mal, Ihr drei und allzeit bonne route, bon courage, bonne chance!

Lorient wurde von den Amerikanern völlig zerbombt, um die Stadt von den Deutschen zu befreien und erinnert mich stellenweise an Le Havre. Die Stadt ist ähnlich groß wie Vannes, aber eben praktisch das Gegenteil. Es gibt nicht ein einziges altes Haus. Aber die drei Musketiere und auch die Frau am Empfang im Hôtel betonten, daß die Menschen hne hier sehr froh und glücklich seien. Ich kann nichts anderes sagen, es stimmt sicher.

Kneipen und Restaurants in Lorient

Jedenfalls war in der Creperie Du Port und allen anderen Bars und Restaurants kein Platz ohne Reservierung zu bekommen. Ich fand dann einen kleinen Katzentisch in einer Trattoria, den Programm Champagner war. Die Flaschen in großen Größen standen überall und regelmäßig ploppte es. Daran wollte ich mich nicht beteiligen, denn bis Brest sind es noch zwei Tage!

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