IS02 Nordurfjördur – Krossnes – Ingolfsfjördur

Der Umweg, der eine Abkürzung war – so könnte die Überschrift Tag 2 lauten, aber der Reihe nach.

Mitternacht

Wir haben einen super Schlafplatz auf einer Schafsweide erwischt, weich, relativ trocken und an einem kleinen Bach. Zwar ist das Wasser ziemlich eisenhaltig, aber es schmeckt wie in meiner Kindheit, also kann es so schlecht nicht sein.

Später gab es diesen Wasserfall / Trinkwasserquelle und auch Dusche

Wir haben unser erstes Frühstück hier draußen – Hartkekse aus dem Militärbereich (Panzerplatten) und jeder 3 g löslichen Kaffee. Das ist natürlich kein Vergleich zu meinen Vollkornbrötchen mit selbstgemachter Marmelade zuhause . Aber ich hatte sie mir noch schlimmer vorgestellt. So wird es nun also immer sein.

Entlang und einmal herum um den Fjord

Noch haben wir eine Schotterstraße zum wandern, das soll sich in 2-3 Tagen ändern, wenn diese Straße zu Ende ist. Nordurfjordur erreichen wir eigentlich erst jetzt, aber irgendwie musste ich die Tour gestern benennen. Es ist ein Ort mit etwa 8 Häusern, angeblich mit Supermarkt, Geldautomat und Gästehaus (Gistiheimeli). Aber nichts davon trifft zu, es ist alles geschlossen. Wir hatten mit nichts anderem gerechnet.

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Als nächstes kommt Krossness – 4 Häuser. Das hätte eigentlich das Ziel sein sollen von Tag 1. Aber das ging eben gestern nicht, weil wir erst 18 Uhr gestartet waren. Kurz nach Krossnes kommt Krossneslaugar – eine heiße Quelle, die eine Hottub speist.

Und was für ein Hottub, mit Schwimmbecken!

Den müssen wir natürlich auf jeden Fall nehmen. So kann ich den Zeitpunkt, zu dem ich mich unter einen 3° kalten Wasserfall stellen muss, um zu duschen, hinauszögern. Hier in der Gegend gibt es sehr wenige heiße Quellen, weiter in unsere Richtung soll es noch eine weitere geben in Reykjafjördur, das wäre dann übermorgen.

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Ich möchte mein Handy am Schalter laden aber sie sagt nein. Ich kann das nicht glauben, erkläre ihr, daß das die einzige Steckdose in den nächsten Tagen sein wird und wir wirklich darauf angewiesen seien. Sie hat drei freie Steckdosen in ihrem Büro – nichts zu machen. Fand ich total doof. Später sitz sie mit ihrem Handy in der Sonne und erzählt Jaap, sie wohnt dort den ganzen Sommer lang. Also hat sie auf jeden Fall genug Strom für mein Ladegerät mit 5 Watt.

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Wir sitzen im Hottub und dann tippe ich an meinem ersten Bericht, denn ich habe kurz Empfang. Wir checken auch die Route und stellen fest: Wir sind auf der richtigen Route, die ganz außen im Kreis herum führt, aber dann 3-4 km Offroad, um in den nächsten Fjord zu kommen, den Ingolfsfjord.

Diese Abzweigung ließen wir aus, weil wir dachten, auf dem rechten Weg zu sein.

Aber nach allem was wir hier sehen und nach den Strapazen der anderthalb Fußmärsche wissen wir: Mit diesem schweren Gepäck können wir weder außen herum, noch dann die 3-4 km Overland gehen. Wir müssen also zurück bis zu einer Kreuzung, die wir heute Morgen bei 400 Metern ausgelassen haben. Es ist kurz deprimierend, einen Umweg von 15 km zu machen, wo ab km 10 die Schultern und Füße schwer gestresst sind. Aber die große Runde inkl. 3-4 km Offroad erspart uns auch 25 weitere Kilometer und mit dem kürzeren Weg sind wir wieder dichter an der Planung.

In Richtung Ingolfsfjördur soll die Straße gesperrt sein: „Ófart impassable„

Wir laufen also zurück nach Nordurfjördur und weiter Richtung des Abzweigs. Dann geht es hoch über einen Pass nach Ingolfsfjördur. Das Schild ignorieren wir. Jaap sagt, das wird schon gehen, das machen sie nur, um die Touristen abzuschrecken. Genau mein Stil.

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Es geht hoch hoch hoch. Man muss dazu sagen, es werden noch wesentlich steilere Anstiege kommen und dies hier ist ja eigentlich nur das Vorspiel, es ist die Anreise, um in das Naturreservat Hornstrandir zu kommen. Dann endlich der Sattelpunkt, wir sind auf dem Peak des Tages.

Blick hinunter in den Ingolfsfjord

Das Wetter wird schlechter und wir wollen an einem guten Platz sein, das Zelt aufgebaut haben, bevor Regen einsetzt. Ein Halgrim überholt uns mit seinem Mitsubishi PickUp. Andere Fahrzeuge gehen hier nicht. Er läßt die Scheibe runter und benachrichtigt uns, daß weiter vorn eine Brücke den Winter und den Wasserfall nicht überstanden hat und aber auch der Fluß sehr tief ist, etwa 1,5 Meter.

Schlechte Nachrichten von Halgrim

Wir lassen das erstmal auf uns wirken und laufen runter ins Tal in den Ort Ingolfsfjördur (5 Häuser und eine stillgelegte Fischfabrik). Da machen wir eine Pause und essen – wie passend – isländischen Trockenfisch. Der sieht aus, wie Karbonfasern und ich bin unsicher, ob ich das überhaupt will. Schmeckt aber gut und lässt sich gut kauen. Wir werden alles essen, was uns vor die Kiemen kommt, denn wir brauchen jede Energie.

Dried Fish: Cod

Wir passieren die Fischfabrik, Diener noch ein grauer Betontorso ist. Das muss viermal ein florierender Ort gewesen sein, allerdings mit harten, sehr harten Arbeitsbedingungen. Auf den Bildern sieht man scheinbar lustige Frauen, die sonst am Band stehen, sich hier aber feingemacht haben.

Ausgemusterte Öfen der Heringsfabrik

So langsam zieht es sich zu und die Feuchtigkeit eines dicken Nebels legt sich über alles. Ich bin froh, daß wir an der hintersten Spitze des Fjords auf einer herrenlosen Wiese campieren und rechtzeitig aufgebaut haben. Der Fluß wäre dann irgendwie morgen dran, aber wenn er so tief ist, wie Halgrim sagt, wäre eine Passage ausgeschlossen – zu gefährlich. Meine Planung sieht eine „Abkürzung“ über den Berg zum Ofeigsfjördur vor. Aber jetzt, wo wir den Berg sehen, wissen wir: Mit diesem Gepäck – no way. Wir müssen ganz außen rum oder generell nochmal alles überdenken. Erstmal schlafen wir relativ früh schon gegen 9 Uhr ein und dann parssselt der Regen auf das gute Hilleberg Zelt. Das kann noch lustig werden, die nächsten Tage.

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