025 Gdansk – Mikoszewo – Stegna

Es ist sicher ein leichtes, in einer Großstadt wie Danzig am Hauptbahnhof anzukommen und in der Altstadt herum zu laufen. Etwas anderes, die richtige Peilung zu kriegen, um  auf dem kürzesten und besten Weg aus der Stadt herauszufinden. Jedenfalls, wenn man nicht auf die Autobahn nach Lodz oder Stettin will. Es hat dann doch ganz gut geklappt. Hier will ich mein Navi, mit dem ich manchmal immer noch hadere, mal loben.

Es war auch ein super neuer Tunnel für Radfahrer unter einem Autobahnkreuz hindurch dabei, zahlreiche Metallbetriebe, Raffinerien und Hafenanlagen samt ihrer eigenen Eisenbahnen. Noch lange habe ich das Fauchen, Stampfen und Klopfen der Industrie gehört. Dann kam ich an eine provisorische Schwimmbrücke über einen Zweigfluß der Wisla = Weichsel und danach war wieder mehr Stille.


Dann kamen noch ein Yachthafen, Wochenendhäuser und Villen der wohlhabenderen Danziger und nach einer weiteren Weichselquerung mit einer Fähre  kam „echtes“ Urlaubsland entlang des Meeres, wie ich es aus Pommern kannte. Auf der Fähre traf ich ein Radlerpaar aus Gdynia, die für einen kurzen Trip nach Krynica Morska wollten – hin und zurück weit über 200 Kilometer.

Es lief sehr gut, obwohl jeglicher Radweg fehlte, später nervten die vielen Autos etwas. Denn heute, am Himmelfahrtstag ist im katholischen Polen kein Feiertag. Das hätte ich nicht gedacht.

Statt nur, wie geplant, bis Jantar zu laufen, ging ich noch einen Ort weiter nach Stegna. Das war irgendwie ein Fehler. Dieses Stegna ist zwar größer aber da hatte ich Pech mit der Unterkunft: Wieder jede Menge Schilder „Wolke Pokoje“ aber nicht einer wollte vermieten. Teilweise taten die Vermieter so, als sei es eine völlig abstruse Idee von mir. Einen Effekt den ich ja schon kenne und den ich nicht aufklären konnte. Vielleicht liegt es daran, daß ich nur eine Nacht bleiben will. Na dann sollten sie halt den Preis etwas erhöhen, schließlich ist Donnerstag Nachmittag. Und wenn dann einer am Freitag käme würden sie doch super für das Wochenende oder die ganze Woche vermieten können. Ich fragte dann bei zwei etwas unattraktiveren Bungalowsiedlungen an, doch die waren beide scheinbar restlos mit Schülergruppen ausgebucht. Da bekam ich Probleme, mir war auch kalt, ich hatte über 31 km weg, das Navi schon lange ausgeschaltet, mußte immer weiter und es wollte sich einfach nichts finden. Da sah ich ein völlig abgewracktes Gebäude und fragte dort. Die hatten ein Zimmer, das ich sofort nahm und auch gleich bezahlte.

Aber was war das für ein Zimmer! Der Bau stammte original unrenoviert aus der Sowjetzeit.

Ich war der einzige Gast und alles sah absolut deprimierend aus. Die Dusche war eiskalt, das Zimmer muffig, immerhin saubere Bettwäsche und ein Handtuch. Ich habe dann gar nicht so schlecht geschlafen, aber die Unterkunft sah echt noch so aus wie früher. Da hatte ich mein Abenteuer für heute!

Am folgenden Morgen habe ich bis zu 5 Angestellte gezählt, in einem Ferienheim für die polnische Arbeiterklasse, das irgendwie bis heute geöffnet hat – ohne Gäste. Es hat etwas zombiehaftes. Früher war es ganz sicher ein Privileg, mal einen Platz in so einem Heim bekommen zu haben. Meine Familie jedenfalls hatte es nicht geschafft, ich bin mir aber auch nicht sicher, wie sehr wir das gewollt haben. Wir fuhren immer nach Arendsee. Na, jedenfalls war Urlaub „richtig an der Ostseeküste“, also richtig am Meer für viele im Ostblock ein unerfüllter Traum. Vielleicht kam auch daher ein Stück der Idee, gerade an der Ostsee entlang zu laufen, statt z.B. am Atlantik. Wahrscheinlich bin ich der letzte Gast im letzten verbliebenen Ferienheim dieser Art.

Ich hatte am Abend dann noch ein Restaurant gesucht und nochmal einen Kilometer weiter eine ganze „Insel“ von Restaurants und Cafees, auch Pensionen gefunden und dort auch gut gegessen.Auf diesen schönen Platz am Meer hatte es vorher keinen Hinweis gegeben – witzig.


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