Frühsommer in Mailand: Stramilano mezzo marathona

Ein paar Tage ins Warme und ein schönes Rennen machen, bevor es in mein Abenteuer nach Aserbaidschan und Georgien geht http://transkaukasien.com

Das war der Plan und der hat funktioniert. Schon vor 5 Jahren, als ich den Milano City Marathon lief, sagten Freunde dort, der wesentlich wichtigere Lauf sei der Stramilano. Und ja, er hat mehr Läufer, weil 5km, 10km und der Halbmarathon angeboten werden. Es sollen insgesamt 50.000 Läufer*innen auf den Straßen unterwegs gewesen sein – 7.500 davon auf der HM-Strecke rund um die innere Stadt. http://www.stramilano.it

Mein Trip sollte insgesamt lowbudget sein und so suchte ich mir ein Hotel für 45€ pro Nacht, das Hotel Minerva an der Porta Genova.

Das Hotel ist OK, für diesen winzigen Preis sogar absolut super. Und ich bin ganz in der Nähe der Navigli, den Kanälen. Da kann man morgens ganz wunderbar seinen Lauf machen, noch vor dem Frühstück, denn dann wird es warm hier. 25 grad im Schatten Ende März sind einfach wunderbar, aber zum Laufen schon zu heiß. Die Ufer des Naviglio grande sind seit ein paar Jahren der Party- und Flanier-Hotspot schlecht hin. Noch ist zwar kaum Wasser drin und so fehlen noch die Pontons, aber es herrscht ab 20 Uhr Hochbetrieb.

Morgens ist das alles wieder weg, weil die Straßenreinigung mit Ihnen Maschinen alles kehrt und die Müllwagen containerweise Glasflaschen abtransportiert. Die Stadt hat eine Menge Sehenswürdigkeiten, Kunst – Kultur – Design. Punkt 1 des Pflichtprogramms ist der Dom – aber da will ich sowieso hin, um meine Startnummer abzuholen in einem eigens dafür errichteten Zelt. Das Zelt steht schon länger und dient als Werbe- und Registrierungsort, so kommen auch die vielen Teilnehmer*innen zustande.

Der Platz ist bestens bewacht, denn am Samstag vor dem Rennen gab es eine Ehrenveranstaltung der Alpendivision des Militärs und der Polizei. Die aufmarschierten Garden hatten teils prunkvollen Kopfschmuck zu bieten. Es wurden Reden gehalten und Marschmusik gespielt. Der eine oder andere Veteran schwächelte und so war das Rote Kreuz zur Stelle.

Ich genieße das Treiben und lasse mich treiben. Morgen ist der große Tag und so suche ich mir einen schönen Platz mit echtem italienischen Essen. Den findet man im Zentrum nicht so gut, denn es soll kein Bistrot sein und kein teures Restaurant. Irgendwas dazwischen.

Am Morgen bin ich viel zu früh am Castello Sfozesca, dem Startplatz. Denn es geht nicht um 9:00 los sondern erst 10:30. Da kommen wir richtig in die pralle Sonne. Doch wozu sind wir in Italien?

Ich sitze auf einer Bank und gucke in die Sonne. Ich unterhalte mich nach links und rechts, mit Einer Gruppe Sportveteranen und mit coolen jungen Leuten. Letztendlich treffe ich Allessandro. Er stammt aus dem Tessin, wohnt aber hier in der Nähe. Wir bleiben zusammen, bis der Start uns scheidet. Haben unsere Nummern ausgetauscht , er ist total nett und erklärt mir Mailand.

Alles findet mit einem bestimmten Italien-typischen Bramborium statt. Aber dafür sind wir hier. Es wird sogar die Nationalhymne angestimmt und Bürgermeister und Polizeichef schwitzen bis zum Start. Ich kann hier keine Fotos machen, weil ich erstmals ohne Handy laufe – nur meine neue Uhr und die macht das super. Es gibt aber Fotografen auf der Strecke.

Das Startsignal ist hier noch ein richtiger Schuß wie aus einer Kanone. Und dann gehts los. Ich konzentriere mich nur auf mich, was etwas schade ist, aber seinen Grund hat: Ich muß in mich hinein hören um nicht zu überpacen bei dieser Wärme – immerhin 23 grad im Schatten – und es gibt kaum Schatten. Und ich muß auf die Straße gucken, da sind die Plastersteine, Straßenbahnschienen und Gullys, die schon mal ein ganzes Stück tiefer oder höher liegen.

Einiges erinnert mich an 2014, beim ersten Wasser-Stand wird schon jetzt das Wasser knapp. Es gibt nur Wasser in Flaschen, aber alles gut – aqua naturale- nicht wie damals – gazata. Es gibt keine Wasserdusche oder so und auch die Stimmung am Straßenrand hält sich bis auf wenige Ausnahmen in Grenzen. Aber es gibt immer wieder Wasser und alle 3 km schütte ich mir eine ganze Flasche über den Kopf.

Beide 10 km Abschnitte laufe ich in 46 Minuten sehr gleichmäßig, und das ist an sich schon ziemlich gut für mich. Lange Zeit ist der Pacemaker für 1:40 vor mir aber dann irgendwann läßt er etwas nach, denn er ist ja offenbar zu schnell. Nach und nach überhole ich immer mehr Läufer, die zu schnell angegangen sind. Meine innere Uhr scheint zu funktionieren – ich hab da so mein System. Ich will es nicht zu früh wahr haben, aber offenbar komme ich gut zurecht heute. Vielleicht war es auch die sensationelle Thaimassage gestern, die hatten eigentlich keinen Termin mehr frei, mich dann aber doch noch dran genommen. Sowas ist für mich super am Tag vorher.

Dann der Zieleinlauf und es wird richtig laut. Denn die 5km und 19km Läufer*innen sind längst fertig und erholt und die stehen auf den letzten 2-3 km an der Bande. Sie tragen mich ins Ziel. Das war auch nötig, denn ich hatte mal wieder meine Körner exakt auf den Punkt aufgebraucht, ohne großartig nachzulassen zum Schluß.

Genial und jetzt ist die Sonne richtig toll. Man braucht keine Dusche, trocknet fast von selbst und kann sich Zeit lassen mit dem Abmarsch ins Hotel.

Ich hole mir ein Eis bei italiano chioccolata- handgemachtes Eis + Schokoladenbrunnen – mit dem Nachteil, daß man sich bei einer Schlange von 5 Leuten schon die Beine in den Bauch steht. Aber das ist mir egal – wir sind halt in Italien.

Ich will nicht in die klimatisierte U-Bahn runter und die Straßenbahnen fahren noch nicht wieder, deshalb laufe ich zu Fuß ins Hotel, immer schön auf der Sonnenseite – herrlich!

Meine Zeit ist perfekt – knapp 1:38, meine Platzierung ist auch gut, bei den ersten ca. 15%, hier sind halt viel gut Leute am Start. Altersgruppe: Platz 51 von 551 Finishern – alles wie immer.

Nun kann ich mich auf die langen Strecken einpendeln, die ich ab Baku am 23. April mit meinem Wagen laufen werde. Im Herbst laufe ich den Köln Marathon, bis dahin bin ich zurück.

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