IS04 Gjörgur-Isafjördur

„Wenn Du nichts unternimmst, kannst Du nichts erleben“, sagt Jaap mehrmals am Tag. Und so ist es. Wir sind froh mit unserer Entscheidung und genießen die Nacht in der engen Camperkabine von Jaap. Der Wind rüttelt das Auto durch, aber Jaap hat alles längst ausprobiert, kein Sturm würde diesen Panzer umwerfen. Dabei gibt es noch viel stärkere PickUps hier mit 45″ und größere Reifen, die fahren überall hin, sogar auf den Gletscher.

Zurück auf der Straße 61 -zurück auf dem Asphalt

Nun also fahren wir die restlichen 200 km rund herum um 5 oder 6 weitere Fjorde bis nach Isafjördur. Ich kann mich so schnell nicht gewöhnen an das vor drei Jahren gewohnte Bild von schneebedeckten Bergen oben und den tief eingeschnittenen Fjorden unten.

Ich halte wieder die Kamera oder das Handy aus dem Fenster und hoffe, daß kein Schlagloch kommt

Unterwegs muß ich für uns das Wetter checken, ein Hostel ausfindig machen und buchen und die Routen und Boote herausfinden, mit denen wir auf Hornstradir fahren.

Sind vor uns angekommen: zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen über 4000 Passagieren

Die Stadt wirkt wie ein Wintersportort mit Ozean-Anschluss. Unser erster Gang ist in eine Agentur, die Bootsüberfahrten aller Anbieter verkaufen. Hier machen wir unseren neuen Plan fest: Morgen mit dem ersten Boot nach Veidileysufjördur (nun das andere), von dort über einen schneereichen 450 m Pass in den Norden nach Höfen oder Hornvik. Dort schlagen wir unser erstes Lager auf und bleiben vielleicht zwei Tage. Am Folgetag können wir dann ohne nennenswertes Gepäck auf das 540 Meter über dem Meer ragende Horn wandern, die große Runde wären 25 km, aber ohne Gepäck sicher machbar. Dann nach Westen, vielleicht im Süden nochmal ein Lager für zwei Tage und so weiter. Die Rückfahrt nach Isafjördur dann nach 10 Tagen von Heysteri mit einem anderen Boot von einem anderen Anbieter (Borea).

Karte Hornstrandir (Ausschnitt aus demN Magazin ZAUBER des NORDENS)

Das haben wir gebucht, dann die Klamotten abgeworfen im Hostel (das billigste, das es gibt mit leicht verottetem Standard in einem Zimmer im Keller für 150€). Wir bauen das völlig durchnässte Zelt über dem Doppelbett auf, um es zu trocknen, denn das Wasser ist sehr viel Gewicht für die schwere Tour morgen. Wir müssen an alles denken, alles versuchen, was uns den Trip leichter macht. Denn alles ist viel schwerer auf Hornstrandir, mit nichts in der erschlossenen Welt zu vergleichen. Deshalb überlegen wir alles genau. ich übernehme von Jaap einen Liter Benzin für den Kocher, weil ich drei Tage weniger Nahrung dabei haben und also theoretisch 2 Kilo leichter bin als beim ersten Schritt.

Jachthafen Isafjördur

Als nächstes schlendern wir durch die Stadt. Die Cafees sind überfüllt mit Kreuzfahrttouristen, die eigentlich satt sind von ihrem all inclusive Essen an Bord und die sich stundenlang an einer Tasse Kaffee festhalten. Dann aber machen wir eine tolle Entdeckung: Ein alter Container am Hafen ist mit „Kaffi“ überschrieben – das ist genau unser Stil, hier geht kein „normaler“ Tourist hinein.

8 neue Freunde , 2. v.l. Ist Magnus, geboren auf Hornstrandir

Drinnen sitzt ein privater Club älterer Herren aus dem Ort, die hier täglich die News austauschen. Auf dem Tisch sind Plastiktüten mit Keksen und Bonbons, die sie mitgebracht haben. An der Wand hängt eine Tafel mit Haken, wo jeder seine eigene Tasse hat. Eine äußerst interessante Szenerie. Hier sind wir richtig. Wir schaffen es, nicht abgewiesen zu werden. Mal wieder, weil Jaap isländisch spricht, das ist stets unsere Eintrittskarte, das war schon im Museum so, im Hostel und jetzt auch hier wieder. Er ist zu allem zu gebrauchen. Wir dürfen uns setzen und bekommen einen winzigen Pappbecher für den überaus dünnen Kaffee. Aber er schmeckt uns so gut, weil wir uns unterhalten. Wir erzählen, was wir vorhaben und sie wiegen die Köpfe. „Dieses Jahr ist mehr Schnee als sonst in den Bergen“. Ja, das haben wir schon oft gehört und auch so empfunden. Ich setze mich neben den hochbetagten Magnus, er stammt von Hornstrandir und ist nicht mehr ganz klar in der Birne. Aber er spricht immer noch englisch. Ich möchte seinen Nachnahmen wissen und abgleichen, was Guðmundur uns erzählt hat: Man erkennt die Herkunft am Nachnamen. Aber er hat ihn vergessen. Es ist auch nicht so wichtig. Wir sind total happy, auf diesen Altherrenclub gestoßen zu sein.

Declan in seiner Croissant-Butze

Auf der anderen Seite, am Hafenbecken sehen wir eine Bude mit füllbaren Croissants. Die wollen wir unbedingt probieren und schnell sind die Fakten klar: Declan stammt von der Cote d’Amor in der Bretagne, seine Freundin macht hier ein Sommersemester und er muss das Geld reinbringen mit dieser Bude. Er ist erst eine Woche hier, friert ständig (als Bretone!) und ist aber happy. Wir machen ein Bild von ihm und er freut sich wie ein Kind, daß ich schon mit dem Rad in seinem Heimatort war. Ja klar war ich das – im Abenteuer Atlantik!

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Wir hängen bei einem Bier in der Sonne ab, besuchen einen Winkel mit alten Häuser (auch Museum) und stellen fest: Eigentlich ist das mein Geburtstag, mit Kaffee, Croissants und einem Bier auf der Terrasse!

Ein Fischerboot läuft aus, es wird bis zu vier Wochen auf See bleiben.

Zurück im Hostel bauen wir das Zelt ab, das fast den ganzen Raum einnimmt , duschen und ich kann sogar eine Maschine Wollwäsche anstellen. Welch ein Luxus. Vielleicht brauchen wir das, bevor der ernsthafte Teil der Tour startet.

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Ich tippe die Berichte der letzten Tage , denn ab morgen sind wir definitiv ohne Netz. Wundert Euch also nicht, wenn nichts kommt.

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