Nach den letzten vier, absolut herausfordernden Tagen haben wir uns einen Pausentag verdient. Der soll hier in Hesteyri sein.

Eigentlich täglich kommen jeden Tag Boote von Isafjördur hier an und fahren direkt oder auf Umwegen zurück. Es gibt auch Tagestouren: Mit einem Guide kommen sie gegen 9:30 an, machen eine kleine Wanderung, frühstücken und fahren wieder ab. Das ist Hornstrandir auf die ganz kurze Tour.

währenddessen herrscht im „Old Doctors House“ Hochbetrieb. Denn es muss für alle Gäste Frühstück bereit stehen.

Es wäre also der falsche Zeitpunkt, gerade jetzt dort Kaffee trinken zu wollen. Es ist kalt wegen der klaren Nacht am Fjord aber sonnig, unsere Stimmung steigt. Wir haben auch schon etwas vor: Oben auf einem Hochplateau hatten wir gekocht und gegessen und dort habe ich wohl meine Barfußschuhe vergessen. Die sind aber immens wichtig für Flußquerungen. Jaap braucht auch immer Bewegung, also gehen wir ohne Gepäck zusammen wieder rauf und suchen das steinige Plateau nach dem Ort ab, wo wir gestern waren. Eher durch Zufall finden wir die Schuhe. Beide hatten wir den Platz ganz anders in Erinnerung.

Na, egal. Jaap will wieder runter ins Tal und barfuß am Strand spazieren und ich gehe ein Stück mit, aber um abzubiegen zur ehemaligen Walfabrik. Da wurden früher die gejagten Wale zerlegt und vor allem Tran gekocht. Viele Städte Europas nutzen das zur Beleuchtung als Lampenöl. Als die Walpopulationen rapide abnahmen, entschied Island 1915, das massenhafte Schlachten und Jagen von Walen einzustellen.

Der Fjord von Hesteyri war damals rot vor Blut und überall an den Ufern lagen verwesenden Walteile herum. Das ganze Tal stank bestialisch und auch den Arbeitern ging es nicht gut. Nur wenige Einheimische waren bereit, diese Sauerei mitzumachen und so wurden Gastarbeiter heran geschafft. Auch deren Wohnungen stanken und alles im Haushalt klebte vor Fett.

Noch einige Jahre wurde das Areal dann als Heringsfabrik genutzt und in den 30er Jahren aufgegeben. Eine Infotafel berichtet von alldem unter dem Motto „DieNatur holt sich alles zurück“. Und so ist es auch, nur noch ein paar Mauern, große Siedebehälter und der hohe Schornstein zeugen von dieser kurzen Blütezeit eines schmutzigen Geschäfts. Ich bin auf den Spuren des Lebens der Menschen vier auf Hornstrandir.

Ganz unbedingt ist ein Besuch des Friedhofes. Denn ich kann da eine Tafel mit Begrabenen studieren. Die typischen Namen von Hornstrandir sind es, n denen sich die Nachfahren untereinander noch heute in Island erkennen.

Auf dem Weg zum Camp fotografiere ich noch Entenfamilien im seichten Wasser des Ufers und Blumen. Unglaublich, wie die Natur es schafft, innerhalb von 2 Wochen aus einer kalten Tundra eine blühende Landschaft zu machen.

Dann ist es Zeit, mal einen besseren Kaffee zu trinken im Old Doctors House und sich mit dem Pächter anzufreunden. Hrólfur Vagnsson hat in Hannover Akkordeon studiert,spricht also auch deutsch und lebt winters in Hamburg Barmbek.

Die Preise muss man durch 150 teilen, sind aber weiter hoch. Sie schaffen alles aus Bolungavik mit dem Boot heran.
Wir machen noch eine weitere Wanderung am Strand, bevor uns langweilig wird.

Morgen geht es wieder los und weitere Tage mit schönem Wetter kann es eigentlich nicht geben. Wir schauen mal.

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da konntet ihr ja mal einen Tag die Seele baumeln lassen 👍 liebe Grüße Peter&Margarete
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