Zurück in die Zukunft – so könnte die Zeile heute lauten.
Schon morgens vor dem Frühstück mit Hartkeks und diesmal ohne löslichen Kaffee, weil es draußen regnet, sitzen wir im Zelt und beraten, wie wir weitermachen. Offenbar hat Jaap erst jetzt begonnen, meine Tourvorschläge genauer zu studieren.

Er brachte es auf den Punkt: Mit diesem Gepäck können wir auf einer Schotterstraße mit Auf und Ab maximal 23 km weit wandern. Das passt nicht zusammen mit der Planung, die ich im Winter gemacht habe und die bei 26 km pro Tag liegt. Ich dachte damals, mit etwas Übung kann man in den ersten Tagen auf der Straße an die 30 km schaffen. Das ginge vielleicht aber das Gepäck gibt den Ausschlag. Ich merke jetzt schon an Tag 3, daß es etwas leichter geht mit 2 Kilo weniger (Lebensmittel).

Wenn man bedenkt, daß wir spätestens übermorgen querfeldein wandern würden mit immer noch knapp 20 Kilogramm, dann ist das utopisch. Er ist dafür, zum Auto zurück zu wandern und dann soweit die selbe Strecke zu fahren, wie es auf unserer Route geht. Denn in den Karten sind nur die F-Routen gezeichnet, Unklassifizierte Routen kann man aber auch mit Jaaps Auto befahren. Bis zu 1,5 Meter tiefe Flüsse kann er durchfahren (dann stünde das Wasser bis zur Fensterscheibe). Somit wäre auch das Problem mit dem unpassierbaren Fluss gelöst. Es könnte also gut sein, daß wir zwar einen Tag mehr brauchen, um zurück zu wandern, aber zwei Tage vorankommen mit dem Auto, bis dann wirklich keine Spur mehr führt oder wir vielleicht bis an die „Grenze“ von Hornstrandir kommen, wo Fahrzeuge ohnehin verboten sind.

Man könnte auch sagen, der Fußweg von Gjörgur bis ins Naturschutzgebiet ist so weit (hin und zurück), daß wir keine Zeit mehr hätten, es abzuwandern. Das war eben am grünen Tisch geplant. Man bräuchte für meinen Ursprungsplan nicht 16 sondern 26 Tage. Im Übrigen würde man die Lebensmittel für 26 Tage nicht tragen können.
Nächste Idee ist, wir wandern zurück und fahren 250 km außen herum und stellen das Auto in Isafjördur ab und setzen mit der nächsten Fähre auf Hornstrandir über. Das beschließen wir und machen uns also auf den Rückweg. nach 3 Tagen werden wir wieder am Ursprung sein. Abenteuer heißt auch, seine Pläne zu überdenken und flexibel im Kopf zu sein. Nicht ganz einfach.

Es geht also nur 21 km zurück zum Auto, weil wir ja gestern schon 15 km doppelt gelaufen sind. Im ganzen sind es 55 km in 3 Tagen für die Katz. Das stimmt so nicht. Wir haben 3 Tage hart trainiert für den Ernstfall Hornstrandir.

Wir sind zurück am Auto um 17:40 Uhr und werden noch ein Stück fahren und dann unterwegs im Camper zu schlafen.

Wir rumpeln erstmal alles zurück bis zu einer Kreuzung, an der es dann eine Nummer südlicher wieder nach Westen, diesmal nach Isafjördur geht. Vorher machen wir einen Stop zum Abendessen am Veidileysufjördur (den Fjord gibt es zweimal, hier im Gebiet Arneshreppur). Abend und Frühstück können wir inzwischen. Tagsüber gibt es Nüsse, Rosinen und andere Trockenfüchte.

Wir passieren wieder das schon 1614 von einer Baskischen Community gegründete Dorf Djupavik, direkt am gleichnamigen Wasserfall. Der Fischreichtum war damals so hoch, daß es sie aus Spanien hier her zog. Davon hat uns auch schon Guðmundur in Reykjavik erzählt. Sie haben begonnen, das ganz Dorfareal zu renovieren. Nicht ganz einfach in dieser kargen Gegend.

Gegen 22:30 beschließen wir, es gut sein zu lassen, etwa die Hälfte der Fahrt nach Isafjördur ist geschafft. Wir müssen feststellen im Camper schläft es sich bei Regen und hartem Wind besser, als im Zelt. Und – ganz wichtig – wir haben uns mit diesem Move die Möglichkeit erhalten, 10 Tage auf Hornstrandir zu wandern. Vielmehr als die meisten.
#guidolange #abenteuerisland #iceland #strandir #arneshreppur #trekking #djupavik #veidileysufjördur #islandblog #reiseblog
