Glück gehört dazu, könnte die Geschichte heute heißen. Erstmal fängt der Tag harmonisch und wunderbar an: Frühstück in einem urigen Café mit Rührei – Luxus pur! Dafür müssen wir aber direkt zur Öffnung um 9 Uhr an der Tür sein. Denn 8:30 soll ein Kreuzfahrtschiff mit 4.000 Menschen ankommen, die zwar satt sind aber die Stadt fluten, am Freitag sollen sogar zwei Schiffe gleichzeitig kommen mit zusammen 8000 Menschen. Dazu muss man wissen: Isafjördur hat 2.700 Einwohner.

Als nächstes gehen wir noch ins Hornstrandir Visitor Center und erkundigen uns nach den Routen. Ich habe selbst geplant und habe auch von Florian Becker welche herunter geladen, aber sie kennen die aktuelle Situation. Sie sagen, was alle sagen und wir auch schon von weitem sehen: Unheimlich viel Schnee dieses Jahr.

Unser Boot nach Veidileysufjördur geht erst -4 Uhr, früher ging es nicht und so haben wir alle Zeit der Welt, die zwei Straßen im Zentrum abzuklappern. Aus dem Hostel brauchen wir erst nach 12 Uhr heraus, mit sauberen, trockenen Klamotten und alles nochmal durchgeguckt. Denn wenn wir erstmal ankommen auf der anderen Seite des Ísafjarðardjúp, dann wird es ernst.

Die beste Entscheidung des Tages ist Fish & Chips kurz bevor wir an Bord des Bootes gehen. Denn es würde etwas dauern, bis wir irgendwo ankommen. wo man etwas auspacken kann.

Die Überfahrt ist ein Genuss bei guten Wetter aber ordentlich Gischt im Gesicht. Was ich nicht ahne, wir legen mit 8 Passieren zuerst in Heysteri an – ein Fjord weiter, dort stiegen 6 Tagestouristen aus und dann bringen sie uns in den kalten Veidileysufjördur. Da gibt es keinen Anleger, sondern wir werden von Sergio mit einem Zodiac (Schlauchboot) an Land gebracht.

Und dann stehen wir da, satteln uns und sehen den Schnee, der von den 500 Meter hohen Bergen bis hinunter an den Fjord reicht. Das Wetter ist nicht mehr sonnig sondern es hat sich zugezogen und fängt an zu nieseln. Wir machen, was wir können: Rucksäcke an ihren Platz und dann über einen kaum sichtbaren Pfad bergan.

Schilder gibt es nicht, aber als wir die ersten steinigen Felder erreichen, sind alle paar hundert Meter Pyramiden aufgeschichtet. Die Pyramiden weisen uns den Weg.

Es wird immer rauer und die Sicht wird schlecht, weil ein dicker, nasser Nebel sich in den Regen mischt. Wir müssen eng zusammen bleiben. Die Steinfelder werden seltener und sind umschlossen von einer meterdicken Schneedecke. Die das Tauwetter sind die Übergänge zwischen Schneefeld und Steinfeld besonders tricky. Denn an den Steinen entlang taut es in die Tiefe und so bricht man schnell mal bis zum Knie kurz vor dem Übergang ein.

Das wäre an sich kein Problem, wenn wir nicht jeder 20 Kilo auf dem Rücken hätten. Denn man kommt nur schlecht wieder hoch. Es wird immer steiler und die Sicht immer schlechter. Von Norden kommt manchmal schon kalter Wind über den Gipfel und das ist unsere Richtung. Aber wir verlieren den Trail.

Wir sehen keine Pyramiden mehr und ich suche im Handy unseren Standort. Da interpretiere ich eine Fläche ohne Bergrücken als Lücke, durch die wir auf der anderen Seite herunter kommen. Aber diese Lücke treffen wir nicht, durch die Steinstreifen, den Wind und die krasse Steigung „treiben“ wir immer etwas ab.
Abonniere meine Videos zum Abenteuer Island und like sie, wenn sie Dir gefallen. Hier geht’s zum neuesten Video:
———————————————————————————————-
Wir quälen uns einen unendlich tiefen Schneehang hoch, der durch wechseldes tauen und frieren zu einer Art crushed ice geworden ist. Das Material rollt sich unter den schweren Tritten weg, als wäre man in einem Bällebad mit kleinen Bällen. Ich bin etwas höher als Jaap und schon in einer kritischen Distanz. Wir beraten laut rufend, welche Richtung wir nehmen und dann wird das Gelände allmählich etwas flacher.

Wir kommen nicht durch die Lücke sondern greiben nach rechts ab und geben uns irgendwann geschlagen. Denn dort geht es in ein Tal, das kann nicht so falsch sein. Jaap war ohnehin der Meinung, daß wir mehr nach rechts runter sollten. Auf meiner ungenauen Karte im Handy sieht es aber aus, als würden wir zwar runter, aber in einen Schneekessel gelangen können. Irgendwann läßt sich bei all der Nässe das Handy nicht mehr entsperren und wir haben nur unseren gesunden Menschenverstand, der uns sagt: So lange abwärts bis auf die ersten Moosfelder runter kann es eigentlich kein Schneeloch sein sondern irgendwie der Weg in ein Tal.
—————————————————————————- In meinem kleinen Verlag Ampelpublishing.de habe ich Bücher, eBooks und Hörbücher für Euch , (Baltikum = Baltic Adventure – also in English).

Und dann sehen wir eine Pyramide! Wir haben unseren Trail wieder gefunden und die Sichtweite ist nun wieder bei hundert Meter. Es geht alles richtig, Die Lücke war eigentlich das höchste Plateau des Gebirges, das hatte ich falsch interpretiert.

Nun müssen wir nur noch absteigen. Es sind dann nochmal über zwei Stunden im Regen, die Steine sind glitschig und jeder zweite Schritt geht in den Morast. Aber wir sind happy, das Gebirge überstanden zu haben. Es geht nicht einfach langsam runter sondern immer bis zu einer Felskante, wo dann irgendwie eine andere Vegetation ansetzt. Wir schauen runter in ein nebliges, wolkenverhangenes Tal, das durchzogen ist von Flüssen und Bächen mit vermutlich unendlich viel Sumpfland. Aber das ist jetzz, wo alles naß ist, auch schon egal.
Nach 7 Stunden, also etwa um 22:40 erreichen wir Höfn, der Pass ist mit 660 Metern der höchste unserer gesamten Trekkingtur, die Route war nur 13,4 km lang.


Mit kurz mit dem Parkranger Orri sprechen, Zeltaufbau, notdürftig waschen und sich einrichten bin ich dann erst kurz vor 1:00 Uhr im Bett.
#guidolange #abenteuerisland #iceland #hornstrandir #trekkingtour #islandtour #reiseblog #islandblog
