IS08 Hlöðuvík – Hesteyri

Die Sonne kommt und wie!

Es hatte leider nicht für einen Sonnenuntergang gereicht, aber sie wollte am Spätabend beinahe noch durchkommen. Am Morgen nun, wärmt sie das Zelt und schon bevor ich meine Schlafmaske (jawohl, habe ich hier erstmals benutzt) abnehme, weiß ich, sie ist da – die Sonne in Island!

Wir kommen spät los und genießen es, das Zelt von allen Seiten durchzutrocknen, bevor wir es abbauen. Denn das spart dem Jaap mal mindestens 500 g Gewicht. Auch mein Rucksack wird täglich 700g leichter, weil wir ja etwas essen. Aber ich übernehme einen Liter Coleman Benzin (für den Kocher von Jaap). So schnell geht es also doch nicht mit meiner Gewichtsabnahme. Wir denken, er hat den schwereren Rucksack.

Essen kochen am Abend

Erste Challenge des Tages : Flussdurchquerung, ist aber harmlos: zu tief um mit den Wanderstiefeln durchzuwaten, zu flach, um den ganz großen Aufstand zu machen mit Hose aus und so. Bei schönem Wetter ist so eine Kneippkur mit eiskaltem Wasser ganz erfrischend. Man merkt, ich akklimatisiere mich.

Schon fast nach Sommer im Fjord von
Hlöðuvík

Jetzt geht es den Bergkessel hoch bis zum Pass, über den man in das andere Tal, den Hesteyrifjord kommt. Es ist der Nachbarfjord des Veidileysufjördur, in dem wir ausgesetzt worden sind und liegt also auch an der Südflanke von Hornstrandir. Vorher waren wir also drei Tage auf der Nordseite.

Hornstrandir hat die Form einer Fischgräte

Die Sonne prallt ordentlich von vorn und ich mache mir erstmal keine Gedanken, wer will sich über Sonne beschweren? Jaap erklärt, daß die Sonne in Island besonders stark ist. Das kann ich gar nicht glauben, das ist doch so weit im Norden, immerhin sind wir kurz vor dem Polarkreis. Der Grund liegt in der absolut sauberen Luft. Es gibt außer in der Hauptstadt keine Luftverschmutzung, es sei denn, es bricht mal wieder ein Vulkan aus.

Wieder: Pyramiden weisen den Weg

Nach Verlieren des Trails = Orientierungsprobleme, Nebel, Regen, Kälte und Höhenmetern haben wir nun also eine neue Komplikation – die Sonne. Als ich es merke, ist es schon fast zu spät, ich habe mir leicht die Rübe verbrannt. Nun tauche ich tief in den Rucksack ein und finde meine Sonnenbrille. dazu ziehe ich die schwarze Mütze von Buff über, die ich sonst bei Kälte anhabe, um Schlimmeres zu verhindern. Was gegen Kälte gut ist, muss nicht bei Wärme gut sein, aber gegen Sonneneinstrahlung.

Wir messen wieder oft pausieren und ordentlich trinken, ehe wir den Pass erreichen. Wasser gibt es im Überfluss. Alles, was fließt kann man trinken, außer es ist heiß, dann ist es giftig!

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Oben wechseln sich Schnee- und Steinfelder ab und ich hätte die Sonnenbrille ohnehin gebraucht, um in all dem Weiß nicht zu erblinden. Und dann – gucken wir von ganz oben in den zum greifen nahen Hesteyrifjord, wissen aber, daß wir noch einen halben Tag vom Ziel entfernt sind.

Blick in den Hesteyrarfrdur

Eigentlich geht es nun immer nur langsam weiter runter, aber das täuscht. Bis zum Horizont sehen wir viele, viele Steinpyramiden, die den Weg markieren und auch der ist steinig undverläuft nicht einfach nur zu Tal, sondern immer weit oben entlang des seitlichen Hanges. Das wird seinen Grund haben, denn dazwischen liegen unendlich viele Wasserfälle oder Sturzbäche, die teilweise vom Schnee verdeckt und deshalb so gefährlich sind. Erstmal müssen wir die oberen Schneefelder bezwingen. Da ist auch Fingerspitzengefühl gefragt aber einfach auch viel Kondition.

Kochen, wo andere Wandern – wir haben alles dabei und Wasser gibt es überall

In einer Senke unterhalb kochen wir uns eine Zwischenmahlzeit, denn der Hunger ist so groß, daß wir ohnehin nicht erst am Ziel essen können. Den Tag über essen wir Cashewkerne und Rosinen, die ich im Brotgarten in Boppard-Buchholz gekauft habe – feinste Bioware. Auch Jaap hat Nüsse und getrocknete Blaubeeren dabei – ein Genuss. Aber das reicht jetzt alles nicht mehr, wir brauchen was richtiges!

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Der Weg ist ein steiniges Feld mit großen, spitzen Steinen. Teilweise wächst Gras dazwischen, wandert sich aber insgesamt ziemlich beschwerlich. Über 15 km sind in dieser Gegend kein Pappenstiel.Aber wir haben ja Zeit jetzt, wo der größte Hunger gestillt ist.

Ein Polarfuchs auf der schwierigen Jagd nach Vögeln

Wir haben ein tiefliegendes Schneefeld in großem Bogen zu umrunden, können da nicht einfach gerade runter und dem Original Pfad folgen, das wäre zu gefährlich. So kommen wir also mal wieder ab vom Weg und navigieren auf Sicht durch die Natur. Das geht hier nicht anders.

Endlich ist der Blick frei nach unten auf Hesteyri und wir sind nach einer weiteren Stunde im Ort angekommen.

23 Uhr steht das Zelt und ich bin mal wieder tief beeindruckt – hier vom Widerschein der roten Mitternachtssonne am Gebirge gegenüber.

Klarer Himmel – kalte Nacht!

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