Es sind 420 Kilometer von Isafjördur nach Reykjavik bzw, Kopavogur südlich davon, wo Jaap wohnt. Anders als Google uns sagt, dauert die Strecke deutlich über 6 Stunden. Es ist nicht wie bei uns, wo man einfach etwas auf die Tube drücken kann.

Erstens ist es ein großes Auto mit einem Camperaufbau, das frisst auch ordentlich Diesel. Zweitens sind die Straßen gut aber nicht so gut, daß man da drauf rasen könnte. Und weiters ist die höchste Geschwindigkeit überhaupt 90 km/h. Noch ein Punkt: kein Regen aber der starke Wind zerrt am Auto und an freien Stellen hat Jaap Mühe, es auf Kurs zu halten.

Wir fahren bis zur Ringstraße Nummer 1 bei Bifröst eine andere Route zurück als hin. So sehe ich noch mehr von den Westfjorden. Aber nichts ist so spektakulär wie Hornstrandir.

Jaap war schon viel mit dem Mountainbike in den Westfjorden unterwegs, aber diese, unsere Tour ist auch für ihn etwas ganz Neues! Wir lassen sacken, halten am selben Café wie auf der Hinfahrt und rollen nachhause. Das Wetter ist gar nicht schlimm und je mehr nach Süden, desto weniger bläst auch der Wind. Etwas enttäuschend, wenn man die Warnungen von Westtours bedenkt, die uns haben Hornstrandir früher als geplant verlassen haben. Natürlich gut für die Menschen, die jetzt da sind und hin wollen. Auf dem Hringevur kommen uns viele Autos entgegen, wahrscheinlich aus der Hauptstadtregion, um ins Wochenende zu fahren. Viel Spaß Ihr Lieben, vielleicht ist das Wetter gar nicht so bedrohlich!
Wir machen Pläne: Ankommen, Camper ausräumen, Liste machen, Einkaufen, Kochen und Genießen! So kommt es auch. Wir essen Erdbeeren angerichtet mit Skyr, backen Kartoffeln, dazu gebratener Spitzkohl und Icelandic Lamb. Das Lamm macht Jaap, hat das Rezept von seiner isländischen Frau übernommen. Von Fleisch hab ich keine Ahnung. Es braucht drei Stunden in der Röhre, verpackt in einer Spezialfolie mit bestimmten Gewürzen drin.

Wir feiern unsere supergeile Tour, die wir heil überstanden haben und die uns ein intensives Stück Leben beschert hat!
Anderntags beschäftigen wir uns mit der Reinigung innerhalb und außerhalb des Hauses. Jaap hat vor der Tour alle Fenster neu einbauen lassen (3-fach Verglasung!) und kam nicht dazu, alles wieder an Ort und Stelle zu räumen. Auch der Fußboden wurde im ganzen Haus erneuert, eine Riesenaktion über Monate. Im Garten lagen 2 Kubikmeter Lattenholz verstreut, das sie beim Auspacken der neuen Fenster (kommen aus Litauen) liegen gelassen haben. Da wächst jetzt das Gras durch, das muss dringend verhindert werden.
Den ganzen Tag wurden wir beschallt von Sodaskapur – die Punkband von Solbert, Laura und Hildur. Eine der drei Mädels ist die Tochter von Jaap. Sie haben länger nicht zusammengespielt in ihrem Proberaum, der Garage des Hauses. Das Fenster ist offen. Sie haben heute Abend ein Konzert im Lemmy in Reykjavik und bis dahin müssen die Songs wieder sitzen. Rockmusik und bis zum Platzen von Trinkgläsern anschwellende Schreierei – äh Gesang. Sie haben alle Songs selbst geschrieben – in Isländisch – bis auf den einen „I‘m a Barbie Girl“…

Wir wollen dabei sein, kochen, essen und machen uns stadtfein. In 20 Minuten sind wir in der Stadt, finden einen Parkplatz für das überdimensionale Auto und kommen problemlos in den Club.

Eine tolle Atmosphäre, aber die nächsten älteren sind 30 Jahre jünger als wir. Das macht uns nichts, wir setzen uns auf die Galerie im Obergeschoss und warten ab, bis Sodaskapur dran sind.

Und dann legen sie los. sie haben erstmal eine Stunde, bevor eine weitere Band dran kommt. später gibt es eine Runde zwei. In Island macht wirklich „jeder Zweite Musik“!

Es ist mittlerweile brechend voll und die Leute sind außer sich. Wir kennen die Songs, die sich um Menschenrechte, Frauenpower und Umwelt drehen. Auch – typisch Punk – sinnlose Songs sind dabei, außerdem ein Kinderlied, wie es die Eltern niemals abspielen würden. Jaap ist sehr stolz auf seine Tochter und staunt immer wieder, wie erwachsen sie inzwischen ist.

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