Leichte Touren gibt es nicht auf Hornstrandir.
Das Wetter soll sich bessern, aber davon ist wenig zu spüren. Es regnet ordentlich und wir müssen machen, wie wir es geplant haben: Frühstück im Zelt (Kaffee fällt aus, weil wir den Benzinkocher auf keinen Fall drinnen anzünden werden, viel zu gefährlich (Stichflamme!)). Im Regen aber läuft der Brenner nicht richtig, wenn er naß wird. Dann anziehen der Wander- und Regenklamotten, ob Naß oder trocken, dann den Rucksack fertig packen und das Zelt verlassen. Dann vom Zelt kräftig das Wasser abschütteln, abbauen und außen am Rucksack verstauen. Nichts Nasses ins Zelt, nichts davon in den inneren Rucksack!

Alles nicht so einfach mit zwei Männern, die gelenkig sind, wie EisenbahnSchienen. Aber irgendwann stehen die Rucksäcke bereit, wir sind in unsere 3-lagigen Regenjacken und -Hosen gehüllt und wollen los.
Dann aber sprechen wir doch noch kurz mit fünf Leuten aus Rumänien, die gestern Abend mit dem Boot hier abgesetzt wurden. Sie stehen unschlüssig vor den nassen Zelten und wissen nicht, wie sie den Tag rumbringen sollen, zum Wandern ist es ihnen zu kalt und zu naß. Man kann nirgends hinein, man hat nichtmal Empfang und die Nahrung haben sie für drei Tage abgezählt. Sie wollen auf besseres Wetter warten, haha, das kann dauern. Denn dieses Wetter gerade, das ist schon Sommerwetter!
Kennen wir, wäre absolut nichts für uns, ohne Bewegung hier herum zu stehen, auf der nassen Sitzgarnitur kann man auch nicht mal sitzen!

Die Umrundung des Berges ist nicht ganz leicht: grobe, spitze, große Steine und keine Möglichkeit an Land oder Richtung Wasser auszuweichen.

Dann kommt als neue Komplikation eine Kletterpartie. Jaap schafft die mit dem 20 Kilo Rucksack, dann schaffe ich das auch!

Wir treffen Koki wieder, der Japaner harrt insgesamt 4 Wochen in Höfn aus und fotografiert Polarfüchse. Er ist schon früh unterwegs gewesen in der nächsten Buch und jetzt auf dem Rückweg zum Camp. Die Kletterpartie mit dem Seil schafft er mit einer Hand. Nichts anderes haben wir von Dir erwartet, zäher Knochen, der Du stundenlang wegen der Tiere in der Kälte auf der Lauer liegst.
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Und dann, an einer Flussmündung, die wir queren müssen, haben wir den „Strandabschnitt“ geschafft. Nun geht es aufwärts ins Gebirge.


Die beiden Belgier machen die selbe Tour wie wir, nur umgekehrt. Sie berichten von riesigen Schneefeldern oberhalb. OK, so ist es auch, wenn sie nach Veidileysufjördur wollen.

Anders als es die Karte mit dem vielen Grün suggeriert, ist Hornstrandir nicht die grüne Halbinsel mit ein paar Bergen in der Mitte. Es sind ausschließlich Bergketten, die die Fjorde einrahmen und nur ganz selten gibt es etwas Grünland davor.

Als wir ausgepumpt und nach drei Pausen den Pass auf 370 Metern erreichen, gucken wir gegenüber über eine fette Schneekante in den Abgrund. Es taut ja schon eine Weile und da sind solche an steilen Hängen klebenden Schneefelder nicht ungefährlich. Durch den Nebel ist auch nicht unbedingt zu erkennen, wo es weitergeht.

Wir entscheiden uns wie eigentlich immer in solchen Fällen: Kann das Schneefeld nicht umgangen werden, tasten wir uns langsam seitlich auf kürzestem Wege zu festem Untergrund voran. Der erfahrene Jaap überlässt mir die Führung und ich navigiere nach bestem Wissen über den Altschnee: In großen Bögen meide ich Löcher und Spalten, die schon abgesackt sind, beachte die Ströme von Schmelzwasser , denn darüber ist in Brückenform gefrorenes Eis und das wird irgendwann in diesem Sommer nicht mehr halten. Diese Taktik bewährt sich immer wieder und wir schaffen es gut über die obere Kante des Kessels.

Nun also folgt ein unglaublich steiler Abstieg. Es ist beinahe Bergsteigen und zwischendurch wird der Pfad als Bachlauf missbraucht. Auch sind dann sumpfige Abschnitte nicht weit, bevor es wieder grob steinig wird. Diese Abstiege gehen mir ziemlich auf die Knie, ob man mit 80 Kilo oder 100 Kilo Gesamtgewicht diese unregelmäßigen Stufen runter tritt, aber bis jetzt habe ich keine großen Folgeprobleme.
Irgendwann sind wir wieder Nahe der Meereshöhe und stolpern durch nasses, sumpfiges Gelände. Irgendwie muss das Schneewasser runter in den Ozean.

Der Campingplatz besteht, wie alle anderen nur aus einer Wiese mit einem Schild: Kein Feuer machen! Und es gibt das braune, spitze Dreieckhäuschen – ein Pumpsklo.
12 km in knapp 8 Stunden, das sind ja nur 1,5 km pro Stunde. Genau so ist es. Sie haben uns das schon im Hornstrandir Besucherzentrum in Isafjördur gesagt: „ Vergesst alles, was Ihr je über das Wandern gewusst habt. Das ist hier nicht vergleichbar.“ Und so ist es auch. Diese 12 km über Stock und Stein mit schwerem Gepäck, das ist kein Spaziergang für mich. Jede Trainingsrunde mit Ull bei uns zuhause lohnt sich jetzt.

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