079 Kihelkonna – Selgase (Saaremaa)

Heute eine sehr kurze Etappe. Hier oben im Nordwesten von Saaremaa gibt es nur vereinzelt Unterkünfte und wenn ich nicht so weite Etappen machen will, ist es eben mal so. Viel Sonne und massenhaft Insekten bei dem Lauf auf der Straße durch die Wälder. Seit dem Norden Lettlands vor 5 Wochen kenne ich das mit Fliegen, Mücken und mit Wespen. Das Tier des Tages war heute mal die Bremse. Meine Arme und Hände haben sich beinahe mehr bewegt als die Beine, so viel hab ich herumgefuchtelt. Wenn man läuft, schüttelt man die Insekten schon dadurch wieder ab oder sie setzen sich erst gar nicht auf mir ab. Auch bei Windstößen bleiben die meisten weg oder werden abgetrieben. Nicht so die Bremse. Sie setzt sich auch auf dem bewegten Körper und beginnt zu stechen. Sie läßt sich auch nicht durch einen Windstoß vertreiben. Falls es sticht, muß ich sie sofort wegwischen. Nun sind die nicht blöd und setzen sich, wie bei anderen Säugetieren auch, hinten zwischen die Schulterblätter. Da komme ich schlecht ran. So eine Bremse zu fotografieren, ist auch nicht so einfach, es sei denn, man läßt sie bohren, erträgt den Schmerz und mach in Ruhe sein Foto. Das entspricht nicht ganz meinem Wesen, so stoisch bin ich nicht (das Wort wird unten nochmal gebraucht).

Ansonsten strahlt diese Gegend eine unglaubliche Ruhe und Frieden aus. Nicht nur weil hier wenig los ist, sondern es ist eben auch irgendwie eine heile Welt.

Noch in Kihelkonna traf ich ein Paar aus Ceska Lipa, im Nordosten Tschechiens. Die machen hier eine Rundtour mit dem Fahrrad. Sie interessieren sich sehr für mein Projekt, sie haben einen Freund, der läuft von Tschechien nach Ungarn. Pavel Vodicka ist mit seinem Live & Food Save Run gestartet. http://www.pavelvodicka.info

Während des Laufes dann überholte mich ein Paar aus Finnland. Die Frau fuhr eine Weile neben mir her und es machte gleich mehr Spaß. Sie sprach mich auf meine Peace-Fahne an, ein Anliegen das wohl jeder auf der Welt hat. Sie erzählte davon, daß sie morgens bei ihren Gymnastikübungen immer allen Menschen auf der Welt Frieden wünscht. Mir schoß dann ein einfacher Satz durch den Kopf: „Die Welt hat 5 Idioten, der Rest ist ganz OK. “ Naja, geben wir noch einen für Afrika dazu, dann wären es sechs. Ich mußte beinahe lachen, wenns nicht so traurig wäre.

Meine Unterkunft ist heute direkt unterm Dach eines uralten, renovierten Holzhauses. Jetzt regnet es auch noch und so ist es besonders gemütlich.

Beim Abendessen traf ich Algis und seine bezaubernde Familie aus Litauen, die natürlich meine Geschichte hören wollten. Sie haben uns nach Vilnius eingeladen, ich habe das mit einer Gegeneinladung erwidert. Sie läuft auch und wir vertieften das Thema Laufen, Er ist Philosoph mit Lehrauftrag an einer Uni. Algis sagt, ich sei durch diesen Lauf auf dem Weg zu einem Stoiker. Ich hab das jetzt mal grob überflogen : „Durch Einübung von emotionaler Selbstbeherrschung, Gelassenheit und Seelenruhe findet dieser seinen Platz im ganzheitlich betrachteten natürlichen Weltsystem und strebt dabei nach Weisheit“, oder so. Vielen Dank, für dieses Kompliment, das wäre natürlich super, aber dazu müßte ich wohl hundert Jahre am Stück laufen. Immerhin, die Richtung stimmt, ich würde das Leben schon gern mehr so angehen….

Unterkunft Värava Talu, Selgase:

http://www.varava.fie.ee/

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