089 Haapsalu – Linnamäe – Luksi

Raus aus der Stadt und ein letztes Mal für ein paar Tage in die Wildnis.  Das hätte ich so früher nicht gemacht: Es fand sich einfach kein Quartier für die erste Nacht, ich hätte entweder nur 18 oder über 40 km laufen müssen. So verlasse ich mich heute darauf, daß die Bushaltestellen nicht nur aus einem alten Schild bestehen, sondern manche auch Unterschlupf bieten. Außerdem besteht immer noch die Chance, daß es in der Realität etwas gibt, das nicht im Internet oder auf einer meiner Karten steht.

Es nieselt und windet leicht, ideal zum Laufen. Es geht erst auf einem Radweg parallel zum Highway nach Tallinn bevor ich dann nach links in die Pampa zu meinem Umweg abbiege. Nach knapp 23km habe ich Sutlepa erreicht. Das hier wäre so eine Haltestelle.

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Hier soll ein Freilichtmuseum sein, wenn auch keine Unterkunft. Immerhin eine Art Hochplateau aus Holz, auf dem ich mich eventuell einrichten würde. Aber hier ist nichts außer ein paar Blocks aus der Sowjetzeit. Das Sutlepa im Internet ist woanders, das gibt es wohl öfter. Ja, es gibt die auf der Karte verzeichnete Bockwindmühle, sie ist sehr klein, vielleicht nur eine Nachbildung und sie steht so blöd so dicht am Ort, da kann ich nicht einfach die drei Nägel an der Tür rausziehen und gucken, ob man da pennen kann. Eine Zange habe ich dabei.

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Da hängt auch noch mal eine Karte, auf der man die nächsten Haltestellen sieht. Die Straße führt dann direkt ans Meer heran und dann könnte ich mich da auch waschen. So ein Shirt mit einem Liter Schweiß drin ist schon eklig. Ich habe aber mehrere saubere Shirts mit für diese Fälle ohne Waschgelegenheit. Bei einem kleinen Räucherfischstand an der Straße lasse ich mir meinen Plan nochmal bestätigen während sich über uns ein letzter großer Regenschauer ergeht. Ich laufe, aber weder Meer noch Haltestellen sind in Sicht. Das Meer ist teilweise 50 m entfernt, aber man sieht nur Bäume, Büsche, Schilf und Mücken. Witzig: Die Wirtin, bei der ich morgen bin, überholt mich mit Ihrem Elektroauto und stoppt aprupt. Sie hat mich erkannt. Ich rufe ihr zu, daß ich morgen wie geplant komme, sie winkt.

Das mit der Haltestelle wird nichts, es gibt nur Schilder in hochbewachsener Wildnis voller Fliegen und Mücken. Dann sehe ich das Schild Luksitalu, es sieht erst aus wie die Einfahrt zu einem ehemaligen Ferienhof, dann eher wie das Clubheim einer Motorradgang. Es stehen Autos da – meine einzige Chance heute.

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Nikita hat Rockerkluft an und entpuppt sich als Mitarbeiter einer Wartungsfirma für Windradflügel. Zusammen mit seinen 5 Kollegen aus Finnland, Lettland, Moldawien und der Ukraine seilen sie sich tagsüber in 100m Höhe ab und reparieren mit Epoxydharz und Glasfasergewebe die Flügel. Heute ist es zu naß und zu windig – Mein Glück! Ich darf bleiben und werde in die Männer-WG aufgenommen.


Ich bekomme einen freien winzigen fensterlosen Verschlag wie ihn die anderen auch haben. Der Besitzer des Anwesens ist weit weg und hat das ganze Areal für 4 Monate an die Firma vermietet.

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Sie reden untereinander in der Freizeit alle russisch, während der Arbeit aber englisch. Eine spannende Angelegenheit, als wir abends noch auf ein Bier zusammen sitzen. Ich muß früher in meine Koje, weil sie morgen bei gutem Wetter früh anfangen wollen um das rein zuarbeiten, was heute nicht ging. Ich muß dann mit raus, damit sie alles abschließen können.

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