009 Pausentag in Mrzezyno

Ich hab mich erkältet, da ist natürlich Vorsicht geboten. Jetzt weiß ich auch warum. In den ersten Tagen konnte ich die plötzlichen eiskalten Böen noch gut wegstecken, aber offenbar geht mein Immunsystem jetzt in den Keller. Da mache ich hier mal einen schönen Pausentag.

Das mit dem Immunsystem und mit der Erkältung ist gar nicht so einfach. Irgendwann sind die morgens gegessenen Kolorien verbraucht. Der Körper hat optimiert und ist während des Laufens im Modus „Abkühlen“, denn das Gewebe ist ja warm. Wenn dann kalte Windstöße vom Meer dabei helfen, friert man sofort. Dazu kommt der Kalorienhaushalt. Ich esse inzwischen alles, was ich kriegen kann: Süßkram, Waffeln, geräucherten Fisch. Denn ich habe unterschätzt, dass ich täglich 2000 kcal mehr brauche, als sonst. So ist die Batterie dann schon mal tiefentladen.

Dazu kommt, daß ich durch das viele Essen nicht so gut laufen kann, denn es meldeten sich auch schon mal die salzigen Fische. Also morgens alles rein, was geht und dann eben etwas langsamer anfangen.

Das Wetter ist nach wie vor sehr kalt, trotz Sonne.

Deshalb kann ich auch nicht im Zelt übernachten, und wenn ich an diesen Entladungseffekt denke, schon gar nicht.

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Wenn man dann bei der Ankunft nicht gleich ein Zimmer findet, wird es auch schnell kalt. Das mit den Zimmern hab ich noch nicht raus: Überall steht Wolne Pokoje – freies Zimmer. Aber die Leute vermieten nicht. Ich muß an mehreren Häusern fragen, bis endlich einer ja sagt. Vielleicht ist es auch mein Äußeres. Oder der Umstand, daß ich nur eine Nacht bleiben will. Wenn ich dann sage „da steht doch Wolne Pokoje“, sagen sie „ja, das steht da“.

Ist übrigens auch mit dem Internet so: Es steht dran Free WiFi. Ich bestelle brav irgendwas, frage dann nach dem Passwort und dann heißt es, WiFi haben sie nicht. In ganz Mrzezyno hab ich keins gefunden, obwohl es überall dran steht.

Letzte Story in dieser Reihe: Frühstück. So einen Bäcker mit Frühstück kennen sie hier gar nicht. Ich hab mich durch den ganzen Ort gefragt „Sniazanie“. Dazu kommt nun auch noch, daß ich es erst falsch aussprach und jedes Mal mein Wörterbuch rausholen musste. Die Leute schütteln einfach den Kopf und sagen: Nie. Es gab ein einziges Restaurant, das hatte Frühstück. Macht aber auch erst um 12 auf. Ich hatte eine deutschsprechende Polin gefunden, die sagte: „ja, das ist hier so, es steht dran, aber das heißt nichts“. Hm. Das wird wahrscheinlich mit der Saison alles besser. Ich hab dann für unglaublich wenig Geld im Skleb spowzynia Pappbrötchen und Marmelade – Dzem gekauft. Kaffe hab ich mir auch selbst gekocht. Sie hatten dann noch ein ganz krasses, extrem grobes, frisches Brot, vielleicht mit Gerste oder so, das hab ich gleich im Ganzen mitgenommen. Die Frau wollte es nicht glauben.

Der ganze Ort ist gepflastert mit Ständen mit billigem Tand und Andenken. Die ersten Andenkenstände sind um 10 Uhr auf, aber kein Frühstück. Viele bauen ihre Sachen jetzt auf mit Latten aus dem Baumarkt und drinnen gibt’s eigentlich nur Sondermüll. Das erinnert mich jetzt wieder an die Flohmärkte in Mailand, da gab’s auch so unglaublich billiges Zeug und billige Klamotten. Nun – die Kinder freuen sich!

Apropos Kinder: Erst hätte ich das Zimmer im Amber auch nicht bekommen, der junge Mann musterte mich von oben bis unten und wieder hoch. Als ich dann sagte, daß ich es noch etwas weiter habe, war er zugänglich, und wahrscheinlich wegen der zweiten Nacht. Na, jedenfalls klopfte jetzt seine Tochter an meiner Tür und fragte in sorgfältigem englisch, ob sie mir ein paar Fragen für die Schule stellen dürfe. Wir sind dann ihre Fragen durchgegangen und sie macht daraus wohl einen Vortrag im Englischunterricht! Kuckmaeineran. Geht doch mit der Akzeptanz.

Ich habe mich bis zum Hals zugedeckt und mein Buch komplett durchgelesen. Ich brauche unbedingt die anderen Bände!

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Das Buch kann ich hier zurücklassen und hab mehr Platz für Wasser und Fische!

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5 Gedanken zu “009 Pausentag in Mrzezyno

  1. Ich hoffe, es geht wieder! Denke oft an Sie! Vor allem, wenn ich bei meinen 2,5 km mit 95m Steigung an die Grenzen komme…bin jetzt bei knapp über 16 Min. – gestartet bin ich im Februar mit 18:38 Min…! Aber was ist das schon – ich drücke die Daumen! Bis bald!

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    1. Regelmäßig Laufen ist sehr gut, da kommt es nicht auf die Entfernung und erst recht nicht auf die Geschwindigkeit an. Darauf kommt es an. Sie machen das genau richtig. Es dauert nicht mehr lang, und Sie laufen mehrmals die Woche 30 Minuten. Das ist sehr gesund. Marathon laufen ist pathologisch aber es stimmt auch, wenn man mal im Ziel ist, ist es auch toll. Mein Etappenlauf ist in langsamen Tempo, der soll mich wegbringen vom Wettbewerbsgedanken. Es ist einfach nur schön, jeden Tag zu laufen. Herzlicher Gruß!

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