Hesteyri kann unsere Basisstation werden, denn statt eine Runde um Hornstradir zu machen, werden wir sternförmig immer wieder von Hesteyri starten.

Hesteyri liegt am linken südlichen Fjord
Denn anders als geplant, werden wir eben nicht von Hlöduvik (da waren wir vorgestern) über den Norden (Fanalgarfjell – Fljótavatn – Nonfjell) in den Fjord von Rekavik vorstoßen können. auf dem Fanalgarfjell liegt auf über 600 Meter einfach zuviel Schnee. Das haben erfahrene Wanderer gerade ausprobiert und mussten umkehren, eine bittere Sache.
Stattdessen also kommen wir von Hesteyri aus immerhin den einfacheren Weg in den Westen und übermorgen auch nach Latrar in den Nordwesten von Hornstradir.

Wilde Schwarzbeerfelder , Blackberries, durch die es langsam außen rum und hoch geht
Sæbol liegt im Westen von Adalvik – dem Ort in dem Guðmundur aufgewachsen ist – siehe dem Beitrag IS01. Dort werden wir Zeugnisse seiner Familie finden und mal wieder eine ganz andere Gegend kennenlernen.

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Erstmal gehen wir eine große Runde im Süden um das Nóngilsfjall herum, bevor der Weg langsam ansteigt. Das hatten wir bisher kaum-langsam ansteigende Wege.

Wenn die Blackberrys rot sind, sind sie ja noch grün
Oben auf der Slettuheidi geht es dann wieder über moderate Schneefelder, bevor relativ steil in das Tal von Vestir Adalvik absteigen. Überhaut ist das die normalste Wanderung, die wir gemacht haben. Keine Extreme, kein krassen An- und Abstiege, keine gefährlichen Schneefelder. Auch der Weg ist hergerichtet, wie eine Autobahn, also relativ gesehen.

Bevor es runter geht, holt uns Hanjal ein. Sie ist gebürtig in Ungarn, seit zwei Jahren als Guide tätig auf dem Vatnajökjll (dem größten Gletscher Islands). Davor war sie in Österreich als Wanderführerin tätig, davor in der Kosmetikindustrie in Tschechien und so weiter. Sie irritiert mich, weil sie nur in Laufschuhen (Hoka) daher kommt und mit einem relativ schmalen Rucksack. Sie will auf Hornstandir 11 Tage bleiben und hat wohl alles dabei. Tja dann.

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Auf einem steilen Schneefeld – wir kennen das schon – übernehme ich die Führung und wir gehen abseits des Trails in der Karte eine großen Bogen rechts herum. Denn geradeaus geht es steil durch den unsicheren Schnee. Sie ist nach Jaap die dritte und nimmt einfach unsere Fußtapfen.

Hinter mir Jaap, dann Hanjal
Jaap und ich wechseln uns ab, indem wir sie ausfragen, was sie vorhat. Es sind ihre letzten (Urlaubs-) tage als Guide,bevor sie Ende Juni zum PCT , dem Pacific Crest Trail nach Kanada aufbricht. Sie wird in 4-5 Monaten von Canada nach Mexiko wandern. Wir haben davon gehört und glauben nach und nach, daß sie das schafft. Denn sie ist zumindest zäher als ich.

Links Hanjal (mit Moskitonetz), rechts Jaap
Im Tal fallen mich die Mücken an, mehr als je zuvor in meinen Abenteuern, auch Hanjal, Jaap gar nicht. Sie zieht einfach ihr Monskitonetz seitlich aus dem Rucksack und über den Kopf – fertig.
Wir machen Pause an der Kirche von Adalvik. Sie ist gerade ganz frisch renoviert, aber ich kann, außer von außen, kein Foto davon machen. Dicht nebenbei ist auch der Friedhof und der große könnte der Grabstein der Vorfahren von Guðmundur sein!

es geht dann noch über eine weite abfallende Route bis wieder runter ans Meer. Sobald wir im Windschatten sind, fallen mich die Fliegen an. Sie setzen sich schamlos in alle Öffnungen, wie Ohren, Nase und Augen und ich esse unfreiwillig ein paar (Proteine!).

Es hilft nur, sich einzupacken wie bei einem Sandsturm
Mit dieser neuen Komplikation – Fliegen – habe ich nicht gerechnet. Unten am Camp, das sehr schön in einer Senke abgeschirmt vom Wind liegt, umschwirren sie mich, wie die Motten das Licht. Ich will mich nicht so anstellen, muß aber beim Essen herumlaufen und auf einen höheren Standplatz. sie wollen nicht mein Essen, sie wollen mich!
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Dann kommen drei Jungs aus Dänemark entlang: Aske, Bertram und Carl. Die Großeltern von Carl stammen aus Sæbol und die drei machen hier Urlaub. Sie haben jeder ein Basecap auf und darüber ein Moskitonetz, sie kennen die Gegend. Hanjal möchte wissen, ob man am Sandstrand und weiter an der Blocksteinküste nach Latrar laufen kann. Die drei sind erfahren und gut ausgerüstet, sie haben Wanderschuhe an und kommen gerade von dort zurück. Sie meinen, es ist zu schwierig auf dem steinigen Teil. Wenn überhaupt, dann müßte man die exakten Gezeiten wissen und 90 Minuten vorher loslaufen, dann kann man den kritischen Teil schaffen. Wenn das Wasser erstmal da ist, muß man stundenlang auf einem Felsen ausharren.
Um es vorweg zu nehmen, Hanjal hat das anderntags gemacht, undzwar ohne die Gezeiten zu wissen, denn wir haben ja keinen Empfang. Sie ist dann bei Hochwasser einfach oberhalb geklettert, mit ihren Hokas, mit 15 Kilo Gepäck auf dem Rücken. OK, es geht also.

Blick runter auf Sæbol von der anderen Seite, vom Plateau des Tindfjall
Erstmal haben Hanjal und Jaap vorgeschlagen, daß wir noch einen Abendspaziergang machen: Zunächst bei den Jungs vorbei, denn ihre Powerbank funktioniert nicht und sie will sie dort aufladen. Dann steil gegenüber den Berg auf das in 400 Meter hoch gelegene Tindfjall. Da oben gab es einige Zeit eine Radarstation des britischen Militärs. Na gut, bevor mich die Fliegen auffressen, mach ich das mit.

Blick ins ausladende Nachbartal, da sollen zehntausende Vögel sein – nichts.
Ich finde den Anstieg unglaublich anstrengend, 6 km hoch und runter so als kleine Fingerübung nebenbei. Man sieht Reste einer Materialbahn, wahrscheinlich Fundamente einer Seilbahn und noch etwas Geraffel. Die Briten haben sich auch schwer getan, alles hoch zu schaffen. Ansonsten ist da oben nichts, nichtmal Abendsonne, denn die wird zu diesem Datum von einem Felsen verdeckt. Also steigen wir wieder ab.

Aufnahme kurz vor 22 Uhr zurück am Camp
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