24 Algarve Bretagne von Apulia (PT) nach Vigo (ES)

Ich hatte es tagelang vermieden, auf die Wetter-App zu gucken. Denn ich konnte nichts ändern, nichts beeinflussen, sondern nur leben mit dem was ist. Möglichst gut damit umgehen. Aber gestern dann doch. Die Aussichten waren katastrophal: 100% Regen. Das einzig gute: ich war ja schon über 20 km weiter als geplant. Vielleicht hatte ich auch deshalb etwas länger im Bett gelegen oder eben, weil 300km in zwei Tagen nicht spurlos an einem vorbei gehen. Der Junge Mann am Empfang hatte sich so lange mit der Programmierung der Klimaanlage herum geschlagen, bis sie heizte, und zwar ohne aufzuhören. Denn wenn eins nicht haben in Portugal, dann ist das eine Heizung. Das bedauern sie auch vielfach selbst, denn auch Portugiesen sind nicht aus Eisen.

Viele Windmühlen am Strand von Apulia

Ich trennte mich von meinem Bett, frühstückte, packte und war leicht verspätet wieder auf der Straße. Und was für ein super Wetter! nix Regen, wenn auch dafür der Wind von schräg vorne kam. OK, irgendeiner mußte die Wolken wegblasen, ohne Wind wären sie ja noch da.

Erste Fotopause bei km 20: St. Bartolomeu o Mar

Herrlich, diese Kirche inzwischen von unansehnlichen Straßendörfern. Die katholischen Glieder müssen ihre Kirche sehr lieben, sie sieht aus wie gestern fertiggestellt – wie aus dem Ei gepellt. Dabei ist sie auch schon über 100 Jahre alt. Sie ist aus Granit gebaut und hat wieder eine zum Teil geflieste Fassade.

Auf der anderen Seite eine Gebirgskette aus Granit

Der Baustoff Granit ist nicht zufällig gewählt, der wird hier überall abgebaut. Kein Wunder, daß gestern und heute auch schon wieder viele Kilometer der kleinen Nebenstraßen, die meine App mit so sehr empfiehlt, aus Granitpflaster waren. Das machte einfach keinen Spaß und ich mußte auf jeden Fall konsequenter auf die Landstraßen ausweichen.

Ich bin offenbar auf dem Camino

Immer wieder beobachtete ich, daß auch im Norden Portugals Orangen wuchsen. ich überlegte schon seit ein paar Tagen, einen Orangenbaum an einer Stelle bei uns zu pflanzen, die sehr viel Sonne hat und wo alles andere vertrocknet. Außerdem muß der Ort so sein, daß man den riesigen Kübel auf Rollen in den Wintergarten bekäme.

Auch hier noch gut gewachsen: Orangenbäume

Kurz vor Viana do Castello überquerte ich das Sumpf- und Flußgebiet des Rio Lima über eine Doppelstockbrücke, unten drin führe bei Bedarf ein Zug.

Im Hintergrund Viana do Castello
Morbider Charme in Viana do Castello

Nach 31 km ein letzter Galão, doch dann sah ich, daß es doch noch 50 km bis Valança sind, bevor ich nach Spanien komme. Da werde ich dann wohl meinen letzten trinken.

Auf der Suche nach der perfekten Welle

Unterwegs hielt ich gefühlt hundert mal an, weil ich dachte, von dort aus die grandios hohen Wellen fotografieren zu können. Aber man sieht nicht, was ich sah.

Gegenüber von Moledo: Monte De Santa Trega.

Die Strecke zog sich unheimlich in die Länge, erst recht als ich mich entlang des Rio Minho landeinwärts bewegte. Mehrfach testete ich noch die empfohlenen Radwege – sie waren schmutzig und aus Granitpflaster.

Villa Dalina

Die Leute sind oder waren reich hier. Sei es durch den Granit, aus dem alle repräsentativen Gebäude und Straßenabschnitte bestehen oder aus der Grenzlage zu Spanien, wo man ja früher sicher Zoll kassierte. Das sieht man auch an dem beeindruckenden Friedhof.

