14 Bretagne Tour Le Conquet nach Brest

Improvisationstalent war heute gefragt. Nicht bei der Zimmersuche. Schon vor ein paar Tagen, als mir auffiel, daß ich genau am Starttag und -ort der Tour in Brest sein würde, habe ich nach einigen Versuchen ein Einzelzimmer im Vauban bekommen.

Gediegenes Hotel mit schönem Testaurant

Allerdings liegt mein Zimmer nicht vorn an der Spitze, sondern direkt gegenüber, in der Kniekehle sozusagen. Aber immerhin, es hat ein Fenster zum Innenhof.

Morgens also Abschied in Le Conquet, wo wieder mal Ebbe herrscht.

Wie immer: Boote warten auf Wasser

Auch dort wirft die Tour ihre Schatten voraus. Am Frühstückstisch sitzt ein Fernsehteam aus Belgien. Sie sind Redakteure und müssen nicht mit der Kamera auf der Schulter den ganzen Tag auf dem Motorrad sitzen – der schlimmste Job von allen. Nein, die sind aber auch in Le Conquet, in einem billligen Hotel um die Ecke untergebracht.

Motorräder der Kamerateams

Kein Wunder, wenn ich gestern kein Zimmer bekam, selbst hier draußen haben sie alles für die Tour-Begleiter gebucht.

Noch sind alle entspannt, auch ich. Heute nochmal eine richtige Ladung bretonisches Wetter: Kalter Regen und Wind. Also, ich würde nicht sagen, ich hab mich dran gewöhnt, aber ich stellte mich darauf ein. Auch beim Packen habe ich nochmal was verändert, damit die wichtigen Sachen trocken bleiben. Es wird eine Wasserschlacht, die aber nur eine Stunde dauert. Immerhin hatte ich gestern gut vorgearbeitet und so waren es nur noch 25 km.

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In Brest ist es zunächst mal etwas unübersichtlich, aber ich folge meinem Instinkt. Denn bei diesem Regen kann ich das Handy nicht rausholen. Irgendwann in der Stadt kommen noch Sperrungen und Umleitungen dazu. Da steige ich erstmal ab und orientiere mich. Eine Sperrung haben sie für das Astana-Team aus Aserbaidschan gemacht, die gerade ihr Lager hier aufbauen.

Nach einem Foto ist mein Handy zu naß, um auf mich zu reagiere

Sie holen ihre Räder raus und schrauben schon daran herum. Vielleicht noch mal Luft Pumpen? Na, vielleicht habe ich später noch Gelegenheit, das genauer anzugucken und Fotos zu machen.

Im Vauban ist mein Zimmer noch nicht fertig, aber ich kann mein Fahrrad im Lieferanteneingang abstellen und mich in der Toilette umziehen. Das meine ich mit Improvisieren.

Bahnhof, Hafen im Hintergrund

Denn ich will keine Zeit verlieren und als nächstes eine Fahrkarte kaufen. Das ist ziemlich ernüchternd, denn das Reisezentrum ist geschlossen wegen Streik. Da ist monatelang Corona und nun kann man reisen und die streiken!

Rückblende: Bf Saint Brieuc

Ich hätte mir gleich in Saint Brieuc eine Fahrkarte kaufen sollen, aber da war ich erstmal so geschockt, daß es keine Möglichkeit gibt, mit dem Zug mit einem Fahrrad von Brest nach Rotterdam zu kommen. Er sagte damals 171€ Abfahrt 5:18, Ankunft 13:45, 1x umsteigen. Und ich müsse mein Fahrrad auseinander nehmen und dann einwickeln.

Da dachte ich, vielleicht frage ich nochmal woanders. Aber in Lannion war das Reisezentrum generell geschlossen und in Morlaix wollte ich nicht 300 Höhenmeter investieren, um dann auch nur vor einer geschlossenen Verkaufsstelle zu stehen.

Hier also Streik, nur Automaten. Ich wählte alles brav aus, aber es tat sich nichts. Ich mußte andere Leute fragen, auch Radfahrer. Und die sagten, alle hätten Probleme mit den Automaten. Wir hangelten uns zusammen durch und es gab, auch wegen Streik, nur eine Verbindung: Viel länger, teurer und an Fahrradmitnahme war nicht zu denken. Also improvisieren.

Ich kam vom Bahnhof erstmal wieder ins Hotel, mein Zimmer war fertig und ich wollte meine Klamotten zum trocknen aufhängen. Die Heizung war kalt, ließ sich aber aufdrehen. Mit etwas Glück waren die Klamotten und Gepäcktaschen nachher trocken, während ich das nächste Thema anging. Ich mußte mein Fahrrad einpacken.

In einem Supermarkt kaufte ich 4x Haushaltsfolie und in einem 2€-Shop eine Rolle Klebeband. Auf dem Weg kam ich wieder in so ein Teamlager von der Tour.

Sie sind aus Bahrain
Und sie haben jede Menge Räder mitgebracht, plus Werkstatt und Mecbaniker

Ist schon interessant, so ein Ding mal von nahem zu sehen.

Zurück im Hotel mußte ich feststellen, Heizung kalt, nichts zu machen. Also improvisieren. Ich hängte alle Klamotten in Richtung des Föns auf und präparierte den mit dem Klebeband.

Der macht ganz schön Dampf und heizte das ganze Bad auf

Ich mußte zwischendurch immer mal abschalten, damit die Konstruktion nicht überhitzte, aber es half.

Als nächstes wollte ich das mit dem Rad angehen, aber ich durfte mich allein nicht im Lieferanteneingang aufhalten. So ließ ich mich im Sprühregen auf der Straße nieder und ging ans improvisieren.

Kleiner kriege ich es nicht
Aber es ist schmal und stabil. Als Griff habe ich das Fahrradschloss

Ich wurde dabei von Christo inspiriert. Die älteren erinnern sich – Stichwort Reichstag. Hoffentlich geht das so, ich wüßte nicht, was ich sonst machen sollte. Wäre ich jetzt mit dem Tourenbike hier, ginge das nicht. Das Paket mit Fahrrad und Gepäck wiegt insgesamt 17 Kilo, das kann man gerade noch so ein paar hundert Meter tragen. Aber so ein Tourenrad mit Gepäck wiegt 25, ein eBike sogar 35.

Als nächstes ging ich nochmal los, Reiseproviant kaufen. Denn in den 12 Stunden Zugfahrt mit 3x umsteigen kriege ich garantiert Hunger. Am Place de Liberté haben sie alles aufgebaut für den Start morgen.

Platz vor dem Rathaus in Brest

In den Straßen stehen überall Fahrzeuge von der Tour, im Hotel checken jede Menge Promotionkräfte ein, die den Leiten was verkaufen sollen, zum Beispiel Teilnahme an einem Ökoprogramm. Wißt Ihr was, Leute: Baut von dem Geld Radwege und macht die Fahrradmitnahme möglich. Da wäre schön viel gewonnen.

Tourbegleitfahrheuge

Und ich will kein Gemecker von Greta wegen der Folie und dem Klebeband. Aber ein bisschen hat mir das schon weh getan.

Hoffentlich klappt das morgen.

Kurze Etappe

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2 Gedanken zu “14 Bretagne Tour Le Conquet nach Brest

  1. Tolle Sache, bin begeistert von dem, was du erleben durftest und erduldet hast! Vor allem, dass du an der Tour schnuppern konntest! Alles Gute weiterhin.

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