Berlin Marathon 2018 – gute Laune garantiert

In 5 Wochen 5 Wettbewerbe, das muß man erstmal bringen. Irgendwie wollte ich keinen auslassen und so hab ich alle gemacht: Hunrück Ultra, Halbmarathons Köln und Koblenz, 25 Stunden Wiesbaden und nun der Berlin Marathon. Das hat sich gelohnt!

Die Marathonmesse war zwar irgendwie nicht so doll, aber gereizt hat es mich, den Tempelhofer Flughafen zu sehen, knapp 10 Jahre nach seiner Schließung.

Cool, daß es noch die alte Schalterhalle gibt, die Beschilderung und die Hangars.

Jeder Teilnehmer bekommt ein Badge verpaßt und danach wird sortiert. Na, ich war schnell fertig mit der Startnummer und froh, aus den warmen Hallen raus zu kommen. Eines hab ich richtig gemacht: Am Stand von Bär / Nimble hab ich mir ein paar super schöne und funktionelle Minimalschuhe gekauft, nicht für das Rennen, aber für den Alltag und für kürzere Läufe: meine Joe Nimble’s

Sie haben eine schön breite Zehenbox und sind wie angewachsen, toll. Und gelb liebe ich sowieso. Die hätte ich schon letztes Jahr im Baltikum gebrauchen können.

https://www.baer-schuhe.de/nimbletoes-trail-1916

Und nun ist RACEDAY! Immer wieder aufregend, die eigenen Rituale durchzuspielen, 4 Stunden vor dem Start aufstehen, was essen, umziehen, verschiedene Mittel gegen Aufscheuern, Fußprobleme und anderes auftragen. Startnummer festmachen und Laufchip. Ohh der Laufchip, den hab ich zuhause vergessen! Das hatte ich auch noch nicht. Das heißt natürlich, keine Zeitmessung, keine Urkunde, keine Plazierung, keine Medailliengravur. Nagut, damit kann ich leben. Um so entspannter will ich es angehen.

In der U Bahn treffe ich Gregory, einen hochgewachsenen jungen drahtigen Läufer aus Moskau. Er sieht aus wie ein 3-Stunden-Mann, aber soweit ist er noch gar nicht, hat erst einen Marathon in Moskau gelaufen und will heute deutlich unter 4 Stunden rein kommen. Wir lenken uns ab und erzählen. Es dauert nicht lange, da komme ich auf mein Abenteuer Baltikum. Er will alles wissen und wir tauschen unsere Nummern aus.

Die Siegessäule ragt in den kühlen morgendlichen Himmel. Kurz davor ist der Start.

Ganz in der Nähe das Carillion im Tiergarten, das man hätte sehr gut auch zum Start erklingen lassen können.

Die riesige Wiese zwischen Tiergarten, Kanzleramt und Bundestag taugt als Athletencamp. Tausende Zaumelemente, unzählige Zelte und Batterien von Dixiklos.

Die Sonne kommt schon vor 9 Uhr raus, es sind erst 14 grad aber das wird heute noch mehr. Ich brauche keinerlei Wärme, mir reicht mein hauchdünnes thonimara Shirt. Gut, daß ich nicht so schnell sein will. In der Startaufstellung treffe ich noch einen thonimara -Mann, wir lächeln und zu, sprechen kurz und wissen einfach, wie gut wir es haben.

Die Handbiker starten, Die Stars in der ersten Reihe werden vorgestellt, unter ihnen Elud Kipchoge, der spätere Sieger. Die Spannung steigt und dann der Startschuss – ich bin gerührt, dabei sein zu dürfen (es hierher geschafft zu haben, oder so).

Wir im Block E (3:30h und schneller) starten zeitversetzt um 9:25, ich selbst laufe ca 9:29 durch den Startbogen und starte meine Strava App. Ich muß auf die Stopuhr gucken, auch bei den Toren (alle 5km). Und immer 14 Minuten von der Bruttozeit abziehen. Denn ohne Chip weiß ich sonst gar nicht, wie ich unterwegs bin. Eine Laufuhr hab ich nicht.

Wir winken in die Kameras als wüßten wir nicht, was auf uns zu kommt. Die Leute jubeln – für die gute Stimmung ist Berlin ja bekannt. Ich trabe locker los und muß aber direkt überholen. Es sind hunderte Läufer vor mir, die wahrscheinlich nicht in diesen Startblock gehören. Das ändert sich auch bis km 30 nicht. Ich selbst werde von vielleicht 50 oder 100 Leuten überholt, überhole aber selbst bestimmt 1000. Es kommt aber nirgends zu Stau, ist immer genügend Platz. Ich ermittle ungefähr eine 5er pace und lasse mir etwas Reserven.

Ich nehme jede Wasserstelle mit und gieße mir jedes Mal zwei Becher über den Kopf. Denn mir ist schnell heiß am Kopf. Das erste Mal überhaupt stellt sich so etwas wie Routine ein, bei meinem neunten Marathon. Ich kann den Lauf genießen. Die vielen Menschen an der Strecke, die Musikbands aus allen Stadtteilen, die unzähligen Kinderhände, die ich in Ruhe abklatsche. Es bleibt auch Zeit für einen Kuß für meine Liebste.

Persönliches Musikhighlight war die Türkische Band am Kottbusser Tor. Bestimmt 20 Musiker mit den dollsten Instrumenten und einem brachial lauten orientalischen Sound. Der Sänger rief ins Mikro „Willkommen in Neukölln, das ist Istanbul in Berlin“. Sowas ist einfach nur toll.

Leider kann man nichts rausfinden über die Bands an der Strecke, die Webseite des Marathons ist im besten Falle informativ, genauso wie das lieblose Infoheftchen zum Lauf. Sie müssen sich nicht um Teilnehmer bemühen, denn Berlin hat Zugkraft. Aus 140 Nationen kommen die Läufer, viele auch aus Nordeuropa, aus dem Osten und Asien und Lateinamerika. Die Mexikaner, Costa Ricaner und andere spanisch sprachige Menschen auf der Strecke und am Rand würzen so richtig die gute Stimmung – toll. Das gibt es in Deutschland kein zweites Mal.

Ich genieße weiter und strenge mich an, der Wärme zu widerstehen. Gut, daß ich das so angegangen bin, km 15 bei 1:15, km 30 bei 2:57 etwa. So langsam weicht mein 5er Schnitt etwas nach oben auf, aber das ist absolut OK. Ich esse meine Gels, nehme meine Salzpille planmäßig und auch sonst bin ich ziemlich gleichmäßig unterwegs. Immer mehr Läufer, die anfangs zu schnell waren, schwächeln, viele gehen auch immer wieder, was ich auch von mir kenne. Heute nicht, heute alles in schön.

Wir klappern viele Sehenswürdigkeiten ab, die ich eigentlich kenne, aber mal wieder neu erlebe – aus der Marathonperspektive. Das ging mir im April in Hamburg auch schon so.

Zuletzt geht es über den Ku’damm und dann zurück nach Mitte, Friedrichstraße – Unter den Linden – Brandenburger Tor – Finish!

Nach knapp 3:37 bin ich im Ziel und bekomme meine Medaille.

Auf der Rückseite mit dem Portrait von Elud Kiochoge – dem Olympiasieger, der heute in 2:91:39 sage und schreibe 1:18 schneller war als der bisherige Weltmeister. Das kann man kaum glauben und doch bin ich dabei!

Das war ein echt schöner Lauf! Zwar 10 Minuten langsamer als im Frühjahr in Hamburg und doch herausfordernd. Gleichmäßig und langsam genug, um ihn zu genießen!

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