Erholung auf unsere Art – also teilweise nicht besonders erholsam, aber wieder super!
Wir schlafen eine kleine Ewigkeit und werden von der Wärme im Zelt geweckt – eine Überreaktion des leicht gestressten Körpers? Nein, es ist einfach Sonnenschein – wow super, das können wir gebrauchen – sehr gut!

Wir sind bester Stimmung und können alles trocknen, was gestern im nassen Schnee gelitten hat. Strapazen machen ja machmal erst hinterher glücklich. Na, jedenfalls haben wir uns aus dem Zelt geschält, für alte Leute an sich schon eine kleine Herausforderung, ohne den Nachbarn ins Gesicht zu treten.

Draußen bewacht Koki aus Japan schon eine Weile das WC-Haus. Warum das? Unter dem Haus ist der Zugang zum Fuchsbau. Und die Fähe hat vor kurzem 6 Welpen geworfen. Koki ist schon das dritte Mal hier am Horn, um Polarfüchse zu studieren. Die haben zahlreiche Besonderheiten, bleiben zum Beispiel braun-weiß statt weiß zu werden wie in anderen Teilen der Welt. Koki war deswegen schon viel unterwegs in den nördlichen Polarregionen.

Die Fähe ist im Bau und Koki rechnet damit, daß sie bald wieder auf Jagd nach Futter für die kleinen geht. Plötzlich geht alles ganz schnell, auch ich hole meine Kamera und bringe mich neben ihm in Stellung. Ich hoffe, es sind ein paar gute Bilder dabei. Sensation: Die kleinen kommen tatsächlich zum ersten Mal für ein paar Sekunden aus dem Bau und wir können dabei sein. Die Bilder kann ich erst zuhause exportieren.

Das Wetter beginnt, zuzuziehen. Wir machen uns am Strand entlang auf den Weg zu einer Tagestour ohne Gepäck. Und dann kommt die Prüfung des Tages: Meine erste Flußdurchquerung, und was für eine: wir machen uns untenrum frei, um durch das eiskalte Wasser zu waten. Wie oft habe ich mir das vorgestellt und mich davor gegrault. Nun mache ich ein Video davon. Und das heiz: Ich starte die Kamera, gehe durch den 4° kalten Fluss, freue mich, gehe nochmal durch den Fluss, stoppe die Kamera und gehe ein drittes Mal hindurch. Das hebt die Stimmung kollossal!

Der Weg zum Horn ist weiter als gedacht, aber absolut empfehlenswert. Nach dem Strand kommt eine lange Strecke über große Steine, bevor wir dann am Haus Hornvik auf höher gelegenes Grünland den Hang entlang kommen.

Allmählich gewinnen wir an Höhe und es wird immer nebliger. Irgendwie kommen die Eindrücke von gestern wieder hoch, die ich offenbar noch nicht ganz verarbeitet habe.

wir denken, wir haben das Horn erreicht, wobei uns klar ist, daß wir die höchste Stelle noch lange nicht erklommen haben können. Es macht auch wenig Unterschied, weil wir ach unten wenig sehen. Wenn Du von 300 Höhenmetern auf die Wasserfläche schaust, aber die Sichtweite ist nur hundert, dann ist es einfach nur so, als siehst Du ins Nichts.

Wir gehen eine Weile an der Kante entlang. Ich wage mich, auf dem Bau liegend, bis zur Kante vor, um Bilder zu machen, aber da ist nichts. Viele Möwen fliegen herum, denn sie sitzen und brüten in der Felswand unter uns. Hin und wieder kommt eine auf Augenhöhe über die Kante geflogen, aber das kriege ich so nicht fotografiert. Ich habe auch die Actioncam mit dem langen Stativ mit, aber leider: Akku alle. Irgendwas ist immer.

Dann geht es nochmal durch starken Bewuchs und später steinig steil hinauf, ein echtes Fitnessprogramm auch ohne Rucksack . Das muß das eigentliche Horn sein, an das sich der Hornbjarg anschließt. Aber was ist das? Der Grat wird immer schmaler und wir stehen an einer Spitze, die von drei Seiten frei ist. Das soll der Wanderweg sein? Wenn man wenigstens den weiteren Verlauf erahnen könnte. Der Wind weht mit immerhin 25 km/h und ist nebelnaß und kalt. Wir treten den Rückweg an. Wenn wir nicht noch einen Abzweig finden, müssen wir eben den ganzen Weg zurück. Denn das wissen wir hier: Off the path ist keine gute Idee in der Wildnis und schon gar nicht bei dichtem Nebel . Ein paar Tage später erzählen uns Michael und Wayn aus Gibraltar, sie haben dasselbe erlebt, nur umgekehrt, sie kamen von dort hoch auf die Spitze an einem Seil! Und das bei diesem Wetter. OK, de beiden sind nicht halb so alt wie wir und auch schon echte Haudegen.

Wir entscheiden, da nicht weiter zu gehen, sondern notfalls die Dreivierten Horneunde komplett zurück zu wandern. Es ist zu gefährlich bei diesen Bedingungen. Wir sind erwachsen genug, so etwas festzustellen.
Also spulen wir die Wanderung rpckwärts ab bis kurz vor der Flußquerung. Jaap will wieder die gesamte Prozedur ma hen mit alles ausziehen, durchwaten, den ganzen Sand abmachen, anziehen und weiter. Gesund ist diese Kneippkur bestimmt, aber ich will das hier so nicht. Es gibt noch eine Querung weiter hinten, die soll flacher sein und aber einen Umweg beinbalten. Also trennen wir uns kurz an diesem Wasserfall.

Es wird eine superschöne Wanderung entlang des Felssockels mit mehreren Wasserfällen und Felsfiguren, Eine heißt Steinthor Standur und ist ein riesen Klotz.

Am Ende dann kommt noch ein großer Wasserfall und davor geht es nicht durch den Fluß sondern durch den See. Es sind über hundert Meter zu waten, wenn auch nur bis zum Knie. Es ist arschkalt, weil das Wasser frisch von den Schneefeldern runterkommt aber ich schaffe das. Dann geht es noch durch ein Sumpfgebiet und durch eine Art schwarze Lavasandwüste, bis ich endlich am Camp bin. Also damit habe ich mit keinen Gefallen getan.
Hier geht’s zu meinem YouTube-Kanal mit allen Abenteuervideos: https://youtube.com/@abenteurerguidolange
Nach 19 km in schwierigem Gelände essen wir unsere täglich wechselnde Trekkingnahrung Trek ’n Eat, die wirklich super schmeckt und fallen todmüde ins Bett. Was für ein Tag mal wieder!
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