18 Algarve Bretagne von Monte Gordo nach Lagos

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Abenteuer so packe, wie ich es geplant habe. Im Moment läuft es gut, aber ein paar Zweifel müssen noch schwinden. Klar bin ich gestern gut gestartet und die strapaziöse Anreise hab ich auch gut gemeinter. Heute kommt die zweite Etappe mit ganz andern Kaliber, doppelt so lang und schon mal ordentlich Höhenmeter. Deswegen hab ich meinen Start noch etwas verzögert und saß lieber noch länger am Frühstückstisch herum.

Noch etwas optimieren – kurz vor dem Start

Meine Freunde verabschiedeten mich herzlich und ich kreiselte etwas um Ort herum, bevor ich die Peilung und die richtige Richtung hatte.

Bestes Wetter

Die Bedingungen waren ideal: nicht so kalt und nicht zu windig. Nach 20 Kilometern trank ich was und kam hinter Tavira in einen Garten Eden bis nach Moncarapacho: Viele Kilometer durch kleinste Dörfer mit guten glatten Straßen. Links und rechts Fincas mit Orangenbäumen, Olivenbäumen und weitläufigen parkähnlichen Grundstücken. Dazwischen immer wieder Orangenplantagen.

Eine ganz tolle Landschaft

Gemüse sah ich nicht, aber als ich von einer Erhebung ein Foto machen wollte und schon das Meer am Horizont sah, waren es doch nur Meere von Gewächshäusern. Und dort wird das Gemüse angebaut. Man denkt gar nicht, daß diese typisch rote Erde so fruchtbar sein soll.

Viele Orangen- und auch Zitronenbäume

Zwischendurch machte ich nochmal eine Trink- und Fotopause.

Das dunkle im Vordergrund ist ein Trinkwasserspender

Dann wurde die Gehend langsam abgelöst durch eine weniger idyllische Landschaft und ich war zurück auf der Nationalstraße.

Hier essen die Einheimischen

In Almancil war mit 69 km gut die Hlfte geschafft und ich suchte mir ein typisches portugiesisches Restaurant. Hier war es richtig voll, viele Handwerker und Büroangestellte aßen hier und tranken schon mal den ersten Wein. Warum auf den Feierabend damit warten, es ist eines der Nationalgetränke. Herrlich, dieses geschäftige Treiben von Inhaber und Mitarbeitern, dieses laute Klappern der Espressotassen, das harte Abklopfen des Kaffesatzes und das Zischen des Milchschäumers. Der Laden brummt.

Naranjas!

An der Landstraße gab es jetzt viele Verkaufsstände für Orangen – 3 Säcke = 5€ , das sind bestimmt 6kg!

Am Horizont kamen immer dunklere Wolken auf und mir schien, es sei besser dichter an der Küste zu fahren, da war der Himmel heller. Das half gut aber kurz. Irgendwann wurde es ein veritabler Dauerregen, den ich nicht länger ignorieren konnte. Ich verpackte das Handy und holte es immer nur in Bushaltestellen raus, um mich zu orientieren. Das war auch nötig, wenn ich nicht immer nur auf der Fernstraße fahren wollte. Aber ich verfuhr mich natürlich und dann blieb ich halt auf der Hauptstraße.

Wie man sieht, bin ich nicht ganz zufrieden mit der Situation.

Der Regen nadelte im Gesicht und ich zog die Mütze unterm Helm weiter runter, zog die Brille fester und den Schlauch bis über die Nase. Immerhin, den Sonnenbrand bekommt man dabei nicht.

Die Brille beschlug bei den Anstiegen und auch alles andere wurde irgendwie schwerer, nicht nur das Gepäck, das sich langsam vollsog.

Irgendwann wurde es hinten wieder heller und man konnte mit einem Durchbruch des Sonnenlichts rechnen. Ich hielt gegen die Abkühlung durch strammes fahren an, aber ewig geht sowas auch nicht. Kurz vor der Sonne merkte ich meinen Platten am Vorderrad.

Gut, daß der Regen aufgehört hatte und ich die Reparatut nicht bei strömendem Regen machen mußte.

Kurz nach dieser Aufnahme war der Reifen platt

Ich packte alles Gepäck auf dem Seitenstreifen aus, damit ich an Werkzeug und Ersatzschlauch kam, drehte das Rad auf den Kopf und tastete den abgenommenen Reifen mit klammen Fingern nach der Ursache ab. Ich konnte nichts finden. Mir wurde in meinen durchnässten Klamotten immer kälter, aber jetzt noch umziehen und die anderen Sachen naß machen wollte ich nicht. Also pumpte ich den kaputten Schlauch auf und forschte an der entsprechenden Stelle am Reifen. Tatsächlich fand ich eine senkrecht reingebohrte braune Scherbe. Das war gut. Nun konnte ich alles leicht zitternd zusammenbauen und dann aber los auf die letzten 13 km nach Lagos.

Ich strampelte wie verrückt um warm zu werden. Während der Fahrt machte ich mir Gedanken um einen neuen Ersatzschlauch. Es war Samstag Abend, und mindestens einen Tag ohne Ersatz wollte ich ich riskieren. An einem Chinesischen oder Vietnamesischen Laden mit Klamotten und Schuhen wollte ich mich nach einem Bikeshop erkundigen. Aber sie halfen mit mit einem Flickset für 1,30€ . Das geht natürlich auch und ich war froh, eine Lösung für eventuell aufkommende Probleme zu haben.

Noch vor dem Zentrum fand ich eine kleine herunter gekommene Bleibe für 35€, immerhin mit einer (ziemlich verkürzten) Badewanne zur Regeneration.

Das Zimmer hat keine Heizung, aber ich bekam an der Rezeption einen kleinen Heizlüfter. Aus der Kofferablage machte ich ein Trocknungsgestell und stecke den Lüfter ein. Dann Badewanne und ich war glücklich.

Meine Trocknungsanordnung

Später aß ich dann noch einen großen Berg Nudeln und dann war ich wieder richtig müde. Beharrlichkeit war heute wichtig, und die hatte ich genug. Mal schauen, wie es morgen wird.

Tour 2: Monto Gordo (PT) nach Lagos (PT) 130 km, 1000 Höhenmeter, 7 Stunden

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6 Gedanken zu “18 Algarve Bretagne von Monte Gordo nach Lagos

  1. Lieber Guido, ich wünsche dir viele Eindrücke auf deinem Weg. Besonders beeindruckt mich das Du statt in Laufschuhen mit 2 Rädern unterwegs bist. viele Grüße von Ulli aus dem Laufcamp vor einigen Jahren

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    1. Vielen Dank, liebe Ulli, toll daß Du mir auch auf diesem Abenteuer folgst. Wenn man nicht jedes Jahr ein Sabbatical bekommt, kann man mit der größeren Reichweite auf dem Rennrad doch einiges erleben. Im letzten Jahr fuhr ich Rotterdam-Brest ein Bretagne und deshalb soll es möglichst auch dieses Jahr bis Brest gehen. Wir werden sehen ob es klappt. Ich bin ganz begeistert von den Menschen und dem Land Portugal. Guten Lauf!

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    1. Vielen Dank, lieber Lutz. Ich bin das erste Mal in Portugal und werde ja die gesamte Küste hochfahren. Bis jetzt bin ich sehr begeistert. Die Menschen, ihr Gelassenheit, ihre Fußballverrücktheit, die Landschaft, das Essen, einfach alles. Sie nehmen als Autofahrer auch Rücksicht und fahren viel defensiver (bis auf die drei Fahrer mit Potenzproblemen, die haben wir bei uns ja auch).

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