So viel Stein hat seine Vorteile: Kein Laub harken
Der Grenzfluss zu Spanien: Rio Minho

Valança empfand ich als wenig attraktiv und doch wollte ich auf jeden Fall anhalten und was essen. Ich sah kein Café, keine Pasticeria, aber ein Restaurant hatte offen.

Soup de dia und dann später das Hauptgericht in der „Coroa Verde“ (Grüne Krone)

Es war eigentlich zuviel, was ich bekam. Aber wer weiß was noch kommt?

Brücke nach Tui in Spanien

Es kam so einiges, erstmal wieder 2km Granitpflaster, dann die Brücke und der ärmliche Grenzort auf Spanischer Seite: Tui.

Ab da kamen die Berge, die den Fluß links und rechts einfaßten, die mit dem Grantit drin. Es ging steil hoch und ich schaltete ganz runter. Immer nur hoch und weiter hoch ging es.

Jede Menge kleiner Bergdörfer.

Wenn ich mich anstrengte, würde es schon gehen. Bis über 400m machte ich das klaglos mit, auch wenn die Hunde in den Höfen verrückt spielten. Aber irgendwann mußte ich absteigen und schieben.

Gegenüber in der Ferne: ein riesiger Grantitbruch

Die Aussicht wurde immer grandioser aber es war derart steil, daß ich mit einem normalen Tourenrad hier nicht hätte hochschieben können. Jetzt brauchte ich Stehvermögen und schwitzte aus allen Poren. Und das, obwohl es immer kälter wurde, hier oben. Anhalten und rasten war auch keine Lösung, dann erkältete ich mich ziemlich sicher. Die Straße war asphaltiert und ja, man hätte auch hochfahren können, mit zwei Raketentriebwerken hinten dran. Aber so nicht. Die Achillessehnen wurden schwer gestreßt aber es half nichts. Ich gucke immer wieder, ob ich noch richtig war. War ich wohl.

Dahinten irgendwo liegt Portugal

Immer wenn ich dachte, daß es das letzte abgeflachte Stück zu Kuppe sei, kam hinter einer Kurve wieder ein immens steiles Stück. Das war also der Vorgeschmack auf die Berge der kommenden Tage.

Hohlweg aus Granit.

Oben angekommen traf ich einen Rennradler auf seiner Feierabendrunde und fragte, ob es nun nach Vigo mehr oder weniger nur noch bergab ginge (dann würde ich meine Windjacke anziehen und mich einpacken). Ja, dem war so und als ich sagte, ich sei von Tui hochgekommen, zollte er mir Respekt. Er rief noch hinterher „stay strong!“

Nahe der letzten Kuppe

OK, dann also wieder runter in rasanter Fahrt. Es war dann immer noch ziemlich weit bis nach Vigo und man mußte wieder sehr auf Orientierung achten, auf Gullydeckel und tiefliegende Abflüsse am Straßenrand. Ohne meinen Vorsprung von gestern wäre ich nicht mehr im Hellen angekommen.

Im ersten Viertel, das wie Stadtzentrum aussah, orientierte ich mich nach einem Hotel. Ich übertrieb es mit der Sparsamkeit und checkte für mein 27€- Zimmer bei einem klapprigen alten Ehepaar ein, die sich damit und einem Gebrauchtwarenladen über Wasser hielten. Der Raum war sauber aber auch nicht wärmer als die Luft draußen. An der Wand ein lebloser Heizkörper in der Größe eines A4- Blattes. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie was von „elettronico automattico“ und gab mir die Schlüssel. Eine Verständigung war eigentlich gar nicht möglich. Ich montierte dann das Ding von der Wand und probierte die zweite vorhandene Steckdose. Es tat sich was. Als ich vom Essen zurück war, legte ich mich mit Klamotten in das saubere Bett, um mitten in der Nacht schwitzend aufzuwachen. Falls es das gibt: das ist eine Kaltraumsauna. Ich hängte alles zum trocknen auf und schlief selig.

Nur 114, aber die hatten es in sich (800 Höhenmeter zählte die Uhr).

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